«Ich bin stolz. Der Sensebezirk mit angrenzenden Gebieten hat sackstarke Käser!» Heinz Tschannen, Präsident des Freiburgischen Käservereins, war an der 115. Hauptversammlung in Düdingen FR des Lobes voll. Die Dichte an Preisträgern im Gebiet sei sehr gross, doppelte er nach. Dass dies nicht einfach leere Worte sind, zeigte die grosse Anzahl an Käsern, die im In- und Ausland im vergangenen Jahr Auszeichnungen erhielten und vom Käserverein nochmals geehrt wurden (siehe Kasten).
Den grössten Triumph konnte Pius Hitz von der Bergkäserei Vorderfultigen BE für sich verbuchen. Er wurde bekanntlich an den «World Cheese Awards» Weltmeister und Gesamtsieger. Auch wenn seine Käserei im Kanton Bern liegt, ist er als Greyerzerproduzent Mitglied des Freiburgischen Käservereins. Der Weltmeistertitel von Pius Hitz helfe dem Gruyère-Marketing enorm, so der Präsident.
Nachwuchs zu gewinnen, ist enorm wichtig
Im Jahresrückblick betonte Heinz Tschannen, wie wichtig die Teilnahme an der «Seisler Mäss» gewesen sei. An der Veranstaltung, die im Mai 2025 stattfand, wurden täglich «auf der grünen Wiese» zwei Laibe Gruyère produziert. Die Organisation sei jedoch alles andere als einfach gewesen. Aber: «Wir haben sehr gute Werbung für den Berufsstand und auch Nachwuchswerbung gemacht. Das ist sehr wichtig», freute sich der Präsident.
Wie wichtig die Nachwuchswerbung für den Beruf Milchtechnologe ist, verdeutlichen die Zahlen der Lernenden, die eine sinkende Tendenz aufweisen. Wie Bernhard Schmutz aufzeigte, kann am Bildungszentrum Emme pro Ausbildungsjahr momentan nur gerade eine Klasse geführt werden. Diese bestehen in der Regel aus 17 bis 23 Schülerinnen und Schülern. «Nur eine Klasse zu haben, ist sehr, sehr wenig», betonte Schmutz.
Durch Eltern oder Bekannte aufmerksam geworden
Laut einer Umfrage unter den Jugendlichen wurden die meisten angehenden Milchtechnologen und Milchpraktikerinnen durch die Eltern oder Bekannte auf den Beruf aufmerksam gemacht. Von den 18 Antwortenden gaben dies 12 Personen (66,7 %) an. Mit grossem Rückstand folgten mit fünf Antworten die Lehrstellenplattformen (27,8 %) und drei gaben «weitere» an (16,7 %). Was die weiteren Infoquellen sind, konnte jedoch nicht weiter definiert werden.
Unbedingt eine Vorlehre anbieten
Bernhard Schmutz wies darauf hin, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Eltern und dann zu den Jugendlichen ist. «Das heisst, ihr seid Werbeträger. Erzählt von eurem Beruf und eurer Freude», forderte er. Auch machte er auf die Möglichkeit einer Vorlehre aufmerksam. Diese sei für Jugendliche, die von der Sprache und der Entwicklung her noch nicht parat seien, eine gute Möglichkeit. «Bietet das den Jugendlichen an!», machte er deutlich.
Daniela Weber ist im Verein des Freiburgischen Käservereins zuständig für die Nachwuchswerbung. Sie erklärte, dass Absolvierende der Vorlehre nicht zu den Lernenden zählen würden, also nicht zur erlaubten Anzahl Lernende pro Betrieb dazugezählt werden müssten.
Tiefere Exporte – wie erwartet
An der Versammlung kommen jeweils auch die Sortenorganisationen zu Wort. Der Gruyère-Direktor Olivier Isler erklärte zur Marktsituation, dass die provisorischen Zahlen «weniger schlecht als angenommen» aussehen würden. Zwar seien die Exporte der Jahre 2023 bis 2025 um 8,1 % (961 Tonnen) tiefer ausgefallen. Doch der sehr gute Inlandverkauf (+3,2 %) habe dies «zum grossen Teil» kompensieren können. Wegen des Preisdrucks sei die Situation trotzdem nicht einfach, erläuterte Isler.
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Milchverarbeiterin Cremo erklärt sich
Ähnlich sieht die Lage bei der Sortenorganisation Vacherin Fribourgeois aus. Auch sie berichtete von einem guten 2025, trotz Exportrückgängen. Künftig werde es etwas mehr Vacherin geben. Denn die Organisation hat Produzenten von Vacherin-Kopien Kontingente gegeben. Die Herstellung von Kopien werde künftig sanktioniert.
Nicht viel Positives konnte Ernst Arn von Cremo berichten. «Die Cremo ist weit weg von einem stabilen Weg», gestand er. Das habe technische und auch organisatorische Gründe. Doch ein Umbruch finde statt. Es solle zeitnah kommuniziert werden, stellte er in Aussicht.
Weiter zeigte er die Funktion des Milchmarktes auf. Nur der konsequente Export von Fett und Protein könne eine Erosion des A-Milchpreises abwenden. Hinsichtlich lauter werdender Stimme aus der Landwirtschaft betreffend Importen, trotz des Inlandüberschusses, betonte er: «Die Cremo hätte auch das Recht zu importieren. Das machen wir aber nicht.» Laut Arn ist es vorwiegend die Lebensmittelindustrie, die Butter und Milchpulver importiert. Trotz grosser Schwierigkeiten zeigte sich Ernst Arn überzeugt davon, dass der Milchmarkt gesunden werde und Zukunft habe. «Wir müssen da aber alle gemeinsam durch», betonte er.
Die Ausgezeichneten
Für die erhaltenen Auszeichnungen im In- und Ausland wurden die Käser von ihrem Verein nochmals geehrt.
«World Cheese Award», Bern, Supergold: Gesamtsieger Pius Hitz, Vorderfultigen, Le Gruyère AOP, 18 Monate und Gantrisch- und Fultigerbergkäse; Jungo Cheese AG, Plaffeien, La Cloche; Käserei Schafer, Mont Vully Bio.
Gold: Hervé Morot, St. Antoni; Pius Hitz, Vorderfultigen; Bruno Wüthrich, Juchlishaus; Urs Nussbaum, Mamishaus; Alain Jungo, Käserei Struss, St. Ursen, alle mit Gruyère AOP.
Silber: Adrian Scheidegger, Niedermuhren, Gruyère AOP; Daniela Weber, Düdingen, Gruyère AOP; Pius Hitz, Vorderfultigen, Gryère AOP und «Chrüterzouber»; Werner Stoll, Obermettlen, Gruyère AOP; Julien Jungo, Jungo Cheese AG, Plaffeien, Gruyère AOP; Käserei Schafer AG, Mont Vully Classic und Reserve; Julien Jungo, Jungo Cheese AG, Vacherin AOP; Käserei Heitenried, Vacherin AOP; Manfred Lauper, Tentlingen, Vacherin AOP; Markus Wohlhauser, Lurtigen, Vacherin AOP.
«Mondial du Fromage», Tours (F): Teilnahme von Simon Miguet, Greyerzerproduzent aus Cote-au-Fées JU.
Staatsratskäse Gruyère AOP 2026: Markus Sturny, Käserei Lanthen, Schmitten. Staatsratskäse Vacherin Fribourgeois AOP: Alain Jungo, Käserei Struss, St. Ursen.
Erwähnt wurde vonseiten der Sortenorganisation Vacherin Fribourgeois auch, dass Martin Rauber von der Alpage Grossen, Tossen, an den «Word Cheese Awards» Supergold für seinen Vacherin Fribourgeois AOP Alpage Supergold erhielt. Cremo erhielt für den Vacherin Fribourgeois AOP Rustic Gold, ebenso Tobie Genoud von der Fromagerie Vuarmarens NE für seinen Vacherin Fribourgeois AOP. Ebenfalls freudig erwähnt wurde der Bronzemedaillengewinn der Milchtechnologin Anja Neuhaus an den Swiss Skills 2025.
