Anders als die kleineren Feldmäuse verursachen Schermäuse in der Schweizer Landwirtschaft immer wieder grössere Schäden. Problematisch sind angefressene Wurzeln im Obstbau und die von den Mäusen aufgeschütteten Erdhügel, die im Futterbau die Ernte verunreinigen und Maschinen beschädigen. Hinzukommt eine Verschlechterung der botanischen Zusammensetzung.

Strukturierte Landschaft verhindert Totalausfälle

Schermaus-Populationen entwickeln sich in für sie geeigneten Gebieten (solchen mit einem hohen Anteil an Futterbauflächen) laut Cornel Stutz von Agroscope in Zyklen. Je nach Umgebung gibt es zwei mögliche Verläufe:

UmgebungKurveBeschreibungSchäden
Offene, strukturarme Wiesenlandschaft

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Peakförmige Entwicklung: Massenvermehrungen alle 5 bis 7 Jahre, danach bricht die Population schnell zusammen. Hohe Ertragsausfälle bis zu Totalschaden
Strukturiertes Futterbaugebiet

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Glockenförmige Entwicklung: Konstante Mausaktivität mit gelegentlichen Maxima, ohne vergleichbar massenhaftes Auftreten.

Meist viele Wühler, dadurch immer wieder Verschmutzungen des Futters, erhöhter Maschinenverschleiss, Verschlechterung der botanischen Zusammensetzung, reduzierte Futterqualität

 

 

Wann gehts los?

Junge Schermäuse wandern in der Regel ab April bis Mitte November nachts und bevorzugt bei Regen. Weibliche Tiere bringen pro Jahr bis zu 5 Würfe à je 2 bis 8 Junge zur Welt, die sich nach 5 Wochen bereits selbst wieder vermehren können. Daher ist die rasche Bekämpfung kleiner Populationen wichtig, um ein massenhaftes Auftreten zu verhindern.

Bei milden Wintern und Herbst können 1 bis 2 Würfe mehr dazukommen, was grob gerechnet zu einer Verdoppelung der Population führen kann.  

 

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Treten Mäuse massenhaft auf, kann es zum Totalschaden kommen. (Bild Cornel Stutz)

Wissen, woran man ist

Strukturen im Futterbaugebiet, etwa Hecken, Weiden, Einzelbäume oder ein naher Waldrand können also verhindern, dass sich alle paar Jahre eine wahre Flut von Schermäusen durch die Felder wühlt. Verantwortlich für diese Kontrolle sind natürliche Feinde, die in dieser Umgebung Unterschlupf finden können. 

Zu wissen, in welchem Stadium der Entwicklung sich eine Mäusepopulation befindet, ist auch für die Bekämpfung interessant: Vor einer Massenvermehrung muss sofort gehandelt werden, während kurz vor dem Zusammenbruch der Population Abwarten die bessere Alternative ist. Dann sollte man aber rechtzeitig Futterreserven anlegen, um gegen einen Totalschaden gewappnet zu sein. 

Einen Anhaltspunkt gibt das Mäuseradar der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues AGFF.

Mehr als 40 Mäuse pro Hektare sind zu viel

Nach einer Studie der Kantone Neuenburg und Jura liegt die Schwelle bei 40 Mäusen pro Hektare an. Das sind gemäss Cornel Stutz 20 gut unterscheidbare Baue pro Hektare. Ab dann lohne sich das Mausen. Seien mehr Schermäuse auf einer Fläche aktiv, müsse man sich auf besonders wertvolle Kulturen wie Obstanlagen, einen Gemüsegarten oder Blumenfelder konzentrieren und den natürlichen Zusammenbruch der Population abwarten. 

Mehr zur Bekämpfung: So werden Sie der Mäuse Herr

 

Wühlmaus oder Maulwurf?

Im Gegensatz zu Schermäusen, die wie Feldmäuse zu den Wühlmäusen gehören, fressen Maulwürfe keine Pflanzenteile. Stattdessen ernähren sie sich von Insekten. Ausserdem zeigen Maulwürfe keine Massenvermehrungen, sondern haben einmal pro Jahr maximal vier Junge. Dafür graben sie aber ein sehr grosses Gangsystem, weshalb es von oben meist nach einer grösseren Population aussieht, als tatsächlich im Untergrund lebt.

Um die beiden Tiere an ihren Bauten zu unterscheiden, sollte man sich die Haufen an den Tunnelausgängen anschauen:

  • Maulwürfe bilden vulkanförmige Haufen aus grobscholliger Erde, die rund um das Loch in der Mitte geschoben wird.
  • Die Hügel von Schermäusen hingegen bestehen aus feinkrümeliger Erde und sind eher flach, da die Wühler die Erde seitlich aus dem Bau werfen. Daher ist das Loch auch nicht in der Mitte eines Erdwalls. 

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(Bild Pixabay)