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Hecken als Multitalente: Wasserspeicher, Windschutz und gut für die Biodiversität

Um verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, lohnt sich eine durchdachte Zusammensetzung der Hecke. Für die Artenförderung ist ein ausreichender Dornenanteil wichtig.

Der Regen der letzten Woche war ersehnt – und teilweise stark. Die Gewitterfront hat schwere Tropfen auf den Boden geschmettert, was an mancher steilen Stelle Spuren hinterlassen hat. Das Wasser ist oberflächlich abgeflossen und hat fruchtbare Erde weggeschwemmt. Wasser, das in den kommenden Monaten noch fehlen könnte.

Bremst den Oberflächenabfluss, speichert Wasser

Hecken können eine Lösung sein: «Sie bremsen den Oberflächenabfluss, dämpfen Abflussspitzen und lassen Regenwasser besser versickern», so die Beschreibung von Hecken als Massnahme im Projekt Slow Water. Es befasst sich mit der Wasserretention im Kulturland und lobt im Weiteren den positiven Effekt von Hecken auf die Durchwurzelung und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens. «Zudem verlangsamen die angrenzenden Säume insbesondere in Hanglagen abfliessendes Wasser nach Starkniederschlägen und fördern die Infiltration.» Ein weiterer positiver Effekt linearer Gehölzgruppen ist der Schutz der dahinterliegenden Flächen vor Wind.

«Alle Hecken können diese Funktionen abdecken»

Hecken geben der Landschaft Struktur. Man könnte auch sagen, sie sind im Weg – mit dieser Haltung wurden in der Vergangenheit zahlreiche Hecken entfernt. Heute stehen sie unter Schutz und der Bund fördert sie als Biodiversitätsförderflächen (BFF). Schliesslich können laut Fachliteratur mehrere Hundert Arten von einer Hecke profitieren. Im Kulturland sind sie so ein Reservoir für natürliche Feinde (z. B. für Wiesel gegen Mäuse). Oder sie bieten Bestäubern Nahrung, bevor die Kultur blüht.

Wasserrückhalt, Windschutz und Biodiversitätsförderung – «alle Hecken können diese Funktionen abdecken», sagt Livio Rey von der Schweizerischen Vogelwarte. Der Ornithologe schränkt aber ein: «Artenarme oder zu schmale Hecken sind aus ökologischer Sicht nicht optimal.» Ökologisch besonders wertvoll seien Hecken, die aus einheimischen und verschiedenen Pflanzenarten bestehen. Ausserdem sollten sie einen Dornenanteil von mindestens 20 Prozent aufweisen. Beides ist für Hecken als BFF QII vorgeschrieben.

Mindestens zwei Meter breit für QII

«Idealerweise sollte die Bestockungsbreite 2–3 m umfassen», fährt Livio Rey fort. Die Direktzahlungsverordnung gibt für QII mindestens 2 m vor. Hinzukommt beidseitig ein Krautsaum von 3–6 m Breite (für QI und QII) mit eigenen Auflagen. Besonders wertvoll sei ein Krautsaum, der extensiv und ausserhalb der Brutzeit genutzt wird, hält der Biologe fest. «Hier brütet zum Beispiel die Goldammer besonders gerne.» Der schmucke Vogel mit dem intensiv gelben Gefieder ist leicht an seinem Gesang zu erkennen: Im Frühling singt das Männchen «Wie, wie, wie, wie hab ich dich lieb».

Beim Anlegen einer Hecke zwecks Windschutz oder Wasserretention werden Biodiversitäts-Aspekte idealerweise berücksichtig. So gelingt ein wahrer Alleskönner von Hecke.

Nicht zu hoch werden lassen

Grundsätzlich eignen sich Hecken in allen Landschaften in der Schweiz – vom Acker- übers Grünland bis ins Berggebiet, so Livio Rey. «Besonders wertvoll für viele typische Vogelarten des Kulturlands wie Neuntöter und Dorngrasmücke sind Hecken und Buschgruppen mit einer Höhe von bis zu 3 m.» Höhere Hecken seien für viele Arten nicht mehr attraktiv und einige – z. B. die Feldlerche – würden sie sogar grossräumig meiden.

Eine Maximallänge ist nirgendwo festgeschrieben, teilweise enthalten aber die kantonalen Heckenschutzverordnungen Vorgaben zur Mindestlänge von Hecken.

Hecken als Multitalente: Wasserspeicher, Windschutz und gut für die Biodiversität
Hier sorgen Hecken, Bäume und Büsche dafür, dass in der Hanglage Wasser versickert, statt den Boden abzuschwemmen.

Mit Dornsträuchern aufwerten

Der Dornenanteil und die richtige Pflege sind wichtige Aspekte für die ökologische Qualität einer Hecke. Hier bestünde vielerorts noch Potenzial, wie die «Aktion Dornröschen» von BirdLife Luzern vor Jahren gezeigt hat. Zur Aufwertung kann man dornenbewehrte Sträucher in bestehende Hecken ergänzen, bestätigt Livio Rey. Beispielsweise Heckenrosen, Kreuz-, Schwarz- und Weissdorn oder Berberitze. Eine andere Möglichkeit sind Kleinstrukturen wie Stein- oder Asthaufen. «So finden Hermelin, Igel, Eidechsen und weitere Arten ein Zuhause.»

Niedrige, dornenreiche Hecken gelten als ökologisch besonders wertvoll. «Hier fühlen sich Neuntöter und Dorngrasmücken wohl und brüten auch gerne», beschreibt Rey. Zur optimalen Pflege empfiehlt er ein selektives oder maschinelles Vorgehen, bei dem die dornentragenden Sträucher geschont und schnellwachsende Arten zurückgeschnitten werden.

Dornenreiche Buschgruppen als Alternative

Ein Hindernis für die Neupflanzung von Hecken ist deren strenger Schutz. Er erschwert oder verunmöglicht es, das Gehölz allenfalls in der Zukunft wieder zu entfernen. Das kann das Gefühl vermitteln, man pflanze womöglich eine mühsame Hypothek für die nächste Generation auf dem Betrieb. «Ebenfalls wertvoll sind dornenreiche Buschgruppen», bemerkt Livio Rey. Sie könnten in Form von Kleinstrukturen in Obstgärten, extensiv genutzten Wiesen oder auch in Säumen auf Ackerland angelegt werden. «Sie gelten in der Regel nicht als Hecke.»

Nationaler Heckentag im Herbst

Die optimale Zeit fürs Pflanzen und Pflegen von Hecken ist während der Vegetationsruhe. Daher findet der nationale Heckentag jeweils im Herbst statt, dieses Jahr am 7. November. Der gleichnamige Verein vermittelt freiwillige Helfer, um neue Lebensräume zu schaffen oder sie zu erhalten. Interessierte können sich via Onlineformular für den nationalen Heckentag anmelden: www.heckentag.ch

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