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Verhandlungen verschoben: Und wenn es keinen Richtpreis für Brotgetreide gibt?

Das dritte Jahr in Folge gibt es keine Richtpreise für Futtergetreide, weil man sich nicht einigen konnte. Generell sind Richtpreise nicht verbindlich – aber Landwirte und die Fairness-Organisation Faire Märkte Schweiz (FMS) betonen trotzdem ihren Nutzen.

Gemäss Landwirtschaftsgesetz darf das einzelne Unternehmen nicht zur Einhaltung von Richtpreisen gezwungen werden. «Selbst wenn Richtpreise formal unverbindlich sind, dienen sie als Richtmass für die effektiven Produzentenpreise und späteren Einkommen der Bauernfamilien», gibt Faire Märkte Schweiz (FMS) in einem Brief an Swiss Granum zu bedenken. Während die Verhandlungen zum Brotgetreide in der Branchenorganisation am 19. Juni fortgesetzt werden sollen, sind sie bei Futtergetreide und Eiweisspflanzen das dritte Jahr in Folge gescheitert.

Gleiche Ausgangslage wie in den Vorjahren

«Trotz der konstruktiven Diskussion konnten die Preiserwartungen der Getreideproduzenten, der Tierhaltervertreter sowie der Abnehmer nicht in Übereinstimmung gebracht werden», teilte Swissgranum am Montag mit. Denn die Ausgangslage präsentiere sich im Vergleich zu den Vorjahren unverändert.

David von Wattenwyl, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV), wollte sich im Vorfeld der neuerlichen Verhandlungen über den Brotgetreide-Richtpreis nicht äussern. Nach deren Abschluss werde er aber gerne auf die Fragen der BauernZeitung eingehen.

Als Ausgleich der Marktmacht gedacht

Und wenn es auch für Brotgetreide keinen Richtpreis gäbe? «Das wäre ein Zeichen dafür, dass ein Powerplay im Gange ist», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. Das Gesetz übergebe die Verantwortung für stabile Preise an die Marktakteure selbst. «Das soll einen Ausgleich der Marktmacht schaffen, weil die Produzenten mit mächtigen Abnehmern verhandeln müssen.» Wenn es nun keine Richtpreise gebe, dann sei die Verhandlungsposition der Produzenten geschwächt. «Bei den Preisverhandlungen ist kein fairer Ausgleich in der sehr ungleichen Lieferkette zu erwarten», so Flückiger.

Faire Märkte Schweiz will heuer genauer hinschauen

Generell helfen Richtpreise nur, wenn sie eine verbindliche Orientierungshilfe für Preisverhandlungen sind, bemerkt der FMS-Präsident. «Wir haben einzelne Schlussabrechnungen der Ernte 2025 ausgewertet und festgestellt, dass die effektiv ausbezahlten Preise stark von den Richtpreisen abweichen können», schildert er. 2026 werde FMS daher genauer hinschauen und im nächsten Frühling noch konsequenter Schlussabrechnungen beim Brotgetreide auswerten.


Die BauernZeitung fragt: Braucht es beim Brotgetreide überhaupt einen Richtpreis?

«Für Stabilität und Verbindlichkeit»

Martin Bertschi, Müllheim Dorf TG Ich finde Richtpreise einige Wochen vor der Ernte wertvoll. Dann kann man beruhigt ans Dreschen gehen und sich überschlagsmässig ausrechnen, was bei der Abrechnung trotz aller Abzüge, Vorbehalte etc. herausschauen wird. Das sorgt für Stabilität und mehr Verbindlichkeit. Auch Sammelstellen und Abnehmer können besser kalkulieren. Ohne Richtpreis wird bei Grossernten der Preis entlang der Wertschöpfungskette gedrückt, während man bei einer knappen Ernte eine schlechte Verhandlungsbasis für höhere Auszahlungen hat. Jeder Abnehmer wird versuchen, den anderen auszubooten. Ehrlich gesagt, ich möchte momentan nicht in der Haut des SGPV-Vorstands stecken. Es wird zu Preis-Zugeständnissen kommen müssen – aber hoffentlich mit Richtpreis.

«Richtpreise sind unverzichtbar»

Hansruedi Schoch, Kollbrunn ZH Wenn sich alle mehr oder weniger an den Richtpreis halten, weiss man, woran man ist, und ist weniger den Marktschwankungen ausgesetzt. Richtpreise sind unverzichtbar. Es wäre kein Zustand, wenn sich beim Brotgetreide der Preis je nach Ernte, Lagerbeständen oder Abnehmer von Woche zu Woche ändern würde. Wir Bauern sind betreffend Preisverhandlungen das schwächste Glied in der Kette, und kämpfen mit steigenden Kosten. Auch mir ist bewusst, dass die ganze Branche am Kämpfen ist. Es ist aber höchst bedauerlich und de facto eigentlich unverständlich, dass die Inlandmenge Brotgetreide immer gleich bleibt und der Bedarf des steigenden Bevölkerungswachstums mit Importen gedeckt wird. Das sollte sich ändern.

«Anbauprämie für Futtergetreide muss her»

Christian Müller, Thayngen SH Unser Kanton ist ein Getreidekanton. Es ist einkommensrelevant, wie hoch der Getreidepreis ist, und ob es einen Richtpreis gibt, an den sich alle halten. Die diesjährigen Richtpreisverhandlungen sind ein Trauerspiel, dem aber das Problem zugrunde liegt, dass am Markt vorbei produziert wird. Wir haben einen riesigen Bedarf an Futtergetreide und einen Überhang an Brotgetreide. Eine Anbauprämie für Futtergetreide ist längst überfällig. Beim Brotgetreide haben wir eine immense Sortenvielfalt, die von den Abnehmern kaum zu handeln ist. Die Quersubventionierung des Schoggigesetzes geht gar nicht und die Deklassierung müssen wir Produzenten berappen. Die Getreidebranche hat ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren nicht gemacht. Ich hoffe, dass jetzt die Zeichen der Zeit verstanden werden, und man die Weichen richtig stellt.