Der Schweizer Fleischmarkt hat 2025 zugelegt. Das Gesamtangebot stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent. Doch das Wachstum kam vor allem aus dem Ausland: Die Importe nahmen um 13,8 Prozent zu, während die Inlandproduktion insgesamt nur um 0,5 Prozent wuchs.
Der Inlandanteil am Gesamtangebot sank auf 77,3 Prozent – im Vorjahr waren es noch 79,6 Prozent. Statistisch gesehen stand jeder Person in der Schweiz 2025 rund 51,2 Kilogramm Fleisch im Verkaufsgewicht zur Verfügung, das sind 2,5 Prozent mehr als 2024, trotz eines Bevölkerungswachstums von 0,9 Prozent. Das zeigt der Jahresbericht «Fleischmarkt im Überblick 2025» von Proviande.
Rindfleisch: hohe Preise, sinkender Selbstversorgungsgrad
Rindfleisch bleibt teuer – und das ist ein Zeichen von Stärke. Muni erzielten 2025 im Durchschnitt 11 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht (2024: 10,23 Fr.), Kühe 9,94 Franken (2024: 9,38 Fr.).
Diese Preise spiegeln eine anhaltend hohe Nachfrage, die die inländische Produktion allein nicht mehr decken kann. Die Rindfleischimporte stiegen um 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch sank auf 77,4 Prozent, nach 81,8 Prozent im Vorjahr.
Beim Grossvieh nahmen die Schlachtungen insgesamt leicht ab. Auffällig ist der Rückgang bei Schlachtkühen im vierten Quartal: Im Oktober brachten viele Milchproduzenten ihre Kühe zur Schlachtung, nachdem der Milchpreis gesenkt worden war. Dieser Schub dämpfte die bis dahin hohen Schlachtkuhpreise vorübergehend. Per Ende Jahr zählte die Tierverkehrsdatenbank 663 733 Kühe – 0,5 Prozent weniger als 2024, aber immer noch mehr als 2023.
Trotz der Mehrimporte stieg der Konsumentenpreis kaum: Ein Kilogramm Rindfleisch kostete im Detailhandel durchschnittlich 26,60 Franken, 15 Rappen mehr als im Vorjahr. Die zusätzlichen Importe, insbesondere von Verarbeitungsfleisch, ermöglichten eine Mischrechnung, die den Ladenkäufer entlastete.
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Kalbfleisch: Weniger Produktion, höhere Preise
Beim Kalbfleisch ist das Bild gespalten. Die inländische Produktion sank um 8,1 Prozent auf rund 17 029 Tonnen Verkaufsgewicht, was das Angebot insgesamt um 6,2 Prozent schrumpfen liess. Gleichzeitig schnellten die Importe um 81,4 Prozent nach oben, ausgehend allerdings von einem tiefen Niveau.
Der Selbstversorgungsgrad blieb mit 95,9 Prozent hoch. Die Produzentenpreise für Kälber zogen deutlich an: 16 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht gegenüber 14,43 Franken im Vorjahr. Wer gut gemästete Kälber liefern konnte, profitierte.
Schwein: Schweizer Qualität bleibt gefragt
Die Schweinefleischproduktion legte 2025 leicht zu, um 0,8 Prozent auf rund 163 869 Tonnen Verkaufsgewicht. Auch wenn die Importe um knapp 16 Prozent stiegen, blieb der Inlandanteil mit 92,2 Prozent sehr hoch.
Mehr als die Hälfte des im Detailhandel verkauften Schweinefleischs geht als Wurst- oder Charcuterieprodukt über den Ladentisch – ein Zeichen, dass Verarbeitungsbetriebe auf Schweizer Rohware setzen und Konsumentinnen und Konsumenten die daraus entstehenden Spezialitäten schätzen.
Für die Produzenten waren es gute Zeiten: Der Produzentenpreisindex lag 10 Indexpunkte über dem Basiswert von 2020 und 3 Punkte über dem Vorjahreswert. Der durchschnittliche Preis ab Hof betrug 4,52 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht. Der Schweinebestand nahm weiter leicht ab auf rund 1,26 Millionen Tiere – der Rückgang vollzieht sich aber geordnet.
Geflügel: Wachstum ohne Grenzen – vorerst
Der Geflügelmarkt kennt noch keine Sättigungsgrenze. Die inländische Produktion wuchs 2025 um 2 Prozent, dennoch reichte sie nicht aus: Die Importmengen mussten um 10,9 Prozent erhöht werden. Über 151 000 Tonnen standen für den Verbrauch zur Verfügung. Der Inlandanteil sank auf 61,9 Prozent.
Proviande hält in seinem Bericht fest, dass der Bau neuer Geflügelställe an bürokratischen Hürden scheitert – und damit Wertschöpfung ins Ausland abfliesst. Wer die steigende Nachfrage mit Schweizer Produktion abdecken will, muss zuerst Bewilligungen vereinfachen.
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Schaf und Lamm: Importabhängigster Markt
Schaffleisch bleibt das Segment mit dem tiefsten Selbstversorgungsgrad. Die inländische Produktion sank um 4,6 Prozent, der Selbstversorgungsgrad fiel auf 37,9 Prozent – nach 41,7 Prozent im Vorjahr.
Zwei Fünftel des Schaffleischs auf Schweizer Tellern stammt aus dem Inland, drei Fünftel kommen aus Neuseeland, Grossbritannien, Australien, Irland und weiteren Ländern. Der Lammpreis lag 2025 bei durchschnittlich 15,45 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht und damit klar über dem Vorjahr (14,68 Fr.).
Was am Teller ankommt, ist weniger, als die Zahlen zeigen
Proviande weist ausdrücklich darauf hin, dass Angebot und effektiver Konsum nicht dasselbe sind. Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der ausgewiesenen Fleischmenge landen nicht als Mahlzeit auf dem Teller: Knochen, abgeschnittenes Fett, abgelaufene Produkte, Verfütterung an Haustiere.
Die nationale Verzehrstudie menuCH des BLV hatte bereits für 2014 gezeigt, dass der effektive Pro-Kopf-Verzehr bei rund 40 Kilogramm pro Jahr lag – während das Angebot damals 52,3 Kilogramm pro Person auswies.