Im Jahr 2024 mussten Kartoffelbauern ihre Kulturen mehr als vierzehnmal behandeln. In normalen Jahren seien es sechs bis acht Behandlungen, schreibt Agroscope. Zusammen mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) sowie dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wurde nun ein neues Projekt gestartet. Das Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt die Arbeiten. Die «Studie zur Populationsdynamik der Kraut- und Knollenfäule» soll die Praxis bei der Reduktion des Fungizideinsatzes unterstützen.
Absenkpfad und Branchenziel geben den Takt an
Schliesslich ist nicht zuletzt der gesetzliche Auftrag mit dem Absenkpfad Pflanzenschutzmittel klar: Bis 2027 sollen die Risiken durch PSM halbiert werden. Die Kartoffelbranche hat sich selbst vorgenommen, bis 2028 rund ein Viertel der Anbaufläche mit robusten Sorten anzupflanzen, bis 2040 80 Prozent. Ein Ziel der neuen Studie ist auch, diese Resistenzen zu erhalten.
Beobachtungsnetz in den Anbaugebieten
«Die Population des Erregers der Kraut- und Knollenfäule verändert sich von Jahr zu Jahr», schreibt Agroscope. Neue virulente und genetisch vielfältigere Stämme seien sowohl für die Widerstandsfähigkeit robuster Kartoffelsorten als auch für die Wirksamkeit von Fungiziden eine Gefahr. «Einige dieser Krautfäule-Stämme können Resistenzgene überwinden oder zeigen eine verringerte Empfindlichkeit gegenüber wichtigen Fungiziden», verdeutlichen die Forschenden. Wo solche Stämme in der Schweiz auftreten, ist bislang allerdings unbekannt.
Daher etablieren die Forschenden im Rahmen dieses Projektes ein umfassendes Beobachtungsnetz in den Kartoffelanbaugebieten. Damit sollen die Krautfäule-Erreger genetisch bestimmt werden, um die Zusammensetzung und Dynamik der Populationen in der Schweiz besser zu verstehen.
Konkret formuliert Agroscope folgende Projektziele:
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Erreger, Sorten und Fungiziden
- Entwicklung von Analyse-Methoden zur frühzeitigen Entdeckung von Hochrisikostämmen
- Identifikation strategischer Probenahmegebiete für frühe Warnhinweise
- Verständnis des Selektionsdrucks, der durch agronomische Praktiken und Anbausysteme entsteht
Mit Pilotbetrieben und Workshops in die Praxis
Es ist vorgesehen, die Resultate unter anderem zur Verbesserung des Prognosemodells PhytoPRE zu nutzen. Angestrebt werden demnach angepasste Empfehlungen zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule für die Praxis, für eine optimale Sortenwahl und gezielten Fungizideinsatz – inklusive tieferer Kosten für die Betriebe und geringerem Befallsrisiko. «Um einen schnellen Wissenstransfer zu gewährleisten und das Vertrauen der Landwirt(innen) zu stärken, wird ein Netzwerk von Pilotbetrieben eingerichtet», heisst es in einer Mitteilung zum Projekt. Auch soll es Workshops geben, in denen die getesteten Strategien diskutiert werden. Für den Frühling 2026 ist geplant, die Methode der Probesammlung zu präsentieren.