AboDie gut entwickelte Gründüngung kann vor dem Winter noch Energie tanken und in Form von Biomasse über- und unterirdisch speichern.Konservierende LandwirtschaftGründüngungen im Herbst Sonne tanken lassen und von Unkraut sauber haltenMontag, 18. September 2023 Vielerorts leuchten derzeit die Gründüngungen mit Phacelia als lila Flecken in der Landschaft. Die Idee solcher Mischungen besteht darin, neben der Bodenlockerung die vorhandenen Nährstoffe aufzunehmen und für die nächste Kultur zu speichern, erinnert Bruno Sticher von Samen Steffen. Solche Mischungen für ein stärkeres Wachstum aktuell zu düngen, wäre nicht sinnvoll. Anders sieht es bei Zwischenfutter aus: «Wenn gräserbetonte Bestände im Frühling als Futter genutzt werden sollen, kann eine leichte Güllegabe im Herbst sinnvoll sein», sagt Sticher.

Mist für die nächste Kultur

Verrotteter Mist könne sowohl in Zwischenfutter als auch Gründüngungen ausgebracht werden, fährt Bruno Sticher fort. Bei hohem Strohanteil im Mist sei es allerdings fraglich, ob dieser Dünger bis im Frühling verrottet. «In eine stehende Gründüngung ausgebracht, ist der Mist bereits für die nächste Kultur auf der Parzelle», sagt er. So spart man sich die Überfahrt im Frühling, was je nach Standort sinnvoll sein könne. Es gilt in diesem Zusammenhang abzuschätzen, ob die Fläche im Herbst oder im Frühling besser befahrbar wäre für die Düngung.

Nicht unbedingt nötig

Gründüngungen können stehend in den Winter gehen. «Das hat den Vorteil, dass der Boden sich im Frühling besser erwärmt, als wenn die Pflanzen niedergedrückt eine Matte bilden», so der Fachmann. Weit fortgeschrittene Bestände sind vor der Samenreife mit Walzen oder Quetschen abzustoppen. «Mulchen braucht mehr Diesel und ist nicht unbedingt nötig», ergänzt Sticher. Wie vorgegangen werde, hänge aber auch von der Strategie des je-weiligen Landwirts ab: Welche Überfahrten werden noch gemacht? Erfolgt eine ganzflächige Bodenbearbeitung oder Direktsaat? In letzterem Fall könnten stehende Pflanzen Spritzschatten verursachen.

«Wenn möglich würde ich den Winter arbeiten lassen», rät Sticher. Die Kälte lässt abfrierende Gründüngungen eingehen. Gequetschte und abgelegte Pflanzen würden allerdings Unkraut im Frühling besser unterdrücken. Mulchen im Herbst hat laut dem Fachmann einen Nachteil in punkto Schädlinge: «Die stark mit Wasser gefüllten Pflanzenzellen werden auf einmal zerstört, was rasch viel Stickstoff freisetzt und Fäulnis fördern kann.» Das locke Schnecken an.

Frost- oder Reifmulche

In Deutschland kenne man die «Frost- oder Reifmulche», also Mulchen im Januar oder Februar bei möglichst tiefen Temperaturen. Unter diesen Bedingungen werde der Stickstoff in den Pflanzenzellen verzögert freigesetzt. «Man sollte grundsätzlich nicht nur der Ordnung und Sauberkeit wegen im Herbst die Gründüngung mulchen», fasst Sticher seine Empfehlung zusammen.

Dieses Jahr habe er wegen viel Stroh auf den Feldern Probleme mit Schnecken gehabt, sagt Thierry Salzmann. Die Gründüngungen seien daher nicht so gleichmässig gewachsen wie in anderen Jahren. Jetzt im Oktober stehen bei dem Landwirt aus Bavois VD fast keine Gründüngungen (GD) mehr. Er hat sie gehäckselt und Gerste sowie Weizen als Direktsaat in den Boden gebracht.

Flüssigdünger zur Saat

[IMG 2]«Weil die dichte Bedeckung die Mineralisation im Boden bremst, gebe ich immer zur Saat ein wenig flüssigen Harnstoff mit Ammoniumanteil», erklärt Thierry Salzmann. 15 bis 20 kg Stickstoff pro Hektare in dieser Form seien genug, um die Zeit zu überbrücken, bis das Bodenleben die Nährstoffe aus dem Pflanzenmaterial freigesetzt habe. Auch Gründüngungen gibt er eine kleine Menge Flüssigdünger bei der Saat. «Das geht auch mit Gülle», ergänzt der Waadtländer. Da er aber lediglich Kälber hält, fällt bei ihm keine Gülle an.

Mist in stehende GD
Den Mist der Kälber auf seinem Betrieb hingegen bringt er mit dem Miststreuer in stehende Gründüngungen aus. Terminiert wird die Gründüngung im Frühling mit einer Messerwalze, es folgt die Zuckerrübensaat im Strip-Till-Verfahren. «So geht kein Stickstoff verloren», erläutert Salzmann.

«Mehr ist besser»
Auf seinem 39-ha-Betrieb mit Weizen, Gerste, Triticale, Raps, Zuckerrüben und Mais setzt Thierry Salzmann bis auf die beiden letzt-genannten Kulturen auf Direktsaat. Getreide und Raps baut er als IP-Suisse-Extenso an, Zuckerrüben und Mais werden als Strip-Till gesät. «Sobald der Mähdrescher weg ist, säe ich wann immer möglich eine Gründüngung», erklärt er sein Vorgehen. Die Mischung enthält in seinem Fall 10 bis 15 Arten, das Saatgut platziert er 5 cm tief. «Mehr Arten ist besser», ist Salzmann überzeugt. Das gebe mehr Biomasse, und die Pflanzen kompensieren, wenn in einem Jahr die Bedingungen für gewisse Arten weniger gut sind. Gründüngungen mit mehr Arten seien zwar auch teurer, dafür spare man bei Direktsaat aber Maschinenkosten. «Das gleicht sich aus», so der Waadtländer.