Der 19-jährige Alexander Schwarz aus Boltigen hat lange überlegt, was er seinem Onkel Willi Schwarz zu seinem 70. Geburtstag schenken könnte. «Letztes Jahr wurde mein Vater Hans 50 Jahre alt. Damals gingen wir mit 50 Treicheln z Bärg. Warum dieses Jahr nicht mit 70 Zügeltreicheln?», fragte er sich. 

Sofort stiess seine Idee nicht nur beim Vater, sondern auch bei der Alpgenossenschaft auf grosses Interesse. Onkel Willi habe erst zwei Tage vor dem Alpaufzug von seinem «Geschenk» erfahren und sich riesig darüber gefreut. Die vielen Zügeltreicheln hatte Alexander schnell beisammen. Das halbe Tal habe er dabei «leergeräumt». 

Die dritte Generation Alphirten

Am 13. Juni 2026 war es dann so weit: Auf der Vorweide oberhalb von Zweisimmen wurden die fremden Rinder und die eigenen 20 Kühe von Familie Schwarz mit Zügeltreicheln und Blumen geschmückt. Verladen in Camions ging es dann weiter in Richtung Lenk. «Früher liefen wir noch mit den Tieren», erinnert sich Willi Schwarz. Heute, bei diesem Verkehr, sei so eine Züglete unmöglich geworden.

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Seit drei Generationen ist Familie Schwarz auf der Iffigenalp als Hirten angestellt. Und die vierte Generation ist mit Alexander auch schon aufgegleist. Die Alp gehört seit gut 100 Jahren der Alpgenossenschaft Biglen im Emmental. Rund 200 Tiere, inklusive der Ziegen und Schweine, werden auf der Iffigenalp gesömmert.

Bis heute treu geblieben

Schon als Zehnjähriger ging Willi Schwarz 1966 mit seinen Eltern z Bärg. «Im Summer si mir hie obä nie i d Schuel. Im Herbscht hei mir viellech ä chli weniger guet chönne rächne», sagt er in breitem Oberländer Dialekt. Bis 2023 habe er die Iffigenalp mit seiner Familie betreut. Danach übergab er das Zepter seinem Bruder Hans und dessen Familie.

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Als Käser ist Willi Schwarz der Iffigenalp bis heute treu geblieben. Sein begehrter Alp- und Ziegenkäse wird vor Ort an die vielen Touristen verkauft. Mehrere hundert Kilogramm kommen jeweils bis zum Alpabzug Mitte September zusammen. Dass die Alphütte direkt neben einem Restaurant liegt, ist ein weiterer Vorteil für die Direktvermarktung. «Schon jetzt fragen die Leute nach dem Ziegenkäse», sagt Schwarz.

Er kenne das Gebiet mittlerweile in- und auswendig, fährt er fort. Und er erinnert daran, dass hier schon sein Vater und sein Grossvater Sennen waren.

Die geräumige Alphütte ist gut eingerichtet, der Stall bietet Platz für 90 Stück Vieh. Der 19-jährige Alexander Schwarz möchte später die Familientradition als Hirte weiterführen. «Äs git ifach nüt Schöners», sagt der umtriebige Junglandwirt, der kürzlich seine Lehre abgeschlossen hat.

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Die Tiere laufen zügig

Nun werden die Kühe und Rinder aus den Camions ausgeladen, zu Fuss geht es jetzt noch gut eine Stunde den Berg hinauf. Die 15 Ziegen marschieren vorneweg, gefolgt von den 20 Kühen und den 50 Rindern. Den langen Zügeltross hört man schon von weit her, das Echo tönt durch den Wald und das Tal hinauf. 

Viele Freunde und Bekannte wollen das Spektakel nicht verpassen. Zusammen mit den Wanderern säumen sie die Strasse und warten, bis der Alpaufzug kommt. Hier wird ein Fotoapparat gezückt und dort ein Handy aus der Tasche genommen. So einen Alpaufzug sieht man nicht jeden Frühling, der muss doch festgehalten werden.

Die Tiere laufen zügig, gönnen den Treibern keine Pause. Die älteren Kühe wissen, worum es geht, sie kennen den Weg, denn sie gehen nicht das erste Mal auf den Berg. Die Leitkuh schwingt ihre Treichel, mit erhobenem Kopf läuft sie die Strasse entlang. «So öppis git ifach Frödeträne», sagt Alexander Schwarz, während er den Kühen ruft.

 Er will diesen Sommer das erste Mal mit seinem Vater und seinem Onkel auf der Iffigenalp verbringen. Zusätzlich ist noch eine Sennerin angestellt. Die Kühe und die 150 Rinder werden fortan jeden Tag eingestallt. Man sei es so gewohnt, man mache es hier oben nicht anders.

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Lange Arbeitstage sind die Regel

«Die erste Woche ist ein wenig Rodeo», sagt Hans Schwarz und lacht beim Erzählen. Nachher würden sich die Tiere schnell daran gewöhnen und wüssten, wo ihre Läger und ihr Platz seien. «Vor allem die Laufstallrinder brauchen eine längere Betreuung», beobachtet der Landwirt. Nun ist der Zügeltross oben angekommen und die Alphütte ist auch schon in Sicht. Auf den Berggipfeln und an den Schattenhängen schimmert noch der Schnee, davor blüht bereits das Blumenmeer. 

Jetzt beginnt für Familie Schwarz das Älplerleben. Melken, Käsen, das Vieh betreuen – jeden Tag aufs Neue bis zum Alpabzug. Zudem muss die Familie noch ins Tal auf den Heimbetrieb nach Boltigen – Heuen und Emden gehören dazu. «Das ist immerhin eine 45-minütige Autofahrt», sagt Alexander Schwarz. Seit er aber die Familie bei der vielen Arbeit unterstützen könne, sei vieles einfacher als vorher. Auch seine Schwestern Jeannette und Fabienne sind vom Älplerleben fasziniert und in jeder freien Minute auf der Iffigenalp anzutreffen, um mit anzupacken.[IMG 6]

Seit 1923 ist die Iffigenalp im Besitz von Emmentaler Landwirten. Sie bringen jedes Jahr ihre Rinder dorthin z Bärg. Fritz Hofmann hat dies in der Jubiläumsschrift «100 Jahre Iffigenalpgenossenschaft Biglen» festgehalten. Zuvor gehörte die Alp dem reichen Deutschen Wilhelm Hildebrand. Dieser kaufte sie 1892 den Lenker Bauern ab. Er war ein Sohn eines schwerreichen Grossmüllers aus Sachsen-Anhalt. Sein Engagement für das Berner Oberland wurde belohnt: 1901 ernannte ihn Zweisimmen zum Ehrenbürger.

Eine stolze Summe

Noch lieber aber wäre es Wilhelm Hildebrand gewesen, wenn die Gemeinde Lenk ihm diese Ehre erwiesen hätte. Doch die Einheimischen winkten ab. Das war ihnen wohl doch zu viel des Guten. Als Hildebrand sich dazu entschloss, im hohen Alter die Alp zu verkaufen, kamen nicht die Lenker Bauern, sondern ein Sekundarlehrer, der in St. Stephan unterrichtete und ursprünglich aus Biglen kam, mit einigen seiner Gefolgsleute aus dem Emmental zum Zug.

Hildebrand verlangte die für damalige Zeiten schon sehr stolze Summe von 400 000 Franken. So viel wollten die Bigler aber nicht bezahlen. Also verhandelten sie – und waren wiederum erfolgreich: Am 19. Dezember 1923 unterzeichneten sie im Hotel Schweizerhof in Bern den Kaufvertrag. 

Die Alp wechselte für 375 000 Franken den Besitzer. Einen Tag später gingen die Lenker zu Hildebrand und wollten den Kaufvertrag rückgängig machen und ihm das Bürgerrecht verleihen. Doch Hildebrand winkte ab und liess sich nicht mehr umstimmen.

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