Insgesamt handelte die zur Fenaco gehörende Anicom AG im vergangenen Jahr mit rund 1,1 Millionen Tiere. Rund 30 Prozent davon wurden in der Ostschweiz gehandelt. Entsprechend hoch war die Beteiligung der Produzenten an der Anicom-Tagung Ostschweiz in Niederuzwil SG. Das Interesse am aktuellen Marktgeschehen mobilisierte.
Es kommt zu Rochaden in der Verwaltung
Es war auch die letzte Tagung, die Anicom Verwaltungsmitglied Cyrill Schildknecht aus Gossau SG leitete. Auf die Generalversammlung am 2. Juni 2026 wird er aufgrund der Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren aus der Verwaltung verabschiedet. Zu seinem Nachfolger nominierte die Anicom Franz von Büren Junior aus Bischofszell TG.
Ein Dämpfer seitens des Konsums
Gastreferent war Stefan Schoch, der seit zehn Jahren «als Nicht-Metzger», wie er sagte, bei der zur Fenaco gehörenden Ernst Sutter AG aus Gossau SG tätig ist. Als Mitglied der Geschäftsleitung ist er für Beschaffung und Logistik verantwortlich. Er ging auf die gedämpfte Konsumentenstimmung ein. Aktionen und Rabatte würden immer beliebter. «59 % der Konsumenten geben an, regelmässig von Promotionen zu profitieren und 46 % geben zu, einen Einkauf zu verschieben, um auf ein Sonderangebot zu warten», sagte Schoch und fasste kurz zusammen, was dies für den Fleischkonsum bedeutet:
- weniger Filet – mehr Hackfleisch
- weniger Labels – mehr QM Schweizer Fleisch
- weniger Frischfleisch – mehr Würste.
Mehr Spielraum durch «weniger ist mehr»
Nicht weniger Schlagwort-verdächtig war seine Sicht auf die Produktion. «Weniger ist mehr», sagte er und weiter: «Wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot, dann können wir dem Markt entgegentreten. Umgekehrt wird es schwierig, mit den Mitbewerbern mitzuhalten.» Speziell wies Schoch auf den hohen Inlandanteil von Fleisch und Fleischwaren bei der Ernst Sutter AG hin. Beim Schwein seien es fast 100 % (Gesamtmarkt 96 %), ebenso beim Kalb (Gesamtmarkt 96 %). Beim Rind sind es rund 88 % (Gesamtmarkt 82 %), beim Geflügel rund 89 % (Gesamtmarkt 66 %) und bei Schaf/Lamm 55 % (Gesamtmarkt 42 %).
Harter Konkurrenzkampf
Aber die Konkurrenz ist gross und die Marktmacht liegt in wenigen Händen. So würden die Mitbewerber in der Fleischverarbeitung, Micarna und Bell, 50 % des Schlachtviehs in der Schweiz verarbeiten. Die Ernst Sutter AG schlachtet nicht mehr selbst, seit sie vor zwei Jahren den Schlachthof in Langnau BE aufgegeben hat. Auch sonst schliesst das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 600 Millionen Franken jährlich die Reihen.
In Gossau SG führt das Unternehmen zwei Standorte zusammen und integriert die Brühwurstproduktion von St. Gallen-Winkeln nach Gossau. Dort entsteht zu einem Betrag im zweistelligen Millionenbereich ein neues Kompetenzzentrum für Fleischwaren. Der Spatenstich erfolgte am 26. September. Im Oktober wurde zudem bekannt, dass der Standort in Geuensee LU geschlossen wird.
Ein Ausblick auf das kommende Jahr
Die Tagung schloss mit dem Hinweis, dass die Anicom 2026 ihr 60-Jahr-Jubiläum feiern kann. Die Jubiläumstagung der Ostschweizer findet als Abendveranstaltung am 6. November 2026 wieder im Gemeindesaal Niederuzwil statt.
«Vor Weihnachten die Schlachttiere rechtzeitig anmelden»
Nachgefragt bei Julius Jordi
Wegen der Feiertage gibt es über Weihnachten und Neujahr weniger Schlachttage. Was heisst das für die Anlieferungen?
Julius Jordi: Zurzeit werden Woche für Woche 45’000 bis 50’000 Sauen an die Schlachthöfe geliefert. Sowohl die Weihnachts- als auch die Neujahrstage fallen dieses Jahr auf Wochentage. In diesen beiden Feiertagswochen werden deutlich weniger Schweine geschlachtet, denn die Angestellten haben frei und es fehlen Verkaufs- und Schlachttage. Die Schweine kommen dann in der Folgewoche zusätzlich auf den Markt. Dieser Peak ist für alle herausfordernd, deshalb setzen wir alles daran, das Angebot an Schlachtschweinen vor den Feiertagen vollständig zu platzieren. Aus diesem Grund fordern wir die Produzenten auf, ihre Schlachttiere rechtzeitig anzumelden. Kommt es bei den Schlachtungen über die Feiertage zu grösseren Verzögerungen, werden die Tiere zu schwer und es gibt Abzüge.[IMG 2]
In Ihrem Schlusswort forderten Sie die Produzenten auf, «zukunftsgerichtet, positiv und anpassungsfähig» zu bleiben. Sind die Bauernfamilien seitens Behörden, der Politik und anderen nicht schon genügend strapaziert?
Es ging mir in meinem pointierten Schlusswort darum, die anwesenden Anicom-Kundinnen und -Kunden auf ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität hinsichtlich Marktveränderungen und Tierseuchen zu sensibilisieren. Wir müssen den Tatsachen in die Augen schauen: Die Produktion ist aktuell zu hoch. Deshalb sind die Schweinezüchter angehalten, ihre Belegungen zu reduzieren und ihre überzähligen Moren auszumerzen. Zudem sollten alle Produzenten die ASP-Konformität auf ihren Betrieben sicherstellen – sobald die genauen Parameter bekannt sind.
In ihrem Referat haben sie als Ansprechperson Anicom Ostschweiz auch aus Produzentensicht gesprochen: weshalb?
Da ich privat Sauen halte, verstehe ich die Anliegen der Produzenten aus eigener Erfahrung zu 100 % und kann mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren. Dieser Praxisbezug wird von unseren Kunden sehr geschätzt. Schlussendlich sitzen Produzenten, Vermarkter und Verarbeiter im gleichen Boot. Eine noch so kleine Mehrmenge schafft Probleme für alle Seiten. Im Sinne der Marktstabilität muss jede Wertschöpfungsstufe Verantwortung übernehmen.

