Die Zellzahl in der Milch zeigt die Eutergesundheit und beeinflusst direkt Milchqualität, Produktionsleistung und Wirtschaftlichkeit. Die Schweiz gehört mit 350 000 Zellen pro Milliliter zu den Ländern mit den weltweit strengsten Standards.

Was sind Zellzahlen und was bedeutet der Wert?

Milchleistung Euter im Griff: Was die Zellzahl wirklich verrät Montag, 29. Dezember 2025 Somatische Zellen sind Körperzellen in der Milch: 98 Prozent sind Immunzellen, die das Euter vor Infektionen schützen. Zwei Prozent sind Milch produzierende Zellen aus der normalen Gewebe-Erneuerung.

Bei gesundem Euter liegt die Zellzahl laut Fachliteratur zwischen 10 000 und 100 000 Zellen pro Milliliter. Bei Euterentzündungen durch Krankheitserreger wie Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis oder Escherichia coli steigt die Zellzahl massiv – die Immunabwehr läuft auf Hochtouren.

Folgen hoher Zellzahlen:

  • Milchleistung sinkt: Laut Studien sind pro 100 000 Zellen/ml Anstieg acht bis zehn Prozent mehr Kühe im Bestand infiziert
  • Fett- und Proteingehalt nehmen ab
  • Haltbarkeit verkürzt sich
  • Wirtschaftliche Verluste durch Milchpreisabzüge

Wie wird dabei genau gemessen?

Die Suisselab AG in Zollikofen BE führt im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Milchprüfung durch. Wie auf der Webseite von Suisselab beschrieben, wird zweimal monatlich jede Milch auf drei Kriterien geprüft: Keimzahl, Zellzahl und Hemmstoffe.

Die Zellzahl wird fluoreszenzoptisch mit einem Fossomatic-FC-Gerät gemessen. Diese Durchflusszytometrie-Methode färbt die DNA in den Zellkernen mit Fluoreszenzfarbstoff an und zählt automatisiert. Die TSM Treuhand in Bern übermittelt die Ergebnisse über die Plattform DBMilch.ch, per SMS oder E-Mail an Produzenten und Milchkäufer.

Schweizer Grenzwerte sind ambitioniert

Das BLV schreibt in der Verordnung über die Hygiene bei der Milchproduktion vor:

Grenzwert: Maximal 350 000 Zellen/ml im geometrischen Mittel von zwei Monatsproben.

Beanstandung: Bei Überschreitung des Grenzwerts.

Abo Bewährte Strategien aus Forschung und Praxis Zellzahlen im Griff: Sieben wichtige Schritte, wie man die Milchqualität verbessert Montag, 29. Dezember 2025 Milchliefersperre: Nach vier Beanstandungen innert fünf Monaten. Die kantonalen Behörden überprüfen dann die Betriebssituation.

Privatrechtliche Grenzwerte sind noch strenger

Wie die Produzentenorganisation Mooh auf ihrer Webseite mitteilt, verlangt das Unternehmen seit 2023 nur noch 300 000 Zellen/ml, wobei der Durchschnitt beider Monatsproben zählt. Für Alpmilch zur Rohmilchkäse-Herstellung empfiehlt der Strickhof maximal 150 000 Zellen pro Kuh.

Internationale Standards im Vergleich

Die Grenzwerte variieren gemäss internationalen Regulierungen von 350 000 bis 1 000 000 Zellen/ml:

Strenge Standards:

  • Schweiz: 350 000 laut VHyMP – strengster Standard in Europa.
  • EU: 400 000 gemäss Regulation EC 853/2004. Die EU-Verordnung schreibt einen geometrischen Durchschnitt über drei Monate vor, mit mindestens einer Messung pro Monat.
  • Kanada, Australien, Neuseeland: 400 000 laut nationalen Regulierungen.

Lockere Standards:

  • USA: 750 000 gemäss Pasteurized Milk Ordinance. Mindestens zwei von fünf aufeinanderfolgenden Proben im Abstand von 30 bis 45 Tagen müssen diesen Grenzwert einhalten.
  • Brasilien: 1 000 000 laut Ministério da Agricultura – höchster Grenzwert weltweit.

Die grössten Milchproduzenten weltweit

Die Food and Agriculture Organization berichtet in ihrem Dairy Market Review, dass die weltweite Milchproduktion 2024 rund 982 Millionen Tonnen erreichte.

Die grössten Produzenten 2024/2025 basierend auf Daten der FAO, des USDA Foreign Agricultural Service und nationalen Statistikämtern:

  1. Indien: 239 bis 245 Millionen Tonnen (FAO 2023/24)
  2. EU-27: 148,9 Millionen Tonnen (USDA FAS)
  3. USA: 102 bis 105 Millionen Tonnen (USDA 2025 Outlook)
  4. Pakistan: 66 Millionen Tonnen (FAO/OECD-Daten)
  5. China: 41 bis 42 Millionen Tonnen (USDA FAS GAIN China Dairy Report)
  6. Deutschland: 33 Millionen Tonnen (Destatis 2024)
  7. Russland: 32,5 Millionen Tonnen
  8. Frankreich: 26 Millionen Tonnen
  9. Brasilien: 25 Millionen Tonnen

Neuseeland produziert laut USDA FAS 2025 mit 21 Millionen Tonnen zwar weniger, ist aber der wichtigste Exporteur weltweit. 95 Prozent der neuseeländischen Milch gehen in den Export.