Das wichtigste Traktandum an der Hauptversammlung des Glarner Bauernverbands im Gesellschaftshaus in Ennenda war die Wahl eines neuen Präsidenten. Nach zwölf Jahren trat Fritz Waldvogel zurück – so ist es in den Statuten festgehalten. Eigentlich hatte der Vorstand die Nachfolge aufgegleist. Der Kandidat zog sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen drei Wochen vor der Versammlung zurück. Fritz Waldvogel bedauerte, dass ein Verband mit fast 300 Mitgliedern nicht in der Lage war, eine Nachfolge zu finden. Er rief seinen Mitgliedern zu: «Haben Sie den Mut, in ein solches Amt einzusteigen.» Es brauche junge Frauen und Männer, die dazu beitragen, die Zukunft der Landwirtschaft zu gestalten. 

Weiterhin im Vorstand des Schweizer Bauernverbands

«Manch einer sagte zu mir, häng doch noch ein Jahr dran», sagte Fritz Waldvogel. Das sei für ihn nicht infrage gekommen. Er will sich vermehrt um seine Familie und seine Frau kümmern. «Meine Frau Jacqueline hat mir immer den Rücken freigehalten. Jetzt bin ich dran und für sie da», sagte er. Bis im November werde er jedoch im Vorstand des Schweizer Bauernverbands die Bauernverbände aus Appenzell Inner- und Ausserrhoden, Schaffhausen und natürlich aus Glarus vertreten. Das Präsidium jedoch bleibt verwaist. Der Vorstand sei gut organisiert und werde mit Geschäftsstelle die Aufgaben des Bauernverbands wahrnehmen, versicherte er den Mitgliedern.[IMG 2]

Gerührt war Fritz Waldvogel über das Abschiedsgeschenk. Es handelte sich um eine Uhr auf einer Schieferplatte mit dem Bild der Alp Äugsten oberhalb von Ennenda, von wo aus man einen weiten Blick über das Glarner Hinterland hat. «Weitsicht steht auch für die zwölf Jahre, in denen Fritz Waldvogel das Präsidium innehalte», sagte Sandra Hefti, Geschäftsführerin des Glarner Bauernverbands. «Die Alp ist meine zweite Heimat», sagte Waldvogel und war begeistert: «Die Alp Äugsten ist quasi meine zweite Heimat.» Unter Standing Ovation wurde ihm der Titel Ehrenpräsident verliehen.

Bildungsfonds wird aufgestockt

Beschlossen wurde an der Versammlung neu ein Grundbeitrag von 20 Franken, um den Fonds für die landwirtschaftliche Berufsbildung aufzustocken. Der Beitrag pro Hektare bleibt bei Fr. 2.10.

Neuigkeiten im Vollzug

Markus Richner leitet seit vergangenem August die Abteilung Landwirtschaft. Er erinnerte die Bauernfamilien daran, dass die Anmeldung für die Direktzahlung zurzeit erfolgt. Die Strukturdatenerhebung wird neu über das Softwaretool Lawisplus erhoben. Wer Probleme mit der Flächenerfassung habe, solle sich bei der Abteilung Landwirtschaft melden.

Die Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekte werden im Kanton Glarus weitergeführt und zur neuen Beitragsart «Projekte für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität» zusammengeführt. Vorgesehen ist dies auf 2028. «Dafür sind wir bereit», sagte Richner. Auf Bundesebene fordern zwei Motionen, die Einführung auf 2030 zu verschieben und im Rahmen der AP 2030 zu bearbeiten. Darüber werde in der Frühjahrssession des Bundesparlaments entschieden.

Investitionskredite werden gekürzt

Punkto Strukturverbesserungen geht es Glarus nicht besser als vielen anderen Kantonen. «Aufgrund von Liquiditätsproblemen wird der Kanton verschärfte Massnahmen für die Vergabe von Investitionskrediten einführen», sagte Markus Richner. So soll die Laufzeit und Beitragshöhe gekürzt werden. Zudem werde der Landerwerb nicht mehr unterstützt.

Landsgemeinde 3. Mai

Zum Abschluss der Hauptversammlung erinnerte Fritz Waldvogel die Mitglieder daran, an der Landsgemeinde vom 3. Mai teilzunehmen. Dabei werde über das revidierte Landwirtschaftsgesetz abgestimmt und den Memorialantrag der Bauerngruppe Glarus Süd. Die Bauern aus Glarus Süd fordern, dass Tierverluste mit «Ursache Grossraubtiere» vollumfänglich entschädigt werden – nicht nur, wenn der Riss durch den Wolf klar nachweisbar sei, sondern auch dann, wenn die Tiere verschleppt wurden und nicht mehr aufzufinden seien.