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Die Tränkerpreise werden ausgesetzt – ein Markt ohne Kompass?

Tränker sind gesucht, Preisnotierungen werden ausgesetzt, Schlachtkühe kommen zahlreicher auf den Markt und die Milch fliesst in Rekordmengen. Ein Blick in die Widersprüche des Schweizer Rindviehmarktes und was der Weltmarkt damit zu tun hat.

Die Märkte spielen verrückt: Mäster und Viehhändlerverband haben die Preissetzung bei den Tränkern vorübergehend ausgesetzt. Wie Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizer Viehhändlerverbandes, erklärt, war es angesichts der ausserordentlichen Marktlage nicht mehr möglich, einheitliche Preisnotierungen festzulegen.

Der strukturelle Grund dahinter

Jeder mache, was er wolle, bestätigen mehrere Händler auf Anfrage der BauernZeitung. Das letzte publizierte Tränkerpreisblatt von Proviande, datiert vom 4. Juni 2026, zeigt bei allen acht Kategorien eine Änderung von null – die Preise wurden eingefroren, weil keine Einigung mehr möglich war. Zuletzt notierten fleischbetonte kombinierte Tränker männlich mit 8.40 Franken, weibliche mit 7.90 Franken, wenig fleischbetonte Milchrassentränker mit 6.80 Franken und sehr fleischbetonte Masttränker männlich mit 12.00 Franken je Kilogramm ab Stall.

Die hohen Tränkerpreise haben einen strukturellen Grund: Der Kuhbestand schrumpft. Laut Identitas-Tierstatistik ist die Zahl aller registrierten, lebenden Kühe in der Schweiz – Milchkühe, Mutterkühe und alle weiteren Kategorien zusammen – von rund 720 000 Tieren im Jahr 2011 auf zuletzt gut 651 000 gesunken. Davon entfallen laut SMP-Marktlagebericht vom Mai 2026 rund 515 255 auf Milchkühe für die Verkehrsmilchproduktion, 7059 weniger als noch ein Jahr zuvor. Weniger Kühe bedeuten weniger Geburten und damit weniger Tränker – saisonal im Frühjahr und Frühsommer noch ausgeprägter.

Mehr Kühe im Schlachthof

Laut der provisorischen Agristat-Schlachtviehstatistik wurden von Januar bis April 2026 insgesamt 54 338 Kühe geschlachtet – 4269 Tiere oder 8.5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Die Fleischproduktion aus dem Kuhkanal stieg um gut zehn Prozent auf 17 503 Tonnen Schlachtgewicht. Die Gründe sind klar: der gesunkene Milchpreis und die damit verbundene fehlende Rentabilität.

Das hat Konsequenzen für den gesamten Rindfleischmarkt, denn rund 80 Prozent des Schweizer Rindfleischs stammen aus dem Milchviehkanal, also von Kühen, Rindern und Kälbern aus Milchviehbetrieben.

Milchmarkt unter Druck

Ein Blick auf den Milchmarkt zeigt: Die Schweizer Milchwirtschaft produziert im ersten Quartal 2026 so viel wie seit 2015 nicht mehr. Mit nachhaltigen Folgen. Mooh-Lieferanten berichten von ausbezahlten Milchpreisen unter 50 Rappen pro Kilogramm. Der wachsende C-Anteil – im März 2026 bereits 4.7 Prozent der gesamten Verkehrsmilch – zeigt, dass immer mehr Milch keinen geregelten Absatz mehr findet.

Die Verarbeiter suchen Absatzwege: Die Quarkproduktion hat sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, die Käseproduktion ist um 7,2 Prozent gestiegen und die Käseexporte haben um 10,2 Prozent zugelegt – vor allem nach Italien und Deutschland.

Ende März 2026 lagerten laut Branchenorganisation Butter 7026 Tonnen Butter in Schweizer Tiefkühllagern; 40,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Magermilchpulverlager wuchs laut der Branchenorganisation Schweizer Milchpulver um 55 Prozent auf 7679 Tonnen. Volle Lager sind das ehrlichste Marktbarometer – und sie zeigen: Die Schweizer Milchwirtschaft produziert an der Nachfrage vorbei. Dass auch die Biomilchproduktion im ersten Quartal nochmals um 9,5 Prozent zugelegt hat, macht die Lage nicht einfacher.

International: Auch dort mehr Milch

Auch auf den internationalen Märkten wächst die Milchproduktion. Im ersten Quartal 2026 wurden in der EU rund 37,5 Millionen Tonnen Milch produziert und damit 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast alle EU-Staaten übertreffen die Vorjahresmenge, am stärksten Belgien, Österreich, Deutschland und Frankreich. In den meisten EU-Ländern gingen die Milchpreise im März nochmals zurück und unterschritten das Vorjahresniveau.

In Neuseeland wuchs die Produktion von Januar bis April um 5,6 Prozent, in Australien um 2,2 Prozent.

In den USA zeigt sich ein besonders aufschlussreiches Bild: Der Milchkuhbestand erreichte mit 9,65 Millionen Tieren einen Höchststand – plus 2 Prozent gegenüber Vorjahr. Die Milchleistung pro Kuh stieg aber nur um 0.7 Prozent. Wie Peter Bosshard erklärt, sind die Kälberpreise in den USA derart gestiegen, dass Milchkühe dort inzwischen weniger für die Milch als für die Produktion von Kälbern gehalten werden. Eine Umkehrung der Logik – und ein Zeichen dafür, dass die Überproduktion bei der Milch nicht einfach nur ein Schweizer Phänomen ist.

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