Während des Winterhalbjahres ist das Vorkommen von Haarlingen im Fell von Rindvieh keine Seltenheit. Der Erfahrungswert der Wiederkäuerklinik der Universität Bern ist, dass vor allem Jungtiere als Wirt der Laus genutzt werden. Die Prävalenz ist besonders während der intensiveren Stallungszeit erhöht, wenn es im Stall warm und feucht ist. Unter solchen Bedingungen verbreiten sich Ektoparasiten optimal. Zudem begünstige der engere Kontakt zwischen den Tieren die Übertragung der Haarlinge, wie Mireille Meylan, Leiterin der Nutztierklinik, schreibt.
Übertragung direkt und indirekt
Der Parasit kann aber auch indirekt über Gegenstände auf andere Tiere gelangen. Suboptimale Fütterungs- und Haltungsbedingungen begünstigen den Befall. Eine weitere Ursache für einen starken Befall mit Haarlingen ist ein geschwächtes Immunsystem, das unter anderem durch Vorerkrankungen oder auch durch schlechte Haltung gefördert wird.
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Ist es eine Laus oder ein Haarling?
Tierärztin Mireille Meylan erklärt: Der Rinderhaarling (Bovicola bovis) gehört zu den Insekten und besitzt daher drei Beinpaare. Laut der Wiederkäuerklinik ist der Kopf bei Haarlingen deutlich breiter als der Brustabschnitt. Ausgewachsene männliche Haarlinge werden bis zu 1,2 mm, weibliche bis zu 1,5 mm gross und können folglich mit blossem Auge erkannt werden. Haarlinge sind etwa 1,5 mm lang und befinden sich vor allem entlang der Rückenlinie. Haarlinge leben aber nicht auf den Haaren, sondern eher dazwischen.
Obwohl Haarlinge von blossem Auge von Läusen unterscheidbar sind, lohnt es sich, zur sicheren Beurteilung eine Tierärztin oder einen Tierarzt zur Seite zu ziehen. «Zur Diagnosestellung eines parasitären Befalls wie beispielsweise von Milben (Räude) – einer anderen häufig vorkommenden Hautkrankheit bei Rindern, allerdings eher bei älteren Tieren – braucht es ein Geschabsel und ein Mikroskop», betont Meylan.
«Ein Befall muss immer behandelt werden»
Im Unterschied zu Läusen ernähren sich Haarlinge nicht von Blut, sondern von Haaren, Hautschuppen und Hautdrüsensekreten. Dies führt beim betroffenen Tier zu Juckreiz, Unruhe und Haarausfall.[IMG 3-4]
Durch das Jucken entstehen Hautläsionen, die Eintrittspforten für Bakterien darstellen und lokale Entzündungen hervorrufen können. Daher muss ein Befall immer behandelt werden. Weiter können infolge des Juckreizes und des Beleckens der entzündeten Haut viele Haare geschluckt werden, was zur Bildung von Haarballen im Verdauungstrakt führen kann. Das hat potenziell schwere Folgen wie Pansenblähung oder Darmverschluss. Dasselbe gelte übrigens auch bei einem Läusebefall, fügt die Tierärztin an.
Alle Tiere des Bestandes, auch die klinisch gesund erscheinenden, seien mit einem geeigneten Präparat mittels Wasch-, Sprüh- oder Aufgussverfahren zu behandeln, hält Mireille Meylan fest: «Es ist wichtig, dass alle Tiere in einer Gruppe behandelt werden. Zudem müssen die Umgebung und Instrumente, wie z. B. Striegel oder Bürste, desinfiziert werden, sonst reinfizieren sich die Tiere schnell», so die Tierärztin.
Bei einem Befall um Rat fragen
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und mehrere Produkte zur Behandlung eines Haarlingbefalls. Am besten fragt die tierhaltende Person den Tierarzt oder die Tierärztin, um die für den Betrieb optimale Behandlungsstrategie zu bestimmen.
Im konventionellen Bereich ist beispielsweise das Biozid Wasgom Rütasan eine Option. Das Biozid enthält Permethrin, welches für Bienen und andere Bestäuber gefährlich ist. Für Wasserorganismen ist es laut Hersteller sogar sehr gefährlich und für Katzen giftig. Laut Hersteller soll das Produkt unverdünnt an den Stellen aufgesprüht werden, an welchen die Tiere mit vielen Insekten befallen sind. Für den Kopf der Tiere sollte das Parasitenmittel auf einen Baumwolllappen aufgesprüht und mit dem Lappen die betroffenen Stellen abgetupft werden. Kratzbürsten, Holzverkleidungen im Stall, Anbindevorrichtungen und überall dort, wo sich die Tiere kratzen, einmal wöchentlich einsprühen. Für die Applikation im Hühnerstall kann man auch die Stangen im Stall einsprühen (sonst nicht für Geflügel geeignet).
Im biologischen Bereich sind gemäss der Betriebsmittelliste folgende Produkte und Wirkstoffe für die Behandlung von Ektoparasiten zugelassen:
Amkik FL-3000, Bremex, Porasol Konzentrat, Porasol-Spray, Rütazil plus, Rütazil plus Konzentrat.
Ein anderes empfohlenes Bio-Mittel ist Neem (Azadirachta indica). Das Vinx-Bio-Antiparasit-Puder mit Neem wirkt laut dem Vertreiber auf natürliche Weise gegen Läuse, Flöhe, Zecken, Haarlinge und Milben. Neemöl schützt auch vor Neubefall. Es handelt sich um einen natürlichen Wachstumshemmer mit Langzeiteffekt, der die Entwicklungszeit der Parasiten unterbricht. Das Pulver sei ungiftig, ohne Gefahr für das Tier und vertreibe durch seinen angenehmen Duft unangenehme Gerüche.
Das Puder ist zusammengesetzt aus Talkum und natürlichen Pflanzenextrakten, unter anderem Neemöl, Zitronella, Bergamotte und Geranium.
Der Vertreiber empfiehlt, das Pulver gegen den Haarstrich in das Fell einzustäuben, einzumassieren und einwirken zu lassen. Anschliessend soll das Pulver ausgebürstet werden. Die Augen, Nasen und Innenseiten der Ohren sind dabei nicht zu behandeln.
Tipps der Aromatherapeutin
Simone Uhlmann, ausgebildete Aromatherapeutin, empfiehlt beim Pferd und Rind Öle wie u.a. Teebaum, Pfefferminze, Lavendel oder Copaiba.
Beim Huhn kann man mit Oregano im Wasser das Immunsystem, respektive das Verdauungssystem, stärken. Gegen die Parasiten wirken Öle wie Lavendel, Rosmarin, Eukalyptus oder auch Nelke. Uhlmann sagt: «Einen Spray mischen und über die Hühner sprühen und im Stall (Liegeflächen, Stangen etc.) einsprühen.» Sie betont aber: Die Mischungen müssen immer korrekt auf das Tier abgestimmt dosiert sein, so die Fachfrau.
Zum Angebot von Simone Uhlmann
Zur Vorbeugung die Tiere kontrollieren
Und wie beugt man dem Haarlingsbefall vor? «Der beste Weg, den Parasiten nicht im Stall zu haben, ist, zugekaufte Tiere auf einen möglichen Befall zu kontrollieren», erklärt Mireille Meylan. Bei Neueinstallungen muss ein allfälliges Trägertier unbedingt in Quarantäne versetzt werden.

