Der Kürbiskäfer auf dem Stoltenhof ist ein grosser Brummer. «Zum Glück kein Schädling», scherzt Betriebsleiter Hansruedi Hunziker. Im Gegenteil: Der Käfer hilft beim Verkaufen. Der Oldtimer steht vor dem Verkaufszelt von Familie Hunziker in Kirchleerau und weckt Aufmerksamkeit mit seinem Kofferraum voller Hokkaido-Kürbisse. Eine vielbefahrene Hauptstrasse und ein Radweg führen am Betrieb vorbei – ideal für Direktvermarktung.

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Fantastische Kürbiswelt im Verkaufszelt

Wer Halt macht und ins Zelt tritt, wird nicht enttäuscht. Kürbisse gibt es mittlerweile zwar überall zu kaufen. Aber es ist ein Unterschied, ob man im Grossverteiler zwischen zwei Sorten wählen kann oder auf dem Stoltenhof in eine fantastische Kürbiswelt eintaucht. Barbara Hunziker hat die Kürbisse nach Farben sortiert und auf Regalen stilvoll arrangiert; gefüllte Leiterwagen und Körbe locken zum Zugreifen, zwei Hofkatzen schnurren einem um die Beine.

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Hier findet jede Kundin und jeder Kunde genau den richtigen Kürbis. «Wir haben etwa 70 Sorten», erzählt Barbara Hunziker. Sie hat die Ideen für die Präsentation, bei der Ausführung hilft ihr Mann. Die Kürbisse sind Teamarbeit. Auch Sohn Lukas, gelernter Landwirt und in der Weiterbildung zum Betriebsleiter, arbeitet mit. Er ist mit seinen 24 Jahren ein Jahr jünger als das Kürbisgeschäft auf dem Stoltenhof. Damals standen ein gutes Dutzend Milchkühe im Stall, bewirtschaftet wurden 10 Hektaren Land. Ziel war mehr Wertschöpfung auf dem Hof, um ohne Nebenerwerb auszukommen.

Der erste Schritt war ein Blumenfeld, es folgten die Kürbisse und schliesslich ein Hofladen.

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Die Direktvermarktung entwickelte sich zu einem tragfähigen Standbein des Betriebs. «Wir waren nicht die ersten und sind nicht die einzigen, aber es gibt uns immer noch», kommentiert Hansruedi Hunziker den Betriebszweig Kürbis. Auch wenn die Familie in der Zwischenzeit ein zweites Gebäude und zusätzliches Land pachten konnten – die Kürbisse bleiben. Hunzikers ziehen ihre Setzlinge selber. Kürbisse mögen nicht jedes Wetter gleich gern, der vergangene heisse und trockene Sommer hat ihnen gefallen. Nach dem Setzen wurden sie angegossen, ansonsten kamen sie mit der Trockenheit gut zurecht. Unkrautbekämpfung ist die wichtigste Pflegearbeit.

Hunzikers produzieren auf 120 Aren mit einer Anbaupause von vier Jahren. Seit einiger Zeit teilen sie mit einem Berufskollegen eine Maschine zum Säen beziehungsweise Setzen, und ab nächstem Jahr hilft eine weitere Maschine beim Auslegen der Mulchfolie, auf der die Pflanzen wachsen. Beides war zuvor Handarbeit.

Selbst Hagel überstanden

Kurz nach dem Setzen gab es dieses Jahr einen leichten Hagelschlag und der Betriebsleiter schützte die gestressten Jungpflanzen mit einem Fungizid vor Krankheiten. Aber grundsätzlich seien Kürbisse robust, weiss Hansruedi Hunziker und erzählt von einem heftigen Hagelzug vor zehn Jahren, der die Kürbisstauden im Juli kurz und klein schlug. Sie erholten sich, es gab eine überraschend gute Ernte.

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Auf dem Stoltenhof werden heute etwa zwei Drittel Speisekürbisse und ein Drittel Zierkürbisse verlangt. Früher kaufte die Kundschaft vor allem zu Dekorationszwecken und weniger für die Küche, obwohl Halloween noch nicht in Mode war. Dann brachten Kochshows und -zeitschriften die Menschen auf den Geschmack. Auch heute merken Hunzikers an ihren Verkaufszahlen, wenn in den Medien eine bestimmte Sorte propagiert wird.

Tipp für den Vorrat

Kürbisse lassen sich in der Regel einige Wochen lagern, eine Garantie gibt Barbara Hunziker aber nicht ab: «Man sieht nicht in sie hinein.» Ihr Tipp für den Vorrat: «Roh gewürfelt oder gekocht als Püree in den Tiefkühler.» Oder süsssauer im Glas eingemacht, was in ihrem Hofladen ein beliebtes Produkt ist. Das gibt es auch dann noch zu kaufen, wenn im November das Sortiment an Frischkürbissen schwindet und im Dezember die Christbäume den Platz im Verkaufszelt übernehmen.