«Die Landwirtschaft ist eine Branche, in welche viel persönliche Energie gesteckt wird. Dies zeigen nur schon die langen Arbeitszeiten», sagte Andreas Bräuninger am 12. Januar 2026 anlässlich des Profimilktags in Tänikon. Die Vereinigten Milchbauern Mitte – Ost sowie die Thurgauer Milchproduzenten hatten die Veranstaltung, bei der es vor allem um die Lebensqualität der Bauernfamilien geht, bereits zum fünften Mal organisiert.
Landwirtschaft ist immer Teamarbeit
Dabei standen diesmal die Ressourcen der Betroffenen im Fokus: «Manchmal läuft es gut, doch manchmal fühlt es sich an, als ob man im Sumpf stehen würde», stellte Andreas Bräuninger fest. Das sei an sich normal. Nicht allerdings, wenn sich die Spirale über längere Zeit abwärts drehe. Daher lohne es sich hinzuschauen, was einem im Alltag hilft, die Batterien aufzuladen, sagte der gelernte Meisterlandwirt, der ist seit Jahren als Mediator tätig ist und unter anderem Bauernfamilien berät. Er nannte Beispiele für Faktoren, die dabei wichtig sind:
Freude: «Freude zu empfinden, ist ein guter Indikator dafür, wie es einem geht», so der Thurgauer. Bereits kleine Momente können eine grosse Wirkung zu haben.
Teamarbeit: Landwirtschaft ist immer Teamarbeit, so Bräuninger. Gute Teams wüssten voneinander, wer welche Ressourcen benötigt und mitbringt.
Lob und Anerkennung: Lob und Anerkennung geben viel Kraft. «Zudem gibt ein Lob von aussen auch den Anstoss, sich selbst Anerkennung zu geben», sagte Bräuninger.
Schlussendlich gehe es darum, zu spüren, dass man das Ruder selbst in der Hand hat, so der Referent. Das gelte auch für die anderen im Team: Auch ihnen gebe das Gefühl, mitgestalten können, Kraft.
Kühe sind loyale Mitarbeiterinnen
«Wenn es im Stall gut läuft, läuft es auch in der Bauernfamilie gut», stellte der Kuhsignaltrainer Christian Manser in seinem Inputreferat fest. Sei dies nicht der Fall, könne es zu einer Negativspirale führen. Die Energie müsse im Alltag für vieles reichen. Darum sei es wichtig, daran zu denken, dass sie auch für sich selbst reichen müsse. Manser sprach auch die Bedeutung der Kühe an: «Sie sind die fleissigsten, loyalsten und dankbarsten Mitarbeiterinnen», so Manser. «Weder haben sie böse Absichten, noch wollen sie euch ärgern». Darüber hinaus schenke eine Kuh jedes Jahr ein Kalb. Sich all dessen bewusst zu sein, könne einem viel Kraft geben.
Auch der St. Galler verwies auf die Bedeutung kleiner Dinge. So könne es etwa Freude machen, bei den Kälbern grosszügig einzustreuen, weil es diese dankbar annehmen würden. Ausserdem empfahl Manser, vergangene Erfolge und schöne Momente sichtbar zu machen und miteinander darüber zu reden. Dazu könne man beispielsweise Fotos oder Ehrungsschleifen von Ausstellungen aufhängen. Oder man verabschiede eine alte Kuh bewusst in Stil und Würde. Respekt und Wertschätzung sind gemäss Manser generell wichtig: «Man findet überall etwas Gutes», sagte er. «Zudem gibt es immer einen Grund, einander zu loben».
An der Veranstaltung erzählten zudem die drei Ostschweizer Landwirte Michael Utzinger, Kurt Keller und Romeo Wildhaber von ihrem persönlichen Umgang mit Ressourcen.
Wie ein Sechser im Lotto
Romeo Wildhaber hat in Schocherswil TG einen Milchwirtschaftsbetrieb mit rund 35 ha, den er vor 26 Jahren von seinem ehemaligen Lehrmeister übernehmen konnte. Eine wichtige Kraftquelle ist für den gebürtigen Sarganserländer seine Familie. Seine Frau und die beiden erwachsenen Töchter sind zwar beruflich auswärts tätig, helfen jedoch zuhause mit. Eine besondere Leidenschaft gilt der Gurt- und Blüemzucht: «Ein schön gezeichnetes Kälbli ist für mich wie ein Sechser im Lotto», sagte Wildhaber. Im Alltag nimmt er sich gerne bewusst die Zeit, innezuhalten, den Moment zu geniessen und vielleicht ein Foto zu machen.
Mit der Frau den Garten geniessen
Michael Utzinger aus Bonau TG bewirtschaftet zusammen mit Frau und Bruder einen Landwirtschaftsbetrieb auf 65 ha. Dazu gehören rund 60 Kühe und Acker- und Gemüsebau sowie Schweinehaltung. Die Kühe sind für den Bauer das Herzstück des Betriebs, erst kürzlich hat er ihnen einen neuen Stall gebaut: «Sie geben dem Ackerbau viel zurück». Für Utzinger ist das Miteinander auf dem Betrieb wichtig. Stehen Neuerungen an, will er zuerst mit den Beteiligten darüber diskutieren. Zudem schaut er darauf, dass er auch auswärts Kraft tanken kann, etwa, indem er mit seiner Frau den Garten geniesst oder in die Ferien geht.
Freizeit gibt viel Kraft
Kurt Keller führt in Andwil SG einen Biobetrieb mit knapp 60 Milchkühen. Der Vater vier erwachsener Kinder, die alle in anderen Berufen tätig sind, hat bereits rund 40 Lehrlinge ausgebildet, was er spannend finde. «Landwirt ist immer noch ein schöner Beruf», stellte er fest. «Ich würde ihn selbst wieder erlernen». Eine wichtige Ressource sei für ihn die Freizeit. So geht er gerne mit seiner Frau Skifahren oder Biken und organisiert sich den Freiraum für Reisen ins Ausland. Auch spielt er aktiv Fussball. «Im Club, der aus einem bunten Strauss aus verschiedenen Leuten besteht, hole ich mir regelmässig neue Energie».