Wenn 80 Prozent der Bevölkerung weniger Pflanzenschutzmittel wollen, aber nur die Hälfte der Landwirte das unterstützt, dann haben wir ein Problem. Wenn 67 Prozent der Konsumenten tiefere Preise fordern, aber nur 16 Prozent der Bauern dem zustimmen können, dann reden wir aneinander vorbei. Und wenn die Politik seit Jahren versucht, es allen recht zu machen, dann blockiert sie sich selbst.

Das Subventionsdilemma

Hier liegt der Kern des Problems. Die Schweizer Landwirtschaft ist überpolitisiert. Mit 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen jährlich hat sich die Branche in eine gefährliche Abhängigkeit begeben. Jede agrarpolitische Diskussion dreht sich nicht um den Markt, sondern um Budgets und Auflagen. Die Bauern sind gefangen in einem System, das sie mitgeschaffen haben – und das sie jetzt lähmt.

Solange jeder Franken aus Bern mit Auflagen verbunden ist, solange werden Umweltforderungen als Bedrohung wahrgenommen statt als Chance. Die Studie zeigt es klar. Landwirte lehnen Umweltziele nicht ab, weil sie Umweltsünder wären. Sie lehnen sie ab, weil sie Angst vor Einkommensverlusten haben. Das ist verständlich – aber es ist auch ein Armutszeugnis für ein System, das Innovation und Eigeninitiative erstickt.

Die gespaltene Bauernschaft

Abo Studie zeigt Gräben Agrarpolitik: Befinden sich Bauern und Bevölkerung auf Konfliktkurs? Dienstag, 3. Februar 2026 Besonders brisant ist die Uneinigkeit innerhalb der Landwirtschaft selbst. Beim Klimaschutz herrscht innerhalb der Bauernschaft der tiefste Konsens aller Themen. Das bedeutet, es gibt progressive Betriebe, die den Wandel längst vollziehen. Und es gibt jene, die auf der Bremse stehen und hoffen, dass alles beim Alten bleibt.

Der Bauernverband tut so, als könne er beide Lager vertreten. Das funktioniert nicht mehr. Die Zukunft gehört jenen Betrieben, die verstanden haben, dass Nachhaltigkeit kein Luxus ist, sondern eine Überlebensfrage. Die anderen werden vom Markt verschwinden – mit oder ohne Politik.

Wer zahlt? Falsche Frage!

Die übliche Debatte dreht sich um die Frage, wer zahlen soll. Der Steuerzahler, der Konsument oder der Bauer? Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist, wie wir ein System schaffen, das nicht auf permanenten Transfers basiert, sondern auf Wertschöpfung.

Die Konsumenten müssten ehrlich sein. Wer Umweltschutz will, muss auch bereit sein, dafür zu zahlen – nicht nur im Wahlkampf nicken, sondern an der Kasse handeln. Der Detailhandel verdient gut mit Nachhaltigkeitslabels. Nehmen wir IP-Suisse: Die beiden orangen Grossen Coop und Migros verteidigen dieses Label hart gegen die Discounter, die es gerne im Sortiment hätten. Warum? Weil es profitabel ist. Offensichtlich lässt sich damit Geld verdienen – sonst würde man es nicht so vehement für sich behalten. Aber der Handel muss endlich Planungssicherheit bieten. Langfristige Verträge statt kurzfristiger Preisdruck. Verlässliche Abnahme statt Absage bei der ersten Marktschwankung. Die Verarbeiter müssten Mehrwert auch wirklich weitergeben statt nur ihre Margen zu optimieren. Und die Bauern? Die müssten konsequent unternehmerisch denken und nicht jede Subvention mitnehmen, die es gibt, nur weil sie da ist.

Der Ausweg

Die Studie zeigt uns das Dilemma. Aber sie zeigt auch, dass 92 Prozent der Bauern und 83 Prozent der Bevölkerung angemessene landwirtschaftliche Einkommen wollen. Hier ist die Basis für einen Gesellschaftsvertrag. Mehr Leistung für Umwelt und Tierwohl – abgegolten über höhere Direktzahlungen oder höhere Preise. Dafür weniger Bürokratie und mehr unternehmerische Freiheit.

Das erfordert Mut. Von der Politik, die aufhören muss, es allen recht machen zu wollen. Von den Bauern, die sich von der Subventionsmentalität lösen müssen. Von den Konsumenten, die Verantwortung übernehmen müssen. Und von der Branche insgesamt, die endlich lernen muss, dass Agrarpolitik nicht im Bundeshaus gemacht wird, sondern an der Ladentheke.

Die Gräben werden tiefer. Die Zeit wird knapp. Und die Frage ist nicht, ob sich etwas ändern wird. Die Frage ist nur, ob wir den Wandel aktiv gestalten – oder uns von ihm überrollen lassen.