Wenn ein Kind aus dem Elternhaus auszieht, ist das für die junge Person ein grosser und aufregender Schritt. Endlich nicht mehr unter den beobachtenden Augen der Eltern stehen. Endlich freie Hand haben, nicht nur das Kinderzimmer, sondern die ganze Wohnung nach dem eigenen Gusto einzurichten. Natürlich im Rahmen der eigenen finanziellen Möglichkeiten.

Abo Grosse Veränderung im Familienalltag Der Auszug des Kindes kann für Eltern eine Chance sein Mittwoch, 7. Januar 2026 Laut einer Studie des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2023, verlassen die meisten jungen Menschen das Elternhaus zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Mit 20 Jahren ist etwas mehr als ein Viertel aller jungen Erwachsenen ausgezogen, mit 22 Jahren sind es bereits 50 %. Mit 25 Jahren haben 76 % das Elternhaus verlassen und mit 30 Jahren leben weniger als 10 % noch bei ihren Eltern. Der Auszug bedeutet Freiheit, einen weiteren Schritt ins Erwachsensein und auch ein wenig Abenteuer.

Der Umzug war viel zu früh und plötzlich

Auf der Elternseite sieht es anders aus. Nebst Trauer können Unsicherheiten auftauchen. Wie wird sich der Kontakt verändern? Wie wird sich der eigene Alltag verändern? Wie häufig darf und soll man sich als Mutter beim Kind melden, damit sich dieses nicht belästigt oder im Gegenteil, unbeachtet fühlt? Wie wird das Kind damit klarkommen, für alle Finanzen und den gesamten Haushalt selbst verantwortlich zu sein? 

Haben die Eltern dem Kind genügend Selbstständigkeit beigebracht, um das alles zu meistern? Diese Gefühle hat die Schreibende vor einem halben Jahr selbst erlebt. Zwar war ein Auszug in naher Zukunft bereits Thema in der Familie. Dennoch kam dann der Umzug viel zu plötzlich und viel zu früh. 

Vom Kapitän zum Leuchtturmwärter

Tröstlich war bei diesem Prozess die Aussage der österreichischen Erziehungswissenschaftlerin und Bloggerin Iris van den Hoeven: «Eltern übernehmen erst die Kapitänsrolle und wechseln Schritt für Schritt in Richtung Leuchtturmwärter, bis das Schiffchen dann ein Schiff ist und in die grosse See sticht. Und auch dann ist es noch wichtig, sich eines sicheren Hafens gewiss sein zu können.» Das ist eine schöne Umschreibung des Elternseins.

Auch das einst kleine Schiffchen der Schreibenden ist zu einem stattlichen Schiff, sprich einer jungen, selbstbewussten und erwachsenen Frau herangewachsen. Mit dem Auszug aus dem Elternhaus ist sie in die grosse weite See der Erwachsenenwelt gestochen. Sie weiss jedoch, dass sie bei jedem Sturm, der aufzieht, in ihrem Elternhaus einen sicheren Hafen ansteuern kann.

Den freigewordenen Platz nutzen

Der Auszug eines Kindes hinterlässt eine gewisse Leere. Mit ein wenig Abstand betrachtet, ist diese Leere aber nicht nur negativ, sondern kann auch positiv betrachtet werden. So wird Platz frei im Spiegelschrank, im Ablagekorb der Duschkabine oder in der Garderobe. Es lebt eine Person – im vorliegenden Fall, eine weibliche Person – weniger im Haushalt. Das freigewordene Zimmer dürfen Eltern auch nicht vergessen.

Es gibt die Option, an den alten Erinnerungen festzuhalten und das Zimmer unberührt zu lassen. Sinnvoller ist es jedoch, den Raum umzugestalten und, ausgerichtet an den verbleibenden Bewohnern des Hauses oder der Wohnung, neu einzurichten. 

Platz im neuen Allzweckraum

Bei der Schreibenden ist dieses Zimmer nun ein Allzweckraum: Ein Gästezimmer inklusive Fitness-Minitrampolin, das nun nicht nach jedem Gebrauch wieder verstaut werden muss. Zudem dient es als Wäschezimmer, da die Wäsche bislang im Winter im Büro, aufgehängt wurde. Und nicht zuletzt gibt das Zimmer, mit grossem Schrank, zusätzlichen Stauraum. Dadurch ist das Wohnzimmer leerer und nicht mehr mit vielen kleinen Möbeln zugestellt. Es wirkt wohnlicher. 

Die Umgestaltung kann die Trauer über den Auszug merklich lindern und bedeutet einen ersten Schritt der Zurückbleibenden, in einen neuen Alltag.