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Hobbygärtnern rät er jeweils, das Risiko doch den Profis zu überlassen

Weil er die Zusammenarbeit mit dem Detailhandel nicht als Partnerschaft empfindet, vermarktet Bruno Bläuer sein Gemüse direkt. Die Nachfrage sei wieder auf Vor-Corona-Niveau, was trotz untergepflügtem Salat auch sein Gutes habe.

«Unser Absatz ist wieder auf das Niveau von vor Corona gesunken», betont Bruno Bläuer in seinem Hofladen im bernischen Oberdiessbach. Aufgrund der grossen Nachfrage nach frischem Gemüse ab Hof hatte er in den vergangenen zwei Jahren die Produktion gesteigert, nun muss er den Salat teilweise mulchen. «Menschen sind bequem, wenn es gäbig geht, dann kaufen sie Gemüse oder Kartoffeln auch gleich im Grossverteiler», so sein Fazit. Nun müsse Kochen wieder schnell gehen und vor allem günstig sein, damit man für Ferien sparen könne. Ausserdem wird im Hofladen bei Bläuers nur verkauft, was auf dem Betrieb oder bei Nachbarn wächst. Darum gebe es im Februar keine Tomaten oder es gehe im Sommer mal der Blumenkohl aus. Heute seien jedoch auch Hofladenkunden teilweise nicht mehr bereit, saisonal einzukaufen oder den Einkaufszettel dem Angebot anzupassen.

Arbeit für die Profis

Es gibt jedoch auch die anderen Kunden, die den eigenen Garten aufgrund des regionalen Angebots an frischem Gemüse aufgegeben haben und bei Bläuers Stammkunden sind. «Im eigenen Garten hat man nebst der vielen Arbeit einmal zehn Salate gleichzeitig, dann wieder keine, oder die Kartoffeln bekommen Krautfäule», fasst Bruno Bläuer zusammen. Da rate er den Leuten jeweils, sie sollen doch dieses Risiko den Profis anvertrauen, schmunzelt er. An der viel befahrenen Strasse hat es in kurzer Distanz mehrere Hofläden, jeder mit einer eigenen Philosophie und Kundschaft. «Als Konkurrenz nehmen wir uns nicht wahr, die Zusammenarbeit ist gut, alle arbeiten professionell und haben ihren Platz», betont Bläuer.

Seinen Weg gefunden

Bruno Bläuer ist Direktvermarkter aus Überzeugung. Die Zusammenarbeit mit Grossverteilern nimmt er nicht als Partnerschaft wahr und ist froh um seine Unabhängigkeit. So ärgere es ihn, wenn Coop sich seiner Nachhaltigkeit rühme, aber letzte Woche Frühkartoffeln aus Ägypten zum Aktionspreis verkaufe. Aus einem Land, das kommenden Winter aufgrund der Getreideknappheit hungern werde. Ausserdem habe es vergangene Woche genügend einheimische Frühkartoffeln gehabt. Seit Jahren würden die Grossverteiler mit solchen Aktionen systematisch die Preise der einheimischen Produzenten drücken. Diese Woche nun mit billigen Kirschen aus Spanien. Aber aufregen mag sich Bläuer nicht. Er hat seinen Weg und seine Überzeugung gefunden, sich seine Existenz entsprechend aufgebaut. In jungen Jahren arbeitete er bei verschiedenen Gemüseproduzenten, stellte dann den Betrieb langsam auf Gemüseanbau und Direktvermarktung um. Vor sechs Jahren gingen die Milchkühe weg: «Ich lag nachts im Bett und im Kopf hat es immer noch an den Tieren rumstudiert und an den anstehenden Arbeiten. 365 Tage im Jahr vollgas mit 35 Hochleistungskühen im alten Anbindestall Milch zu produzieren, brachte mich an meine Grenzen», betont er. Bereut hat er die Entscheidung nie. Heute lebt er für die Direktvermarktung und findet auch mal Zeit, unter dem Sonnenschirm gemütlich ein Bier zu trinken.

Immer weniger Kartoffeln

Beim Gemüseanbau sei die Arbeit weniger saisonal, dafür sei man immer ein bisschen dran. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, einer Mitarbeiterin und je nach Bedarf hat er ein Team von Helfern, die er kurzfristig aufbieten kann. So wird in der Saison alle zwei Wochen frisches Gemüse gepflanzt und alle paar Tage werden Sonnenblumen gesät. Auf vier Hektaren wachsen Kartoffeln, davon werden 50 Aren als Frühkartoffeln geerntet. Der Hof liegt an einer der Hauptverbindungsachsen ins Emmental zwischen dem bernischen Oberdiessbach und Linden. Aktuell weisen grosse Schilder am Strassenrand die Passanten darauf hin, dass es frische Kartoffeln im Angebot hat. Verkauft werden die in erster Linie in Säcken à drei Kilo, aus dem Emmental kommen aber auch noch währschafte Köchinnen, die gleich zehn Kilo kaufen: «Die Zeiten, als man Kartoffeln im 30-Kilo-Sack kaufte, sind jedoch vorbei», betont Bruno Bläuer. Die meisten Kunden kaufen nur noch für wenige Tage ein, bei vielen gibt es nur noch einmal in der Woche Kartoffeln.

Kleinere Gebinde

Im Lockdown habe man allerdings die Kartoffeln sackweise aus seinem Laden getragen, lacht Bruno Bläuer, der damals den Kochneulingen auch mit Zubereitungstipps weiterhalf und dabei dachte: «Das ist wohl sonst mehr ein Pastatyp.» Und so ist er rückblickend sicher, dass nicht alles gegessen wurde, was in der ersten Panik gehamstert wurde. «Die Konsumenten sind nicht eingerichtet, um Kartoffeln zu lagern, und gerade Frühkartoffeln sind empfindlich, daher verkaufen wir davon fast nur kleine Gebinde», erklärt er. Doch schon nächste Woche sei ein Grossteil schalenfest und damit sei die Ernte und das Verpacken dann einfacher. Den Grossteil der Kartoffeln lässt er auswachsen, lagert sie selber und sortiert und verpackt sie dann im Laufe des Winters nach Bedarf, beliefert auch Restaurants, Heime und Marktfahrer.

Wieder ruhigere Zeiten

Kommt nicht das Wetter dazwischen, erwartet Bruno Bläuer ein gutes Jahr mit einer guten Ernte. Die Kulturen sehen gut aus, Kirschen gebe es beispielsweise wie fast noch nie. Das nimmt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis, ein Überangebot bedeute immer viel Arbeit und sinkende Preise. Es sei ein schöneres Gefühl, wenn man nicht einfach produziere, worauf eigentlich niemand so richtig warte. Er liebt es, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Dennoch, etwas ruhigere Zeiten als in den vergangenen zwei Jahren nimmt Bruno Bläuer gerne.

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