«Auch wenn es im Moment nicht so rosig aussieht und wir mit Mitgliederschwund zu kämpfen haben, so bleiben wir für die Kälbermast optimistisch», betonte Präsident Daniel Graber an der Delegiertenversammlung des Bernischen Kälbermästerverbandes. Am vergangenen Samstag trafen sich im Bären in Süderen BE, was von der Bernischen Kälbermast übrig geblieben ist. Noch 121 Mitglieder bezahlten im vergangenen Jahr den Mitgliederbeitrag, acht weniger als im Vorjahr.
Kalbfleisch ist weiterhin sehr gesucht – vielleicht nicht im Discounter, dafür in der Gastronomie. «Wir dürfen sicher auf ein gutes Jahr zurückblicken», so der Präsident. Zurzeit seien die Tränker sehr gesucht, nicht selten würden dafür 11 Fr./kg oder mehr bezahlt. «Für uns Mäster bedeutet das hohe Ankaufskosten», hielt Daniel Graber fest. Wie dann die Verkaufspreise für die gemästeten Kälber im Juni oder Juli aussehen werden, sei schwer vorauszusagen. Die Schlachtkälber gelten aktuell rund Fr. 14.90/kg SG, das sind 48 Rappen mehr als im Vorjahr zur gleichen Zeit.
Antibiotikaeinsatz stellt eine Herausforderung dar
Doch der Tränkermarkt stellt die ganze Branche – vom Milchproduzenten bis zum Mäster – vor grosse Herausforderungen. Nicht nur, wenn im Herbst ein Überangebot da ist, sondern auch wegen des Antibiotikaeinsatzes. «Deswegen gab es mit den Schweizer Milchproduzenten (SMP) einen runden Tisch, ohne auf einen grünen Nenner zu kommen», brachte Daniel Graber sein Bedauern zum Ausdruck.
Hingegen sei die Kälberimpfung, die seit dem 1. Juli 2025 gestartet ist, sehr gut angelaufen. Dabei brauchen alle Kälber, die den Geburtsbetrieb im Alter von weniger als 57 Tagen verlassen, eine Behandlung mit einem Lebendimpfstoff gegen fieberhafte Atemwegserkrankungen, der in der Nase verabreicht wird. «Die Kälber, die wir Mäster einstallen, bekommen dann von uns eine zweite Impfung», so Graber.
Auch Andrea Wiedmer, Geschäftsführerin des Schweizer Kälbermästerverbandes, drückte ihr Bedauern über den Rückgang der Kälbermäster aus. In ihrem Referat kam sie auf das angedachte Projekt «Kälbermast mit Milch» zu sprechen. «Die HAFL in Zollikofen BE wird das Projekt wissenschaftlich begleiten», sagte sie. Im Projekt wolle man aufzeigen, wie wichtig die Kälbermast im Kreislauf sei – nicht nur für den Mäster, sondern auch für die Milchproduzenten und insbesondere für den Konsumenten. «Der Kalbfleischkonsum nimmt jährlich ab, obwohl insgesamt nicht weniger Fleisch gegessen wird», hielt sie fest. Mit Werbung auf Plakaten wolle man Kalbfleisch beliebter machen und dem Konsumenten aufzeigen, was genau hinter der Kälbermast stecke.
Mitgliederschwund ist auch in der Kasse spürbar
Ein Thema, das die Branche beschäftigt, sind die jeweils zwei wöchentlich publizierten Wochenpreise der Tränkekälber. Einer kommt von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der andere wird vom Handel festgelegt. «Diese zwei Preise sorgen nur für Verwirrung», sagte Verbandsmitglied Samuel Graber. Denn meist müssten die Mäster sowieso den höheren Preis bezahlen.
Nun haben sich Mäster und Händler bei den Preisen geeinigt und einen Entwurf ausgearbeitet. Ende März wolle man diesen den SMP unterbreiten. In Zukunft hoffe man, dass man nur noch einen Wochenpreis veröffentlichen könne.
Der Mitgliederschwund macht sich denn auch in der Kasse der Berner Kälbermäster bemerkbar. So musste Sekretärin Gabi Järmann ein Minus von 1901 Franken bekanntgeben. Damit man nicht jedes Jahr ein Minus in der Rechnung bekanntgeben müsse, wurde der Mitgliederbeitrag um zehn auf 70 Franken erhöht. Sorgen bereitet dem Berner Kälbermästerverband auch seine Ausstellungsmärkte in Eggiwil, Schüpbach und Wasen. «Obwohl die Qualität der aufgeführten Mastkälber hervorragend ist, werden leider immer weniger Tiere aufgeführt», beklagte Daniel Graber. «Bringt mehr Kälber, es gibt schöne Preise zu gewinnen», ergänzte Vizepräsident Ueli Gasser. Weiterhin will der Verband die Ausstellungsmärkte aber mit jeweils 400 Franken unterstützen.
Zwei neue Köpfe im Vorstand
In den statutarischen Geschäften gab es eine Rochade im Vorstand. Für die demissionierten Beat Fankhauser und Armin Kunz kommen neu Thomas Ramseier und Adrian Berger in den Vorstand. Weiter informierte Ueli Gasser über die Gesprächsfusionen der Sektionen Schangnau, Trachselwald, Langnau, Trub und Eggiwil. «Wir haben deswegen eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen», sagte Gasser. Grund für eine Fusion sei der Mitgliederschwund in den einzelnen Sektionen.