Am 15. Juni findet die Swiss-Granum-Runde zu den Getreide-Richtpreisen statt. Am Verhandlungstisch der Kommission «Markt-Qualität Getreide» sitzen vier Produzentenvertreter. Ihnen gegenüber nehmen die Abnehmer Platz, vier davon Vertreter von Handel/Sammelstellen und vier der ersten und vier der zweiten Verarbeitungsstufe.
Kurz vor der Ernte ist alles offen
Forderungen des Dachverbands schweizerischer Müller (DSM) stehen im Raum, den Richtpreis um 8 bis 10 Franken zu senken – von 60 Fr./dt auf 50 Fr. für Weizen der Klasse Top. Es scheint, als «wetzten die Müller die Messer». Die Empörung ist gross, auch wenn sich der Getreideproduzentenverband (SGPV) zurückhaltend äussert. Man werde am heutigen 10. Juni 2026 die Verhandlungsstrategie festlegen, sagt SGPV-Präsident David von Wattenwyl.
Aber einen solchen Abschlag, wie ihn jetzt die Müller bekannt gegeben haben, könne man nicht akzeptieren. Man sei mit den Verarbeitern im Gespräch. «Kurz vor der Ernte bewährte Kompromisse und erreichte Fortschritte leichtfertig infrage zu stellen, ist der falsche Weg», so von Wattenwyl weiter. Die Branche bleibe nur dann solide, wenn alle Akteure einander unterstützen und sich an fairen sowie verlässlichen Marktbedingungen orientieren können.
Wertschöpfung wird vernichtet
Dabei weist er darauf hin, dass sich die Grossverteiler für kostendeckende Preise auf allen Wertschöpfungsstufen ausgesprochen hätten. «Wir vom SGPV haben die Zahlen geliefert. Mit 60 Franken kommen wir raus. Aber eigentlich bräuchten wir etwas mehr. Die Produktionsmittel- und Energiepreise sowie die Strukturkosten sind gestiegen», sagt er.
Zudem findet er, dass auch ein tieferer Getreidepreis nicht ausreicht, um den Importen von Mehl oder Teiglingen die Stange zu halten – oder dass man damit rechnen könne, Marktanteile zu gewinnen. «Das Einzige, was man erreicht, ist, dass Schweizer Mehl, Brot und Backwaren mit der ruinösen Tiefpreisstrategie des Detailhandels deklassiert werden», sagt er. Und weiter: «In der gesamten Branche auf allen Stufen wird dabei Wertschöpfung vernichtet.»
Wie geht Fenaco GOF in die Richtpreisverhandlungen?
Joseph von Rotz ist Leiter des Handelsgeschäfts Schweiz der Fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel (Fenaco GOF). In der Swiss-Granum-Kommission «Markt, Qualität Getreide» vertritt er an den Richtpreisverhandlungen sowohl die Sammelstellen/den Handel als auch die 1. Verarbeitungsstufe. Wofür wird er an den Richtpreisverhandlungen einstehen, wollte die BauernZeitung wissen. «Unsere Position steht noch nicht fest. Bis zur Richtpreisrunde am 15. Juni stehen noch mehrere Gespräche mit verschiedenen Partnern der Wertschöpfungskette an», sagt er. Vielleicht lasse sich ein gemeinsamer Nenner finden. Es zeichne sich aber ab, dass die Verhandlungen sehr anspruchsvoll werden würden.
«Was momentan am Markt abläuft, ist für die Landwirtinnen und Landwirte und die ganze Wertschöpfungskette belastend.» Stand heute dürfte die Ernte 2026 gut ausfallen, aber so richtig auf das Dreschen freuen könne sich kaum jemand. Dabei spricht von Rotz aus, was er bereits am Maxi-Event im April thematisierte: dass die politischen Rahmenbedingungen den Import von Mehl und von Halb- und Fertigfabrikaten (Teiglingen) dermassen begünstigen, dass inländisches Brotgetreide nicht konkurrenzfähig sei.
Sinnvoller wäre gewesen, zu deklassieren
Am Maxi-Event betonte er bereits, dass die Preisdifferenz zwischen Brot- und Futterweizen zu hoch sei und der Markt dadurch ins Ungleichgewicht käme. Er schlug auch bereits Lösungen vor: Statt Übermengen Brotweizen in diesem Umfang zu lagern, sei es sinnvoller, frühzeitig eine definierte Menge via Marktentlastung dem Futtersektor zu überführen. «Wir haben in der Schweiz nicht zu viel Weizen, aber wir haben ein unvorteilhaftes Verhältnis von Brot- zu Futterweizen» (siehe BauernZeitung, Ausgabe 17/2026). Nachhaltiger wäre es gemäss Joseph von Rotz, bereits im Anbau ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage anzustreben – denn Marktentlastungsmassnahmen müssten ja auch die Bauern berappen.
Schwierige Rahmenbedingungen
Von Rotz stellt infrage, ob mit den jetzigen Rahmenbedingungen eine nachhaltige Absicherung der Brotgetreide-Wertschöpfungskette gesichert sei. Gerade in der heutigen Zeit wäre es doch angezeigt, dafür Sorge zu tragen, dass die Lebensmittel sicher und nachhaltig vom Feld auf die Teller kämen, doch kämpfe die Branche von Jahr zu Jahr mit mehr Schwierigkeiten, so der Leiter Handelsgeschäft Fenaco GOF. Gleichwohl schaut er den Verhandlungen positiv entgegen. «Wichtig ist, dass wir mit allen Akteuren in der Branche im Gespräch sind und gemeinsam konstruktiv an Lösungen arbeiten. Wir werden uns für Lösungen einsetzen, die den Markt wieder ins Gleichgewicht bringen und einen Anbau von Brot- und Futterweizen in der Schweiz für die Landwirtinnen und Landwirte interessant machen.»
Branche im Hamsterrad gefangen
Heimischer Brotweizen ist auf allen Stufen der Produktions- und Wertschöpfungskette einem enormen Preisdruck ausgesetzt. Die Auswirkungen der Importe von Halbfertig- und Fertigprodukten (Teiglinge) sind seit Jahren bekannt. Gehandelt wird nicht. Die Motion 24.3127, die zolltarifliche Begünstigung der Importe von Halbfertig- und Fertigprodukten aufzuheben, reichte Katja Riem 2024 ein. Ausser, dass dazu Papier, Berichte etc. erzeugt werden, passierte seitens Bundesrat nichts. Die Getreidebranche hingegen optimiert im eng gesetzten Rahmen ohne Unterlass: die Bauern auf dem Feld mit neuen Sorten und neuen Anbauverfahren, wobei gleichzeitig durch BFF- und Pflanzenschutzauflagen etc. der Handlungsspielraum enger gesteckt wird. Seitens Sammelstellen werden die Logistik und Lagerbewirtschaftung optimiert, die Mühlen machen das Gleiche in den Verarbeitungsprozessen, der Detailhandel versucht, sich gegenseitig mit Tiefpreisen auszubooten – und viele Bäckereien schliessen. All dies im steigenden Kostenumfeld. Dieses Feintuning im enger werdenden Korsett führt zu einem Verdrängungskampf. Auf der Strecke bleiben gute landwirtschaftliche Praxis und Backhandwerk für qualitativ hochwertiges Schweizer Brot. Professor Mathias Binswanger spricht vom Hamsterrad der Bauern. Mittlerweile scheint die ganze Branche im Hamsterrad zu sein. Traurig, aber wahr – und allen bewusst. Die Bauernfamilien als erstes Glied der Wertschöpfungskette leiden am meisten darunter. Schön wäre es, wenn die AP 2030+ wirklich der grosse Wurf und zum Befreiungsschlag wird. Während die älteren Semester längst ernüchtert sind, sollte man zumindest der jüngeren Generation die Hoffnung lassen, dass die grundlegenden Probleme angepackt werden. Neue Technologien, Digitalisierung oder der Anbau von Hülsenfrüchten sind nicht die Lösung, wenn jene, die über die AP 2030+ entscheiden, aussenpolitisch alles beim Alten lassen.
Für den Berner Bauernverband kommt eine Senkung des Richtpreises nicht in Frage
Eine Senkung der Richtpreise komme nicht infrage, schrieb der Berner Bauernverband vergangene Woche in einer Medienmitteilung. Die grossen Mühlen und der damit verbundene Detailhandel seien gefordert und müssten Verantwortung übernehmen und verhindern, dass der Kostendruck einseitig auf die inländische Produktion und die Bauernfamilien abgewälzt wird. Die Festlegung eines Richtpreises sei dabei zentral. Schweizer Getreide, Schweizer Brot und Schweizer Lebensmittel dürften nicht über den Preisdruck entwertet werden.
Grenzschutz lässt auf sich warten
Die Problematik mit den Teiglingsimporten ist Bundesrat und Parlament bekannt. Im Raum steht auch die Motion von Katja Riem, die den Bundesrat auffordert, die zolltarifliche Begünstigung der Importe von Halbfertig- und Fertigprodukten des Zolltarifkapitels 19 aufzuheben. Der Bundesrat sprach sich dagegen aus, der Nationalrat dafür. Zuständig sind nun die Kommissionen, die WAK des Ständerats und die WA des Nationalrats. Die WAK-S hat eine breite Anhörung im Hinblick auf Grenzschutz durchgeführt. Dabei wird der enorme ausländische Wettbewerbsdruck, dem der heimische Sektor auf allen Stufen der Produktions- und Wertschöpfungskette ausgesetzt ist, durchaus zur Kenntnis genommen. Es sei aber komplex. Daher beauftragte die WAK-S die Verwaltung mit einer Gesamtschau zu realistischen Grenzschutzmassnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten.

