Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

Über 50 Prozent des Kraftfutters seien importiert und die Absatzförderung sei fehlgeleitet

Die Landwirtschaft in der Schweiz ist von Futtermittelimporten abhängig, berichtet Greenpeace. Proviande verzerre mit ihren Aussagen die Tatsachen zum Kraftfutter und die Absatzförderung sei zu überarbeiten.


Die Schweiz habe schlicht zu wenig Ackerflächen, um den derzeitigen Tierbestand ernähren zu können. Daher sei die Nutztierhaltung «total abhängig» von importierten Futtermitteln, schreibt Greenpeace. Besonders problematisch sieht die Umweltorganisation die hohen Bestände an Schweinen und Geflügel, die nicht von Raufutter leben könnten. Hinzukommen Hochleistungstiere in der Milchproduktion und Rindermast, die ebenfalls auf energiereiches Kraftfutter angewiesen sind. «In Schweizer Fleisch steckt also längst nicht nur Schweiz», folgert Greenpeace.

Fehlgeleitete Absatzförderung

Der Greenpeace-Bericht basiert auf einer Analyse der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Im Zentrum der Kritik steht die bisherige Agrarpolitik und die Absatzförderung tierischer Produkte. Mit jährlich 39 Millionen Franken arbeite man damit darauf hin, den Hunger nach Milch, Fleisch und Eiern weiter zu steigern. Dies obwohl in der Schweiz mit 15 Millionen Tiere und über 75 Millionen Schlachtungen pro Jahr bereits zu viele Tiere leben, so Greenpeace.

Die Absatzförderung müsse daher gründlich überarbeitet werden. «Dabei müssen die Bauern und Bäuerinnen, die bis anhin vom Staat in eine falsche Richtung gelenkt wurden, unterstützt werden, um ihre Produktionssysteme nachhaltig und an den Standort Schweiz angepasst zu gestalten.»

Importe werden verschleiert

«Die Schweiz hat mit 85,2 % einen sehr hohen Inlandanteil an Futtermitteln», schreibt Proviande. Das beziehe sich aber auf das gesamte Trockengewicht des Tierfutters und klammere die Bedeutung des Kraftfutters aus, hält Greenpeace dagegen. Mit der Aussage, Sojaimporte seien Nebenerzeugnisse aus der Ölherstellung (Ölkuchen), verzerre die Fleischbranche ausserdem die Tatsachen. 

Anders als Ölkuchen aus der Raps- und Sonnenblumenöl-Produktion handle es sich bei Sojakuchen nicht um ein Nebenprodukt. Vielmehr sei dieses Sojaextraktionsschrot das Hauptprodukt des Futtersojaanbaus und Sojaöl ein Nebenprodukt, erläutert Greenpeace. Daher sei die Bezeichnung von Sojakuchen als Nebenerzeugnis, wie es in der offiziellen Futtermittelbilanz steht, schlicht falsch. 

Der Hauptanteil in der Kategorie der eiweisshaltigen Ölsaaten/-kuchen bilden gemäss Statistik Soja. Pro Jahr werden gemäss Greenpeace 268'000 Tonnen Sojaeiweissfutter importiert. (Grafik Bericht Greenpeace)

«Es gibt ein grosses Missverständnis»

Die Nachforschungen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW haben gezeigt, dass Sojaschrot oder -ölkuchen kein Neben- sondern ein Hauptprodukt des Sojaanbaus sind. «Weder mengen-, noch wertmässig oder was die Motivation für den Anbau angeht, kann man Sojaextraktionsschrot als Nebenprodukt bezeichnen», erklärt Priska Baur von der ZHAW. Sie leitete die Studie über den Import von Futtermitteln, auf denen der Greenpeace-Bericht basiert.

Die Verwendung von Soja als Futtermittel hat im Westen gemäss Baur eine lange Geschichte. «Während in Asien Soja seit Jahrhunderten als Lebensmittel zubereitet und geschätzt wird, war man in westlichen Ländern nicht daran interessiert», führt die Wissenschaftlerin aus. Als Futter diente es jedoch unter anderem dafür, die Geflügelmast in den USA zu entwickeln und auszubauen. So seien auch die Anbauflächen gewachsen, um mehr eiweisshaltiges Futter herstellen zu können. «Es gab zeitweise so viel Sojaöl, dass man kaum mehr wusste, wohin damit», so Baur.

Gemäss ZHAW wird Soja gezielt für die Produktion von Futtermitteln angebaut. (Bild charlesricardo/Pixabay)

«Dass Sojaölkuchen ein Nebenprodukt sei, ist ein grosses Missverständnis», resümiert die Wissenschaftlerin. In der Schweiz sei man sich dessen offenbar nicht bewusst. Schliesslich wird das Futtermittel sowohl in den Statistiken, als auch in der Werbung stets als Nebenprodukt bezeichnet.

Herkunftsländer schwer zu bestimmen

Zu den Herkunftsländern der in die Schweiz importierten Futtermittel gibt Priska Baur zu bedenken, dass es grosse jährliche Schwankungen gebe: «Für die Studie konnten wir nur ein Jahr analysieren.» Ausserdem sei in der Statistik als Herkunftsland jene Nation angegeben, wo der grösste Verarbeitungsschritt vorgenommen wurde. Wo das Soja schlussendlich gewachsen ist, lässt sich daher nur schwer nachverfolgen.

Man sei zwar mit den Sojanetzwerk Schweiz in Kontakt gewesen, habe aber keine transparenten Daten für die Studie erhalten.

Schäden im Aus- und Inland

Die hohen Tierbestände in der Schweiz und die Anbauflächen für Futtermittel im Ausland, belasten die Umwelt hierzulande wie auch in den Futtermittel-Anbauländern. Auf etwa 200'000 Hektaren wird im Ausland Futter für die Schweiz produziert, schreibt Greenpeace. Heute liege die Importmenge bei 1,4 Millionen Tonnen Futtermittel pro Jahr, wovon es sich bei 80 Prozent um Kraftfutter handle.

Mehr als die Hälfte des in der Schweiz verfütterten Kraftfutters stamme aus dem Ausland. Bei dieser Aussage beruft man sich auf Statistiken von Agristat. 

Das sagt das Soja Netzwerk Schweiz

Im Sinne einer faktenbasierten Information für die Konsumentinnen und Konsumenten stelle man einige teilweise nicht zutreffende Aussagen von Greenpeace richtig, heisst es in einer Mitteilung des Soja Netzwerks Schweiz: 

Futtermittel aus Soja sind gemäss Greenpeace keine Nebenprodukte: Sojaöl werde wie andere Pflanzenöle auch effizient in der Lebensmittelindustrie verwertet, schreibt das Soja Netzwerk. So werde damit frittiert oder Margarine hergestellt. Bei 75 Prozent der gesamthaft in der USA genutzten pflanzlichen Öle und Fette handle es sich um Sojaöl.

«Ich habe Mühe damit, wenn von Haupt-, oder Nebenprodukt gesprochen wird», erklärt Stefan Kausch vom Soja Netzwerk Schweiz auf Anfrage der BauernZeitung. Man müsse das gesamtheitlich betrachten. «Das Sojaöl wird genutzt. Wäre es nicht da, müsste man es mit einem anderen Pflanzenöl ersetzen», gibt er zu bedenken. Es gibt mehrere Einsatzmöglichkeiten für Sojaprodukte und schliesslich eine Mischrechnung für die verschiedenen Komponenten und Verwendungszwecke.

Seit 1995 haben sich die Sojaimporte der Schweiz nahezu versechsfacht, schreibt Greenpeace: Gemäss der Importstatistik der Pflichtlagerorganisation réservesuisse sind Importe von Sojaextraktionsschrot seit 2010 rückläufig. Gleichzeitig habe sich der Anteil von Soja aus Brasilien halbiert, entgegnet das Soja Netzwerk.

Der Anteil Sojaextraktionsschrot aus Brasilien ging in den letzten Jahren zurück, während die Mengen aus Europa zunahmen. (Grafik Soja Netzwerk Schweiz)

Greenpeace kritisiert, die «Rodungsfreiheit», die beim Import als Kriterium gilt, reiche nur bis 2006 zurück. Zuvor gerodete Flächen seien daher kein Hinderungsgrund für den Import in die Schweiz. Zudem sei die Herkunft unklar und schwer herauszufinden: Beim Soja Netzwerk verweist man auf eine Wirkungsanalyse der HAFL. Diese sei 2020 zum Schluss gekommen, dass die im Rahmen der Studie untersuchten 35 brasilianischen Betrieben das Kriterium der rodungsfreien Sojaproduktion erfüllt sei. Als Stichjahre dienten laut HAFL-Analyse allerdings 2008 und 2009.

Greenpeace startet Petition

Unter dem Titel «Keine Steuergelder für Werbemärchen» hat Greenpeace Schweiz eine Petition mit folgenden Forderungen gestartet: 

  • Keine finanzielle Unterstützung für das Marketing der umweltzerstörenden Fleisch- , Eier- und Milchindustrie
  • Realistische Angaben zur Deklaration von «Schweizer» Fleisch-, Eier- und Milchprodukten
  • Die Förderung einer alternativen ökologischen und standortgerechten Landwirtschaft. Ackerflächen sollen direkt für die menschliche Ernährung statt für den Futterbau genutzt werden
  • Keine weitere Verzögerung der politischen Diskussion zur AP 22+
War dieser Artikel lesenswert?
Kommentar erfassen
Gastbeitrag: Die starke Landwirtschafts-Lobby behindert Fortschritt
11.08.2020
Die vier Umweltorganisationen WWF, Greenpeace, Pro Natura und Bird Life lancieren die Kampagne «Agrarlobby stoppen». Raffael Ayé von Bird Life Schweiz schreibt in seinem Gastbeitrag, warum man sich für diesen Appell an die Akteure in der Agrarpolitik entschieden hat.
Artikel lesen
In den letzten Jahren wird die Schweizer Landwirtschaft ungewohnt klar für ihre Umweltprobleme kritisiert – und oft auch die einzelne Bäuerin oder der Bauer. Das ist für die Bauernfamilien frustrierend. Denn es ist nicht ihre Aufgabe, z. B. Stoffe wie Chlorothalonil auf ihre Gefährlichkeit zu überprüfen! Hier ist der Bund gefragt. Es braucht seriösere Zulassungs- und Überprüfungsverfahren und ...
Werbung
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!
Folgen Sie uns