Die Antibiotikabehandlungen bei Schweizer Milchkühen stiegen zwischen 2021 und 2024 von 730 auf 1067 Behandlungen pro 1000 Tiere. Als einzige Tierkategorie zeigen Rinder keinen Rückgang. Dabei entfällt die grösste Anzahl aller Tierbehandlungen in der Nutztierhaltung ohnehin auf Milchkühe und Rinderaufzucht. In allen anderen Bereichen ist der Verbrauch gesunken. Die Bundesstrategie Antibiotikaresistenzen (StAR) läuft seit Jahren. Bei den Rindern zeigt sie bisher keine Wirkung.
Kälber bei der Mutter brauchen weniger Medikamente
In der laufenden Sommersession behandelt der Nationalrat die Motion 25.3377 von Nationalrätin Meret Schneider (Grüne, ZH). Sie beauftragt den Bundesrat, bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die muttergebundene Kälberaufzucht (Muka) zu schaffen. Denkbar wäre laut Schneider die Definition eines Produktionssystems «Muka» mit entsprechenden Produktionssystembeiträgen, wie dies bei RAUS oder BTS praktiziert wird.
Bei Muka bleiben Kälber mehrere Monate bei der Mutter, statt kurz nach der Geburt getrennt zu werden. Stress durch frühe Trennung schwächt das Immunsystem der Kälber und erhöht die Anfälligkeit für Erkrankungen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen.
Forschung läuft, Ergebnisse kommen 2026
Der Förderverein Mutter-Kalb-Haltung führt seit April 2024 gemeinsam mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau ein Forschungsprojekt durch, das erstmals mit Schweizer Betriebsdaten den Antibiotikaverbrauch auf Muka-Betrieben mit konventionellen Haltungsformen vergleicht. Grundlage sind Behandlungsdaten aus dem Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (IS ABV) und Tierbewegungsdaten der eidgenössischen Tierverkehrsdatenbank (TVD). 19 Betriebe nehmen teil. Die Ergebnisse werden 2026 erwartet.
Wirtschaftlich ohne Förderung kaum tragbar
Die Wirtschaftlichkeit der Muka bleibt die grösste Hürde. Ein Muka-Betrieb verkauft im Schnitt 30 Prozent weniger Milch und braucht mehr Platz, Einstreu und Arbeitsaufwand. Kein Detailhändler hat bisher Muka-Milch ins Regal gebracht. 2025 stellten vier neue Höfe auf Muka um, unterstützt durch private Spenden und Direkthilfe des Fördervereins. Ein Pilotprojekt im Kanton Zürich arbeitet mit Mischmilch aus Muka-Bio-Milch und herkömmlicher Bio-Milch, weil die Mengen für eine separate Verarbeitung noch zu gering sind.
Bundesrat setzt auf Marke statt Beitrag
Der Bundesrat empfiehlt die Ablehnung der Motion. Er anerkenne zwar die Vorteile der Muka für Tierwohl und Antibiotikaverbrauch, lehne aber einen neuen Direktzahlungsbeitrag ab. Ein weiteres Programm erhöhe die Komplexität des ohnehin aufwendigen Direktzahlungssystems. Er setzt stattdessen auf privatrechtliche Instrumente wie Garantie- oder Kollektivmarken nach Markenschutzgesetz sowie auf Beratungsprojekte. Die Motion hat 20 Mitunterzeichnende.

