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Im Wallis weiden immer weniger schwarze Kühe

Was im Wallis begann, hat sich über die ganze Schweiz verbreitet. Trotz grossem Interesse an Ringkuhkämpfen gehen der Branche die Eringer-Züchter aus.

Es sollte ein grosses Fest werden: Die 100-jährige Jubiläumsfeier des Schweizerischen Eringerviehzuchtverbands war über zwei Wochenenden geplant. Doch wie die meisten Anlässe im Corona-Jahr 2020 fiel auch dieser ins Wasser. «2020 war ein verlorenes Jahr. Ohne Feste stand die Szene still», sagt Remo Tscherry, Landwirt und Vorstandsmitglied des Verbands.

Als Ersatz feierte der Schweizerische Eringerviehzuchtverband diesen Herbst im Rahmen des Herbstmatches im Amphitheater in Martigny sein Jubiläum. Neben dem eigentlichen Ringkuhkampf wurden auch Rinder, Kühe und Stiere aufgeführt und prämiert.

Im Wallis weiden immer weniger schwarze Kühe
Remo Tscherry züchtet zusammen mit seiner Frau unter anderem rund 20 Eringerkühe. Im Winter hält er sie im Stall neben seinem Wohnhaus in Agarn VS.

Das Wallis als Ursprung

Die sogenannten Stechfeste und die Eringerzucht haben im Wallis Tradition und stossen auf viel Sympathie. Im Unterwallis noch weit mehr als im Oberwallis. Nur 20 Prozent der Züchter(innen) stammen aus dem deutschsprachigen Kantonsteil. Was im Wallis begann, hat sich längst über die ganze Schweiz verbreitet. Heute werden in 18 Kantonen Eringerkühe gezüchtet. Damit der Ursprung dieser einzigartigen Rasse nicht verloren geht, dürfen Regionalausscheidungen und der Nationale Kampf nur im Wallis stattfinden.

Der Tierschutz schaut hin

Zwei Kühe die miteinander stechen, lassen das Herz eines Kenners schnell einmal höher schlagen. Für einen Laien sieht ein Kampf zweier Eringerkühe schnell nach Tierquälerei aus. «Der Kampf liegt in der Natur der Tiere und ist das einzige an der Kuh, das man nicht züchten kann. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Kuh gravierende Verletzungen erlitt», sagt Remo Tscherry.

Fütterungstechnisch bestehen heutzutage mehr Möglichkeiten, gutes Futter herzustellen als früher. Es gibt keine bestimmten Regelungen, welches Futter die Kämpferinnen vor einem Fest zu sich nehmen dürfen. Deswegen forderte der Tierschutz strengere Kontrollen. «Seit ungefähr 20 Jahren werden nach jedem Fest vereinzelte Dopingkontrollen durchgeführt. Auch hier hat es noch nie einen Fall gegeben», sagt der Landwirt weiter.

Gewaltiger Rückgang

Im Wallis weiden immer weniger schwarze Kühe
Die Jungen entspannen sich, bevor auch sie in ein paar Jahren die Kampfarena betreten werden.

Der Ringkuhkampf ist sehr populär. «Früher war es ein Anlass, um wieder einmal unter die Leute zu kommen. Da stand die Geselligkeit im Vordergrund. Das fehlt mir sehr», erinnert sich Remo Tscherry. Heute schaue jeder vermehrt auf sich selbst; am Ablauf habe sich aber kaum etwas geändert, sagt er weiter. Die durchschnittliche Besucherzahl bei Regionalkämpfen liegt bei 3000 bis 4000. Der nationale Kampf, der jährlich im Mai in Aproz stattfindet, zieht über 10'000 Besucher(innen) an. Trotzdem gibt es je länger, desto weniger Tiere. Vor rund 60 Jahren gab es noch 25'000 Herdebuchtiere, heute sind es noch ungefähr deren 6500. Dieser Rückgang ist besorgniserregend; das findet auch Remo Tscherry: «An einem Züchtertag prognostizierten wir, dass von den 100 Teilnehmenden rund die Hälfte in zehn Jahren kein Vieh mehr halten wird.» Auch Tscherry, der zusammen mit seiner Frau Diana seinen selbst aufgebauten Hof in Agarn betreibt, weiss nicht, wie es eines Tages mit seinem Betrieb weitergeht: «Wir haben keine Kinder und somit keine Nachfolgeregelung. Wir sind bei Weitem nicht die Einzigen mit diesem Problem.»

Im Kanton Wallis ist man bemüht, den Erhalt dieser Rasse zu sichern. Die Dienststelle für Landwirtschaft hat deswegen im Rahmen eines Projekts im Obergoms ein Bonussystem eingeführt. Sömmerungsbetriebe mit Haltung von einheimischen Rassen, darunter auch Eringerkühe, erhalten einen Bonus. Weiter hat das Departement für Volkswirtschaft und Bildung (DVB) eine Weisung mit rund 20 Massnahmen zur Unterstützung der einheimischen Rassen ausgearbeitet. Vielen ist klar: Das Verschwinden der Eringerkühe wäre ein grosser Verlust eines wichtigen Walliser Kulturguts.

Herkunft der Rasse:

Die Eringerrasse ist ein Überbleibsel der Rinderpopulation, welche ursprünglich das Alpengebiet zwischen den österreichischen Alpen und Savoyen (F) bevölkerte. Ihre Blutgruppenstruktur weicht markant von derjenigen der übrigen Schweizer Rassen ab. Bis 1859 ordnete man dieses Vieh den kleinen Gebirgsrassen zu. Davor praktizierte man vor allem die Kreuzung von verschiedenen Rassen für die Aufzucht. Ab diesem Zeitpunkt erwähnte die Walliser Regierung erstmals in einem Bericht die «Evolener Rasse». Ab dem Jahre 1861 wurde sie als «Eringer Rasse» erstmals in den Katalogen der Viehschauen aufgeführt. 2002 wurde der «Evolenerschlag» als zusätzlicher Rassenbestand festgelegt.

So wird gekämpft:

Ein Ringkuhkampf wird in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die Rinder sowie die Erstmelker kämpfen in separaten Kategorien unabhängig vom Gewicht. Die drei Hauptkategorien werden nach Gewichtsklassen unterteilt. Alle teilnehmenden Eringer werden gewogen und den jeweiligen Klassen zugeteilt. Am diesjährigen Herbstmatch in Martigny wogen die Eringer aus der ersten Kategorie zwischen 693 und 818 Kilogramm. Die zweite Kategorie reicht von 639 bis 692 Kilogramm und die leichteste von 521 bis 637 Kilogramm. Ab zweieinhalb Jahren ist eine Kuh im besten Alter, diese Kategorien aufzumischen. Bei den Sommer- und Herbstmatches müssen die Eringer trächtig sein.

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