Die Idee für eine Bienen-Initiative ist schon einige Jahre alt und stammt ursprünglich nicht von einem Imkerverband. In der Schweizerischen Bienenzeitung erklärt Martin Schwegler, Zentralpräsident von Bienen Schweiz, wie der Vorstoss entstanden ist: Vor bald zwei Jahren habe Future 3 den Imker-Dachverband Apisuisse mit dem Vorschlag einer Bienen-Initiative kontaktiert (siehe Kasten).
Zwei zentrale Forderungen
«Wir waren am Anfang sehr kritisch», sagt Martin Schwegler in der Bienenzeitung. Es habe Zeit und viele Diskussionen gebraucht, bis man sich auf Initiativtext und Argumentation habe verständigen können. Der Text der Bienen-Initiative ist bisher nicht öffentlich einsehbar. Laut Bienen Schweiz enthält sie aber zwei zentrale Forderungen: Die Bestäubung sichern und den Schutz der Bienen in der Verfassung verankern. Dazu zählen die Förderung der Bestände und der Vielfalt der Biene.
«Lösungsorientiertes, gemeinschaftliches Vorgehen»
Ob des Stiftungszwecks von Future 3 mag mancher hellhörig werden. Der Imkerverband verspricht aber, die Bienen-Initiative verfolge ein «lösungsorientiertes, gemeinschaftliches Vorgehen», bei dem weder Schuldzuweisungen noch Verbote im Fokus stünden. «Wir sind überzeugt, dass wir so mehr erreichen können», sagt Claudia Bregy-Eyer, Vizepräsidentin von Bienen Schweiz. Der Initiativtext sei bewusst eher allgemein gehalten statt möglichst präzise formuliert. So soll der Vorstoss ein starkes Zeichen für die Bienen werden, aber keines gegen die Landwirtschaft, schildert Martin Schwegler in der Bienenzeitung. «Wir haben bewusst auch mit politisch engagierten Landwirten gesprochen und stellen keinen Widerstand gegen den Initiativtext fest.»
Forschungsbedarf für Alternativen
Martin Schwegler glaubt nicht, dass mehr Schutz für die Bienen auf mehr Vorschriften und Verbote hinauslaufen muss. Vielmehr betont er die Wissenslücken, die die Forschung füllen müsse: Vieles über Bienen, die Insektenwelt und die Zusammenhänge sei heute unbekannt. Auch müsse man dafür sorgen, dass Landwirt(innen) Alternativen zu den bisherigen Bekämpfungsmitteln im Pflanzenschutz erhalten. «Kommt hinzu, dass zum Bienen- und Insektenschutz auch die Bewohner des Siedlungsgebiets in die Verantwortung genommen werden müssen», ergänzt er. Um jede Liegenschaft herum habe es Grünflächen, die aber allzu oft für Insekten wertlos seien.
Die Delegierten müssen noch entscheiden
Wirklich lanciert ist die Bienen-Initiative allerdings noch nicht. Das ist für den 20. Mai geplant. Zuvor müssen die Delegierten des deutsch- und des Westschweizer Imker-Dachverbands im April die Lancierung formell beschliessen. «Folgt die DV dem Antrag des Zentralvorstands nicht, dann ist das Projekt von unserer Seite her gestorben», hält Martin Schwegler fest. Er habe aber keine Hinweise darauf, dass eine Mehrheit der Basis gegen die Initiative wäre, «im Gegenteil».
«Es braucht ständig einen gewissen Druck»
Angesichts der Motion «Sicherung der Insektenbestäubung insbesondere durch Wild- und Honigbienen» kann man sich fragen, weshalb es jetzt eine Bienen-Initiative braucht. Das Parlament hat die Motion Mitte 2024 an den Bundesrat überwiesen und ihn damit unter anderem zu mehr Forschungsbemühungen angehalten. «Inzwischen ist wieder einige Zeit vergangen und es zeigt sich einfach, dass es ständig einen gewissen Druck braucht, damit der Bund dann auch handelt bzw. Mittel zur Verfügung stellt», begründet Zentralpräsident Martin Schwegler in der Bienenzeitung. Vizepräsidentin Claudia Bregy-Eyer ergänzt, der Umgang des Bundes mit dem Problem der Asiatischen Hornisse habe zu erheblicher Verärgerung geführt. Sie kritisiert, der Bund wolle es weiterhin an die Kantone delegieren – «als ob sich ein invasives Insekt aus Asien für unsere Kantonsgrenzen interessieren würde». Offenbar müsse man doch etwas fordernder als bisher werden, damit sich etwas bewegt.
Die Bienen-Initiative sei für den Verband ein Jahrhundertprojekt, schreibt Bienen Schweiz. Der «straffe, mehrheitsfähige» Initiativtext soll die Forderungen der erwähnten Motion verstärken und ergänzen.
Schweizer Bauernverband sieht keine Notwendigkeit
Da der Initiativtext derzeit noch nicht verfügbar ist, sei eine konkrete Einschätzung schwierig, respektive nicht möglich, sagt Sandra Helfenstein auf Anfrage der BauernZeitung. Die Sprecherin des Schweizer Bauernverbands (SBV) hält aber fest, der Verband erachte die Bienen-Initiative als nicht nötig. «Es läuft bereits einiges in Sachen Biodiversitätsförderung», findet Helfenstein. Ausserdem sehe die AP 30+ weitere Massnahmen vor zur Förderung der Insekten im Landwirtschaftsgebiet. «Der Weg über die AP 30+ ist viel schneller als über eine Initiative», gibt sie zu bedenken.
Die SBV-Sprecherin erinnert daran, dass mittlerweile 20 Prozent der Flächen in der Landwirtschaft gezielt der Biodiversitätsförderung dienten. Diese lieferten mit hohem Blumenanteil auch Nahrung bzw. Lebensraum für Bestäuber. «Aus unserer Sicht besteht noch Potenzial bei der Qualität der bereits bestehenden BFF.» Es sei der Ansatz des SBV, dort mit gezielten Massnahmen die Wirkung zu verbessern. Daher fände es der Verband besser, vorhandene Mittel in solche konkrete Projekte zu stecken, statt in Volksinitiativen. «Generell gilt leider, dass Volksinitiativen immer mehr als Marketinginstrument eingesetzt werden», sagt Helfenstein.
Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft mit drei Schwerpunkten
Future 3 ist eine Stiftung, die sich das Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft auf die Fahnen schreibt. Sie unterstützt gemäss Website Projekte, die die Landwirtschaft ökologischer machen und setzt drei Schwerpunkte: Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel, Verringerung der Treibhausgasemissionen und des Stickstoffüberschusses. Eines der Projekte von Future 3 ist «Faire Getreideprodukte», bei dem zusammen mit der Westschweizer Bio-Genossenschaft Progana eine transparente und faire Lieferkette für Bio-Getreideprodukte aufgebaut wird.
