«Macht die Kuh das Klima zur Sau?» Trotz provokantem Titel seien sachliche Diskussionen auf der Suche nach Lösungen gewünscht, sagte Silvia Morgenthaler, Präsidentin der SVP-Ortspartei, die das Podiumsgespräch in Staffelbach AG organisiert hatte.
Zahlen ohne Zeigefinger
Vor vollem Saal erzählten die Landwirte auf der Bühne, wie sie das veränderte Klima bei ihrer Arbeit spüren: Starkregen, Trockenperioden, Mäuse- und Insektenplagen nach milden Wintern. Theorie und Zahlen lieferte Daniel Bretscher von Agroscope in seinem Einstiegsreferat. Vorangetrieben wird der Klimawandel durch Treibhausgasemissionen. Weltweit gehen rund 25 Prozent zulasten der Landwirtschaft, in der Schweiz sind es 16 Prozent, die grösstenteils die Tierhaltung verursachen. Sind Kuh, Schwein und Co. also Klimakiller?
Keine Schulzuweisungen
Daniel Bretscher warnte vor Schuldzuweisungen. Er sieht Zahlen als Werkzeug, um das System zu verstehen. Kühe, die Methan ausstossen, ernähren schliesslich auch Menschen, wenn sie Gras in Lebensmittel umwandeln. Futterzusätze, Zucht und bauliche Massnahmen könnten den Methanausstoss laut Bretscher höchstens um 10 bis 20 Prozent reduzieren. «Der wirklich grosse Hebel liegt beim Konsum», stellte er klar.
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Massiv mehr Selbstversorgung
Die Schweizer Bevölkerung isst dreimal mehr Fleisch, als für eine ausgewogene Ernährung empfohlen wird. Würden sich die Menschen an die Grundsätze der Lebensmittelpyramide halten, wären die Emissionen massiv tiefer. Das bedeutet in einem möglichen Szenario: 40 Prozent weniger Rindvieh, kaum noch Silomais-Anbau und eine massive Steigerung des Selbstversorgungsgrads, da Ackerflächen direkt für die menschliche Ernährung genutzt würden.
Verständnis für höhere Preise?
Bei dieser Entwicklung müssten die Konsumentinnen und Konsumenten allerdings mitmachen. Sie müssten sich anders ernähren. Die Landwirte am Podium zeigten sich skeptisch. «Wenn du die Schweizer Landwirtschaft umbaust, ohne den Konsum zu beachten, wird einfach mehr importiert», sagte Ernst Wandfluh. Im Laden seien nachhaltige Lebensmittel neben Billigware wenig attraktiv, bestätigte Max Hauri, aber im direkten Gespräch erlebe er Verständnis für die höheren Preise seiner Bio-Produkte. Ruedi Müller verwies auf die Macht des Marktes: «Wenn der Konsument etwas Neues wollte, hat es die Landwirtschaft noch immer gebracht.» Georg Klingler plädierte für Genuss statt Mahnfinger: Er möchte Konsumenten für eine neue Art des Essens begeistern.
Teures Zögern beim Klimaschutz
«Leisten wir uns zu billiges Essen, damit wir Geld für anderes ausgeben können?», fragte Moderatorin Susanne Hochuli in den Saal. Bretschers Antwort: «Was wir für Lebensmittel bezahlen, spiegelt in keiner Weise die Umweltkosten wider.» Die teuerste Variante sei es, beim Klimaschutz weiter zu zögern. «Die ökologischen Belastungsgrenzen sind nicht verhandelbar – brechen sie zusammen, bricht auch die Produktion zusammen.»
Podium
Am SVP-Podium in Staffelbach AG diskutierten Daniel Bretscher (Agroscope), die Landwirte Max Hauri und Ruedi Müller aus Staffelbach, Georg Klingler (Landwirt/Greenpeace) und Ernst Wandfluh (Landwirt/SVP-Nationalrat). Susanne Hochuli (Greenpeace Schweiz) moderierte den Anlass.