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Gegen Wiederaufforstung von Ackerland: Winterthurer Stadtbauern reichen Referendum ein

Mit zwei grossen Traktoren fuhren die Winterthurer Stadtbauern vor die Gemeindeverwaltung und reichten das Referendum gegen den Gestaltungsplan und die Zonenplanänderung ARA Hard ein. Da durch den geplanten Erweiterungsbau Wald gefällt wird, entschied die Stadt, diesen Wald auf bestem Ackerland wieder aufzuforsten. Damit sind die Bauern nicht einverstanden.

Wenn zwei grosse Fendt-Traktoren am Eingang des Superbocks, dem Sitz der Winterthurer Gemeindeverwaltung an der Pionierstrasse 7, parkiert sind, bleibt jeder Passant stehen und guckt neugierig, um was es geht. Versammelt hatten sich dort die Winterthurer Stadtbauern und -bäuerinnen, um das Referendum gegen den Beschluss des Stadtparlaments zum «Öffentlichen Gestaltungsplan und die Zonenplanänderung ARA Hard» einzureichen.

Hintergrund ist die Modernisierung und Erweiterung der ARA Hard. «Wir sind nicht gegen die Erweiterung der ARA, auch wir wollen sauberes Trinkwasser», erklärt SVP-Stadtparlamentarier Jan Ehrbar, der zusammen mit seinen Berufskollegen die Unterschriften an Luca Fasnacht von der Stadtkanzlei übergibt.

Aufforstung auf Fruchtfolgeflächen geplant

Im Zentrum der Kritik steht die geplante Ersatzaufforstung für Waldrodungen als Folge des Ausbaus der ARA Hard. Diese Aufforstung plant die Stadt Winterthur auf hochwertigem Ackerland im Niederfeld in Wülflingen/Winterthur ZH. Die dortigen Fruchtfolgeflächen (FFF) zählen zu den produktivsten der Region und seien für die inländische Nahrungsmittelproduktion von zentraler Bedeutung, heisst es seitens der Bauern. Vor allem würden diese Flächen die Nahversorgung von Winterthur sichern – was in diesen global unsicheren Zeiten immer mehr an Bedeutung gewinne.

Was die Bauern produzieren, haben sie mitgebracht. Schön ausgelegt in der Heckschaufel des einen Traktors: Kartoffeln, Randen, Zwiebeln, Äpfel und verarbeitete Produkte wie Rapsöl und Apfelringli. «Winti isst vo eusne Böde» heisst auf dem Plakat, das am anderen Traktor hoch oben am Frontlager hängt. Im Vordergrund sind eine aufmüpfige Kartoffel, eine Getreideähre und eine lustige Erdbeere zu sehen – im Hintergrund die Winterthurer Wahrzeichen mit der Stadtkirche, der Storchenbrücke und dem Hochhaus auf dem Turmareal. Dieses Plakat, das Essen als Existenzbedürfnis in den Vordergrund rückt, wird bis zur Abstimmung über den Stadtparlamentsbeschluss rund um Winterthur auf allen Bauernbetrieben zu sehen sein.

Denn hinter dem Referendum stehen alle Winterthurer Stadtbauern. Sie haben sich für diesen Kampf gegen Stadtrat und Stadtparlament zur «Interessengemeinschaft zum Schutz der Fruchtfolgeflächen auf dem Gemeindegebiet der Stadt Winterthur» (IG FFF) zusammengeschlossen.

Grosser Rückhalt der Bevölkerung gespürt

Bei der bäuerlichen Aktion bleiben Passantinnen und Passanten stehen, Radfahrer hocken ab und schauen, ein Autofahrer fährt langsam hupend zustimmend vorbei. Nur vom Stadtrat und vom Stadtparlament, ausgenommen Initiant Jan Ehrbar, ist niemand zu sehen. Ehrbar ist zuversichtlich, dass die Winterthurer Stimmbevölkerung bei der Abstimmung anders gewichten würden als die städtischen Behörden.

Die Unterschriftensammlung für das Referendum habe der IG FFF gezeigt, dass ihr Anliegen ernst genommen wird: «Wir spürten bei der Unterschriftensammlung einen enormen Rückhalt der Bevölkerung. Viele Menschen verstehen nicht, weshalb für eine Ersatzaufforstung ausgerechnet bestes Ackerland geopfert werden soll», sagt Jan Ehrbar. Fast jede und jeder hätte sofort unterschrieben. Das grosse Unverständnis gegenüber den Plänen der Stadt sei deutlich spürbar gewesen. So ist es denn auch in kürzester Zeit gelungen, fast das Dreifache der 500 nötigen Unterschriften für das Referendum zusammenzubringen.

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