Rund 14 000 Milchkühe werden jährlich auf den Bündner Alpen gesömmert. Dazu kommen Mutterkühe, Ziegen und Schafe sowie Equiden. «Bei uns alpen 18 % aller Schweizer Rindviecher und 30 % aller Schafe», sagte Riet Pedotti, Leiter Direktzahlungen/Sömmerung Landwirtschaftsamt Graubünden, an der Alpmeistertagung. Insgesamt zahlten Bund und Kanton 2025 rund 35 Mio. Franken Sömmerungs- und BFF-Q2-Beiträge für die Alpbewirtschaftung aus. Dabei erinnerte Pedotti die Teilnehmer(innen) daran, dass Anträge und Mutationen auf Sömmerungsbetrieben bis zum 30. April der Amtsstelle mitzuteilen seien.
Pedottis Zahlen zeigen eindeutig die Wertschöpfung, die sich durch die Sömmerung für das Bündnerland ergeben. Das wäre aber ohne die Menschen, die Alpfunktionäre und Älpler(innen) nicht möglich. Sie bringen Leidenschaft und ein enormes Fachwissen mit – und dies nicht nur zu den Sommermonaten. An der Alpmeistertagung ehrte Cyril Graf, Präsident der Kommission Alpwirtschaft des Bündner Bauernverbands, die 22 Frauen und Männer, die zusammen gezählt 632 Alpsommer verbrachten.
Praktikumsbetriebe gesucht
Für die Professionalisierung der Alpwirtschaft setzt sich der Plantahof ein. Zum Beispiel mit einer Ziegen- und Schafhirtenausbildung. Dafür suchen Jan Boner und Martin Schäfli vom Plantahof noch Alpbetriebe, die einen Praktikumsplatz anbieten. Sie machten einen Aufruf an der Alpmeistertagung.
Ventile und Dichtungen überprüfen
Auf den Bündner Alpen werden rund 6000 t Alpkäse produziert. «Diese Wertschöpfung ist wichtig. Wenn die Qualität unserer Alpprodukte stimmt, können wir über den Preis entscheiden», sagte Stefan Bless, Milchwirtschaftsberater vom Plantahof. Aber ohne Reinigung und Unterhalt von Maschinen und Gerätschaften kann man keinen qualitativ hochstehenden Alpkäse produzieren, sagte er. Auf fast allen Alpen seien Dampfkessel im Einsatz. Dann zählte er auf, was zu achten sei:
- kontrolliert den Betriebsdruck (optimal bei 0.5 bis 1.2 bar) und überprüft die Funktion und Dichtigkeit der Sicherheitsventile.
- verwendet trockenes Holz
- kontrolliert die Wasserspeisung, auch wenn sie automatisiert ist. Nie ohne Wasser laufen lassen, sonst überhitzt der Kessel.
- Täglich mit Druck abschlämmen und Soda in den Dampfkessel geben.
Dann ging Bless über zum Rührwerk. Dieses müsse dicht sein, sonst tropfe Öl ins Käsechessi. Beim Butterfass seien der Antrieb und die Dichtungen zu kontrollieren. Diese Unterhaltsarbeiten seien vor Beginn des Alpsommers zu machen. Seine Tipps zur Hygiene in der Alpsennerei waren nicht abschliessend, er erwähnte, was ihm aus dem letztjährigen Alpsommer besonders aufgefallen ist.
Nicht erwähnte Stefan Bless die Milchkühlung und den gesamten Wasserverbrauch in der Sennerei. Der Bedarf ist hoch. Das zeigten die Auswertungen von Linda Schüpfer von der HAFL. Ihre Daten dienen der HAFL, die dabei ist, ein Wasserbilanz-Tool auf die Beine zu stellen. Es soll den Alpverantwortlichen bei Investitionen in Wasserinfrastruktur unterstützen.
Wasserprojekt mit Widder-Pumpen
Mehrere Alpen haben schon in die Wasserversorgung investiert. Das zeigte Reto Dünser, Alpmeister von den Trimmiser Alpbetrieben. «Nie mehr ein Alpsommer wie 2018, wo wir Heliflüge brauchten, um die Tränkebecken zu füllen», eröffnete er sein Referat. 2019 schritten die Alpverantwortlichen zur Tat und starteten das Wasserprojekt Widder. Mit Widder sind Pumpen gemeint, die Wasser von einer Quelle oder einem Bach ohne Fremdenergie an einen höher gelegenen Bedarfsort pumpen. Die Trimmiser schafften zwei Kompakt-Widderanlagen an, verlegten Rohrleitungen auf einer Länge von 7 km bei einem Höhenunterschied von 420 m. An den höchsten Orten wurden zwei Rundbrunnen mit einem Fassungsvermögen von 3000 l installiert. Über diese werden acht tiefer gelegene Brunnentröge mit Wasser versorgt. «Das war die beste aller Entscheidungen, auch weil der Aufwand für den Unterhalt gering ist», sagte er. Seither hätten sie genug Wasser auf allen Alpweiden, um die Tiere zu tränken. Die Gesamtkosten für das Projekt betrugen 350 000 Franken.
GPS-Tracking zur Herdenüberwachung
Zur Arbeitserleichterung auf der Alp tragen digitale Hilfsmittel bei. So hat die Identitas ein GPS Tracking für das Herdenmonitoring entwickelt. Ab der Alpsaison ist «Tag4Farm» für Smartphone verfügbar. So können die Älpler die Position und Aktivität der Herde nachverfolgen. Zudem kann man wichtige Orte, wie Tränken, Zaundepots oder Gefahren, auf der Karte markieren und dem Alppersonal Zugriff darauf erteilen. Die solarbetriebenen TAGs sind klein und wiegen 35 g. Zeigen die ausgestatteten Tiere auffällig hohe oder tiefe Aktivität, wird ein Alarm ausgelöst.
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Alpwerk-Zeiterfassung digital
Ein anderes Instrument stellten Gina Nicolay vom Maschinenring Graubünden und Ladina Lötscher vor. Lötscher ist Präsidentin der Alpgenossenschaft Luzein-Pany. «Wir hatten in der Alpgenossenschaft mit Tom Salzgeber einen neuen Kassier», erzählte sie. Nach seiner ersten Alpabrechnung hätte er verkündet: «Nie mehr. Fertig mit der Zettelwirtschaft.» So übernahmen sie die Alpwerk-Zeiterfassung-App, die der Maschinenring Graubünden entwickelt hat. Jeder erfasst mit der App die Arbeitszeit für das Alpwerk, für Vorstandssitzungen und andere Arbeiten. Mit der App werden die Arbeitsstunden automatisch mit hinterlegten Maschinen- und Stundentarifen berechnet.
Die Zeiterfassung sei einiges einfacher – insbesondere auch die Schlussabrechnung. «Wir vom Vorstand haben alle den Überblick und können beispielsweise auch nach Region filtern», sagte Lötscher. Die Lizenz für sechs bis 20 Nutzer kostet 660 Franken im Jahr. Eine Erstkonfiguration ist nötig, da jede Alp anders aufgestellt ist. Der Aufwand stellt der Maschinenring mit einem Stundenansatz von 70 Fr. in Rechnung. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr von 490 Fr. für Schulung und Support.
Geehrte Alpmeister(innen) und Älpler
Josef und Gerlinde Heiss, Christian Theus, Ueli Züst, Bruno Danuser, Renato Moser, Johannes Danuser, Hans Danuser, Christian Schneller, Otto Braun, Werner Planer, Thomas Roffler; Reto Viletta, Hans-Rudolf Kramer, Alexander Casanova, Philipp Baschung, Johann Egger-Bianchi, Christina Furger-Ettinger, Meinrad Kolb, Teodor Solèr, Alfred und Helga Nischler, Gian Caveng und Hanspeter Lötscher.