«Ich habe hier jenen Mann getroffen, auf dessen Betrieb ich in den Achtzigerjahren hier in der Schweiz gearbeitet habe», erzählt der französische Ziegenzüchter Richard Alliey begeistert. Zusammen mit seiner Familie führt er in Les Vigneaux auf 1100 Metern über Meer einen Ziegenbetrieb mit eigener Käserei. Alliey ist, wie viele andere Besucher(innen), an die 13. Ausgabe der Face-Konferenz gereist, der vergangene Woche im freiburgischen Grangeneuve stattfand. Über 200 Teilnehmer aus 15 Ländern tauschten sich über das Thema Rohmilch und Rohmilchprodukte aus.

Premiere für die Schweiz

AboHäufig verlaufen die durch das Bakterium Staphylococcus aureus verursachten Euterentzündungen chronisch.Gefürchteter Erreger im Griff«Gut für unsere Kühe, unseren Rohmilchkäse und unser Portemonnaie»Freitag, 20. Oktober 2023 Die Konferenz der europäischen handwerklichen Käser und Käserinnen fand heuer zum ersten Mal in der Schweiz statt. «Die Jahreskonferenz dient dem Zusammenkommen und Austausch zwischen den Akteuren der verschiedenen Länder», wie Face-Netzwerk-Präsidentin und Käserin Kerstin Jürss aus Schweden in ihrem Grusswort sagte. Anders als an üblichen Konferenzen trafen sich hier nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Milchverarbeiter, Milchproduzenten, Konsumenten und Berater nahmen aktiv teil. Dies mache die Konferenz laut Marie-Therese Fröhlich, Leiterin des wissenschaftlichen Programmkomitees, einzigartig.

E. Coli - Bakterien in Deutschland

Neben Käsereibesuchen, wissenschaftlichen Präsentationen und thematischen Workshop wurde an der dreitägigen Konferenz eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen inländischen und ausländischen Akteuren der Käsebranche zum Thema «Aktuelle und zukünftige Herausforderungen für Rohmilchprodukte» durchgeführt. 

In deutschen Käsereien verursacht momentan der E.-Coli-Bakterienstamm Stec grosse Probleme. Die Bakterien kommen natürlicherweise im Darm der Tiere vor und werden über den Kot ausgeschieden. Während des Melkens können diese dann in die Rohmilch gelangen, was lebensmittelbedingte Erkrankungen zur Folge hat. «Einige Käsereien mussten ihre ganzen Bestände vernichten», berichtete Marc Albrecht-Seidel, Geschäftsführer des Verbands für handwerkliche Milchverarbeitung.

Diese Problematik scheint laut Maike Oestreich, Leiterin der Alpkäsereiberatung des Inforamas, in der Schweiz noch kein Thema zu sein. Hierzulande sei der Fachkräftemangel auf den Alpen eine der wichtigsten Herausforderungen der Alpwirtschaft. «Ein Grossteil der Alpen wird durch Personen bewirtschaftet, welche nur kurzfristig eine Phase ihres Lebens auf der Alp verbringen, wodurch gar kein Fachwissen aufgebaut werden kann», meint Oestreich. Wichtig sei es, ansprechende Arbeitsangebote im Winter zu schaffen, sodass die Milchverarbeitung im Sommer auf der Alp eine berufliche Perspektive darstellt.

Gesellschaftlicher Wandel

Eine langfristige Herausforderung in der Käseproduktion sieht Jacques Gygax, Direktor von Fromarte, darin, dass im Grasland Schweiz in 30 Jahren noch genügend Milchproduzenten vorhanden sind. «Im Moment sprechen die Rahmenbedingungen nicht dafür», meint er. Durch den gesellschaftlichen Wandel würden viele junge Landwirte nicht mehr zweimal täglich im Melkstand melken. Häufig beobachte er, dass bestens eingerichtete Betriebe nach dem Generationenwechsel auf Mutterkühe umsteigen. Das Thema automatische Melksysteme sei für alle Käse-Sortenorganisationen hochaktuell und es müssten Weichen gestellt werden, sodass auch die junge Generation noch motiviert sei, Milch zu produzieren. «Entscheidend ist, dass wir die Jungen für die handwerklichen Berufe motivieren, ohne sie sind wir weg», meint Gygax.

Face-Netzwerk

Der Verband «Farmhouse and Artisan Cheese & Dairy Producers European Network (Face)», auf Deutsch «Europäisches Netzwerk der bäuerlichen und handwerklichen Käse- und Molkereiproduzenten», ist ein Zusammenschluss verschiedener Akteure der Milch- und Käseproduktion.

Insgesamt 15 Länder sind Mitglieder der Organisation. Gemeinsam sollen die Interessen der Käse- und Milchproduktion auf nationaler sowie europäischer Ebene vertreten werden.