Eines vorneweg: Die Bekämpfung von Schermäusen lohnt sich nicht immer. Wenn die Population nach einer Massenvermehrung sehr gross geworden ist (mehr als 40 Mäuse, d. h. rund 20 gut unterscheidbare Baue pro Hektare) wartet man besser den Zusammenbruch der Schermaus-Population ab und beschränkt die Schutzmassnahmen auf besonders wertvolle Kulturen wie Obstbäume oder Blumenfelder. 

Mehr zur Populationsentwicklung von Schermäusen: Mäusezyklus – sie kommen in Wellen

Wenig wählerische Vielfrasse

Wühlmäuse (dazu gehören Scher- und die kleineren Feldmäuse) sind laut Cornel Stutz von Agroscope nicht wählerisch, was den Boden anbelangt. «Es ist vor allem die Kultur, die sie anlockt», erklärt der Fachmann. Besonders beliebt ist zusammenhängendes Grasland ohne Strukturen wie Einzelbäume, Hecken oder Wälder. Letztere durchwandern die Schermäuse nicht. 

Auch der Winter macht den Tieren kaum zu schaffen. In besonders milden Jahren können sie sogar einen bis zwei Extra-Würfe grossziehen, was die Population etwa verdoppeln kann. 

Am liebsten auf Naturwiesen

Der Favorit von Schermäusen sind gedüngte Wiesen, am liebsten Naturwiesen, da dort der Boden nicht bearbeitet wird. Auch Obstanlagen bewohnen sie gerne und schädigen die Bäume durch Wurzelfrass. Im Futterbau sind Maschinenverschleiss und reduzierte Futterqualität (wegen Verunreinigungen und schlechter botanischer Zusammensetzung) die Folgen starken Mäusebefalls.

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Treten Wühlmäuse in Massen auf, kann es Totalschäden geben. (Bild Cornel Stutz) 

Mehr Mäuse – mehr befallene Kulturen

Steigt der Mäusedruck in einer Region, besiedeln die Tiere auch Kunstwiesen. Wird der Platz knapp, sind Schermäuse auch auf Dauerweiden zu finden. Schermäuse gibt es bis in Höhenlagen von rund 1400 Metern über Meer. 

«Feldmäuse bevorzugen wenig intensiv bewirtschaftete Wiesen, (Strassen-)Borde, aber auch Ackerkulturen, wo Körner anfallen (z.B. Raps oder Getreide). Gegüllte Flächen werden gemieden.» So erklärt Cornel Stutz die Vorlieben der kleineren Verwandten der Schermaus. 

Zusammen vorgehen ist wichtig

Da Schermäuse sobald sie geschlechtsreif sind den Bau ihrer Elterntiere verlassen, um sich einen eigenen zu graben, müssen Nachbaren bei der Mäusebekämpfung zusammenspannen. Ansonsten wandern einem mausenden Landwirten über kurz oder lang immer wieder Jungmäuse aus der Nachbarschaft auf sein Land ein.

 

Das hilft gegen Mäuse

Hindernisse in den Weg legen:

  • Ein Mäusezaun lohnt sich bei wertvollen Kulturen wie Obstbäumen, Blumenfeldern oder Gemüsegärten. Er verhindert das Einwandern von Schermäusen aus benachbarten Parzellen.

Natürliche Feinde fördern:

  • Hermelin und Wiesel über Nistkammen in Stein- und Asthaufen
  • Füchse am Leben lassen
  • Mausende Katzen halten
  • Sitzstangen für Taggreifvögel und Nistkästen für Turmfalken anbieten
  • Nistkästen für Schleiereulen
  • Hecken als Nistgelegenheit und Deckung
  • Eine strukturreiche Landschaft (mit Einzelbäumen, Hecken usw.) hilft. Massenvermehrungen von Schermäusen einzudämmen

Bauanleitungen dazu:

Ackerbauliche Massnahmen:

  • Pflügen vertreibt Wühlmäuse
  • Fruchtfolgen machen eine Parzelle für die Tiere unattraktiv
  • Bei grossem Befallsdruck wird aber auch eine neu gesäte Wiese bald wieder besiedelt werden.

Im Obstbau:

  • Mäusezaun mit Standbyfallen (von Andermatt Biocontrol)
  • Mausen
  • Mulchen kann bei Feldmäusen abhelfen: Sie werden von Greifvögeln besser erkannt; bei Schermäusen hilft Mulchen nicht so viel, da sie sowieso hauptsächlich unterirdisch leben. 

Zum Mausen:

Wühlmäuse sind eine wichtige Nahrungsquelle für Wildtiere, daher sollte wann immer möglich auf die Verwendung von Gift bei der Bekämpfung verzichtet werden. Ausserdem sind Gifte eine teure Methode.

  • Fallen stellen (Topcat)
  • Frassköder (zugelassener Wirkstoff Bromadialon) ist ein langsam wirkender Blutverdünner. Bei unkorrekter oder grossflächiger Anwendung besteht ein grosses Risiko, dass nicht Zielarten vergiftet werden können. 
  • Gastabletten (Alu- oder Calciumphosid) erzeugen zusammen mit der Bodenfeuchtigkeit ein Nervengas, das auch für den Anwender gefährlich ist. Nur Kleinflächige Anwendung durch geschultes Personal!

Gegen Maulwürfe:

Auch die Hügel von Maulwürfen können zum Problem werden. Allerdings vermehren sich diese Tiere nicht so stark wie Wühlmäuse und ernähren sich ausschliesslich von Würmern sowie Insekten und deren Larven.

  • Bei Bedarf mit Drahtbügelfallen fangen

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Maulwurfshügel sind vulkanförmig, das Loch liegt in der Mitte des Erdwalls. Schermäuse schieben die Erde aus ihren Gang und schichten sie nicht auf. Daher liegt der Eingang zum Mäusegang nicht in der Mitte des Hügels und dieser ist insgesamt flacher. (Bild Pixabay)