Abo Marc Bächler (r.) und Alain Huber begutachten den krümeligen Boden nach der Einarbeitung der Gründüngung und Ansaat der Kunstwiese. Bodenfruchtbarkeit Mehr Ertrag mit weniger Hilfsmitteln dank regenerativer Landwirtschaft Mittwoch, 4. Oktober 2023 Es sei sehr viel gegangen in den letzten Jahren, sagt Alain Huber, der mit seiner noch jungen Firma Erdig Dienstleistungen für die regenerative Landwirtschaft anbietet. Schon 2023 begleitete ihn die BauernZeitung auf einem Luzerner Betrieb, wo seine spezielle Maschinenkombination für schonende Bodenbearbeitung und gleichzeitige Saat mit Einsatz von Komposttee zum Einsatz kam.

Mikroorganismen in die Böden bringen

Die Veränderung beginne im Boden, lautet Alain Hubers Credo. Ein intaktes, vielfältiges Mikrobiom sei der Schlüssel für fruchtbarere Böden und gesunde Pflanzen. So brauche es weniger Hilfsmittel, und die Böden seien wirtschaftlicher und resistenter. Huber bietet dazu Beratung über schonende Bodenbearbeitung, Lohnarbeit mit einer spezialisierten Maschine für die Saatbeetvorbereitung bis zur Aussaat in Kombination mit der Applikation von Kompostextrakt an.

Importeur für ganz Europa

Fundament der Bodenfruchtbarkeit sei die Kompostwirtschaft, als Träger für das Netzwerk von Mikroorganismen und Pilzen, welches die Böden transformiere.

Damit die Mikrobiologie aus Kompost effizient und in grossen Mengen in die Böden gebracht werden könne, brauche es entsprechende Geräte für die Extraktion. Solche der US-Firma Hiwassee setzt Erdig schon seit eineinhalb Jahren ein. Und seit diesem Jahr seien sie der offizielle Importeur von Hiwassee‑Geräten für Europa, erklärt Alain Huber. Für den europaweiten Vertrieb sei die neue Firma Erdig Living Soils AG gegründet worden.

Extrakte mit der Saat einbringen

Diese Bio-Extraktoren seien robuste Maschinen, die dem landwirtschaftlichen Alltag genügen. Sie holen das mikrobielle Potenzial aus hochwertigen Kompostsubstraten heraus und würden eine schnelle, konstante und skalierbare Produktion von Flüssigextrakten in beliebiger Menge zum erwünschten Zeitpunkt erlauben, heisst es auf der Website. Solche Extrakte seien bedeutend wirkungsvoller, diverser in der Zusammensetzung und flexibler in der Produktion und Anwendung als Komposttee, mit dem er startete und der auch weiterhin Thema bleibe, sagt Alain Huber.

Die Extrakte würden bei der Saat, möglichst nahe am Saatkorn eingesetzt, so möglichst durch Einspritzung bei Direktsaat. Entsprechende Maschinen und Systeme seien mit Partnern in Entwicklung. Überhaupt sei noch sehr vieles im Aufbau, das Interesse der Branche sei aber gross.

Sein Engagement für bessere und mit Mikroorganismen angereicherte Böden und die Startup-Firmen sei sprichwörtlich auf «fruchtbaren Boden» gestossen: Derzeit arbeite er mit der ETH und Agroscope in mehreren Forschungsprojekten zusammen, in denen die Wirkung der Mikroorganismen in Böden untersucht wird.

[IMG 2]

Preis für 40 000 Franken

Für seinen Einsatz für die Umwelt im Bereich der Bodenverbesserung erhielt Alain Huber mit seiner Firma Erdig den Umweltpreis 2026 der Albert-Koechlin-Stiftung. Dieser ist mit 40 000 Franken dotiert. Ein weiterer Preis in gleicher Höhe ging an «Stadtblüte» von Barbara Latschner, die sich für die Biodiversitätsförderung in der Stadt Luzern einsetzt. Die Umweltpreise werden am 12. Juni im Rahmen einer Feier auf dem Kulturhof Hinter Musegg in der Stadt Luzern verliehen.

Mehr Infos: www.erdig.ch

Schonende Bodenbearbeitung
In der regenerativen Landwirtschaft werden ganzjährig bewachsene und durchwurzelte Böden angestrebt. Die Bodenbearbeitung soll flach, nicht wendend und mit möglichst wenigen leichten Überfahrten erfolgen. «Und die Bodenbearbeitung soll immer in Kombination mit dem Einsatz von Kompostextrakt erfolgen», rät Alain Huber. Auch Gründüngungen und Humusaufbau haben einen hohen Stellenwert. So könnten resiliente Böden entstehen, die reich an Leben sind, sich jeweils wieder rasch erholen und ihre grundlegenden Funktionen wieder erfüllen könnten.