Die Schweizerische Bäuerliche Bürgschaftsgenossenschaft (SBBG) gehört nicht zu den prominentesten Organisationen in der Landwirtschaft, und doch leistet sie seit über 100 Jahren gute Dienste.

«Die Bürgschaften sind nach wie vor ein wichtiges Instrument zur Geldbeschaffung für Bauernfamilien», sagte SBBG-Präsident Rolf Gerber an der Generalversammlung kürzlich in Brugg. Dank ihrer unternehmerischen Wirkung sei diese Unterstützung oft noch sinnvoller als Beiträge à fonds perdu.

Kapitalbedarf steigt

Bürgschaften braucht es gerade bei finanziell knapp kalkulierten Projekten. Da braucht es manchmal nicht viel, damit ein Betriebsmodell kippt. «Und die Risiken nehmen weiter zu», erklärte Rolf Gerber. Der Kapitalbedarf der einzelnen Projekte steigt. Vermehrt gibt es Scheidungen und Burn-outs. Zudem wird der Kreis der Bürgschaftsnehmer gemäss Rolf Gerber bunter, Quereinsteiger nehmen zu. Ausstieg und Altersvorsorge werden als Themen wichtiger.

Im Hinblick darauf hat eine Arbeitsgruppe des Vorstands Kriterien für eine schärfere Erfassung der Bürgschaftsrisiken entwickelt.

Derzeit 15 Millionen Franken verbürgt

2021 verbürgte die Genossenschaft einen Gesamtbetragvon 15,878 Millionen Franken, aufgeteilt auf 118 Schuldner. Neu unterzeichnet wurdenim vergangenen Geschäftsjahr 15 Bürgschaftsverpflichtungen mit einem Gesamtbetrag von 1,893 Millionen Franken. Der mittlere Darlehensbestand beträgt durchschnittlich 126'200 Franken, deutlich weniger als im Vorjahr mit 227'615 Franken.

Die häufigsten Gründe für eine Bürgschaft waren Hofübernahmen und bauliche Investitionen. Wegen des aktuell hohen Kostenumfelds wurde bei zwei bewilligten Gesuchen der Baustart aufgeschoben. Ein Schuldner erhielt eine Tilgungssistierung von seinem Gläubiger.

Aber auch unter schwierigen Bedingungen bleiben die Bauernfamilien zuverlässige Geschäftspartner. Sie tilgten im Geschäftsjahr fast 2,3 Millionen Franken Schulden.

Einige Bürgschaftsverpflichtungen wurden wegen höheren Belastungsgrenzen nach Neuschätzungen vorzeitig entlassen. Verluste gab es keine zu verzeichnen.

Gewinn dank gutem Börsenjahr 2021

Die Jahresrechnung der SBBG schloss dank eines guten Börsenjahrs mit einem Bruttogewinn von 165 000 Franken. Gemäss Geschäftsführer August Köpfli istder Wert der Anlagen wegen der schwachen Börse im aktuellen Jahr gesunken. Die Genossenschaft weist darum 150'000 Franken des Gewinns den Wertschwankungsreserven zu.

Die Anteilscheine der Genossenschafter(innen) werden weiterhin mit 3 Prozent verzinst. Die SBBG verfügte per Ende 2021 über 4,6 Millionen Franken Eigenkapital. Die Vermögensrendite ist ihre einzige Einnahmequelle; die Bearbeitung der Gesuche ist für Gesuchsteller bis jetzt kostenlos und soll es gemäss Rolf Gerber auch bleiben.

Weitere Informationen: www.agriexpert.ch