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Die Risiken einer Bürgschaft ändern sich, die Nachfrage bleibt

Vor hundert Jahren wurde die Schweizerische Bäuerliche Bürgschaftsgenossenschaft gegründet. Damals wie heute ermöglicht sie landwirtschaftliche Entwicklung.

Vor hundert Jahren, zwischen zwei Weltkriegen, entstand die Schweizerische Bäuerliche Bürgschaftsgenossenschaft (SBBG). Damals musste der Bundesrat die Systemrelevanz der Landwirtschaft nicht betonen – sie war offensichtlich.

Bis heute 130 Mio verbürgt

Die SBBG unterstützt landwirtschaftliche Bauvorhaben, Betriebskäufe und andere Investitionen. «In den ersten Jahrzehnten unserer Genossenschaft wurden vor allem der Kauf oder die Pacht von (Klein-)Betrieben finanziert. In den Nachkriegsjahren bekam die Hilfe bei Investitionsvorhaben und der Ausbau der Betriebe die grössere Bedeutung», weiss Rolf Gerber. Der ehemalige Leiter des Amts für Landschaft und Natur des Kantons Zürich ist Präsident der SBBG. Die Genossenschaft hat bis heute eine Kreditsumme von insgesamt über 130 Millionen Franken verbürgt, verteilt auf rund 4600 Projekte.

Und die Dienste der SBBG sind weiter gefragt. Im Geschäftsjahr 2020 stellten 21 Bauernfamilien oder bäuerliche Organisationen ein Gesuch an die SBBG. Alle behandelten Gesuche wurden bewilligt. Das ist die Regel: Bei einer Ablehnung fehlt es meistens an der Tragbarkeit der Verschuldung, an Sicherheiten oder einem genügend hohen Einsatz an Eigenkapital. Eine durchschnittliche Bürgschaft liegt derzeit bei knapp 230 000 Franken, die Obergrenze bei 500 000 Franken.

Strukturhilfen ausgebaut

«Die Gesuche, die wir behandeln, geben einen intensiven Einblick in Einzelschicksale von Bauernfamilien», berichtet Rolf Gerber. Repräsentativ für die ganze Landwirtschaft sei dieser Querschnitt aber kaum. «Die sehr finanzstarken wie auch die sehr schwachen Betriebe bemühen sich nicht um Bürgschaften; die ersten brauchen keine und die zweiten können zusätzliche Kredite oft nicht finanzieren. Zudem wurden die Strukturhilfemassnahmen von Bund und Kantonen immer mehr ausgebaut. Viele Betriebe finden ihre Finanzierung auf diesem Weg; im Berggebiet auch über Beiträge der Schweizer Berghilfe.»

Zuverlässige Schuldner

Dabei erweisen sich die Bauernfamilien als sehr verantwortungsvolle Schuldner. Die Verluste bei der SBBG bewegen sich im Bereich von weit unter einem Prozent des verbürgten Betrages. Nur während des Zweiten Weltkriegs stiegen die Verluste gegen sechs bis acht Prozent.

Aber auch heute steht die Organisation vor Herausforderungen. Zunehmend Sorgen bereiten gemäss Rolf Gerber Betriebe, die sich sehr stark verschulden in der Hoffnung, durch ihr Projekt ein besseres Einkommen erlangen zu können. «Die Kapitalausstattung der Betriebe entfernt sich häufig gefährlich weit vom Ertragswert.» Es gebe astronomische Differenzen zwischen Ertrags- und Verkehrswert. Zudem werde die Landwirtschaft immer stärker in die Abhängigkeit von Direktzahlungen und Auflagen aller Art gedrängt, was häufig hohe Anpassungsinvestitionen auslöse und kaum Einkommen generiere.

Die Risiken einer Bürgschaft ändern sich, die Nachfrage bleibt
Rolf Gerber, der ehemalige Leiter des Amts für Landschaft und Natur des Kantons Zürich, ist Präsident der SBBG.

«Die Abstimmungsergebnisse in jüngster Zeit zeigen, dass da noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist», prognostiziert der Präsident und stellt fest: «Tendenziell wachsen so auch unsere Risiken, die Nachfrage nach unseren Leistungen bleibt aber hoch.»

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