Zuerst wurde die Festlegung der diesjährigen Richtpreise für Brotgetreide verschoben, nun ist sie abgeschlossen. Im Durchschnitt und mengengewichtet sinken sie 2026 um rund 2,5 Fr./dt, wie die Branchenorganisation Swiss Granum mitteilt. Für Dinkel bleibt der Ernterichtpreis auf dem Vorjahresniveau.
Vereint gegen Marktanteilverluste
Die Diskussionen in der Kommission Markt-Qualität Getreide seien intensiv gewesen zwischen Verarbeitern und Getreideproduzenten, so Swiss Granum. Der Kompromiss, auf den man sich einigen konnte, werde aber von allen Branchenpartnern mitgetragen. «Die ganze Branche ist mit grossen Herausforderungen konfrontiert», heisst es weiter.
Insbesondere wolle man den weiterhin steigenden Importen von Brot- und Feinbackwaren und den damit verbundenen Marktanteilsverlusten vereint entgegenwirken. Dabei solle die Benachteiligung der inländischen Wertschöpfungskette aufgrund des schwächeren Grenzschutzes bei den Importwaren auf politischer Ebene angegangen werden.
Basis für gemeinsame Anstrengungen und die erfolgreiche Vermarktung
Alle Marktpartner entlang der Wertschöpfungskette hätten daher die Wichtigkeit eines Richtpreises für Brotgetreide für die diesjährige Ernte betont. «Der Konsens bei der Richtpreisfestlegung schafft die nötige Basis für die gemeinsamen Anstrengungen für die Schweizer Getreide-, Mehl- und Brotproduktion», schreibt Swiss Granum. Sie bilde auch – zusammen mit den Übernahmebedingungen der Branchenorganisation – die Grundlage für die erfolgreiche Vermarktung der Ernte 2026.
Faktoren, die die Spannung im Markt verschärfen
In einer eigenen Mitteilung gibt der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) etwas mehr Einblick in die Verhandlungen. Diese seien heuer «enorm hart» gewesen und reflektierten die Schwierigkeiten, mit denen die ganze Branche konfrontiert sei.
«Bei den Produzenten liegen die Herausforderungen klar bei den Produktionskosten, die ununterbrochen steigen und das Einkommen schmälern.» Von steigenden Produktionskosten seien allerdings auch andere betroffen, bis hin zu den Bäckern. Der SGPV sieht drei grundlegende Faktoren, die die Spannungen auf dem Markt verschärfen und nicht ausser Acht gelassen werden dürften:
- «Extrem niedrige» Weltmarktpreise: Sie verstärken die Konkurrenz durch Importe von Getreide, Mehl und Backwaren.
- Hohe Lagerbestände: Nach der guten Ernte 2025 ist noch viel Getreide am Lager.
- Einbussen bei den Mahlmengen: Als Folge der gestiegenen Importe von Backwaren, des Rückgangs der Exporte von Fertigprodukten und der Einstellung der Stärkeproduktion in der Schweiz.
Vor diesem Hintergrund hätte das Fehlen von Brotgetreide-Richtpreisen ein erhebliches Risiko für die Produzenten und einen schmerzhaften Preiszerfall bedeutet, so der SGPV. Der Vorstand des Verbands habe entsprechend Verantwortung übernommen und sich – nach reiflicher Überlegung – für einen Kompromiss entschieden, der Richtpreise ermögliche und finanzielle Risiken für die Produzenten begrenze.
Die Richtpreise sind einzuhalten
«Diese Richtpreise, die im Vergleich zum Vorjahr einen durchschnittlichen Rückgang von 2,5 Franken bedeuten, senden ein klares Signal», findet der SGPV. Sie würden aber auch eine gewisse Sicherheit bedeuten für die Vermarktung von Schweizer Getreide. «Wir erwarten von unseren Partnern ein starkes Engagement, diese Preise einzuhalten.»
Im Weiteren macht der Verband klar, man erwarte von Partnern – inklusive Grossverteilern –, Bundesverwaltung und Politik konstruktive Diskussionen, die zur Erhöhung des Mehrwerts für die ganze Branche führen. «Der Schwerpunkt muss auf einer besseren Valorisierung der einheimischen Produktion und Verarbeitung liegen und zu höheren Absatzmengen von Schweizer Backwaren beitragen.»

