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75 Jahre Vertrauen zwischen der Bauern- und der Älplerfamilie

Seit mittlerweile 75 Jahren verbringen die Jungtiere der Familie Bisang aus dem luzernischen Kottwil den Alpsommer in der Stoos-Region. Die langjährige Verbindung zur Älpler-Familie Fassbind reicht bis ins Jahr 1952 zurück und besteht inzwischen über mehrere Generationen hinweg.

Der Schwyzer Martin Fassbind hatte zwar kein eigenes Vieh, dennoch war die Alpwirtschaft immer seine Leidenschaft. Nachdem er vorgängig schon im Mythen-Gebiet alpte, pachtete er 1952 von der Unterallmeind-Korporation Arth die Alp Oberes Frontal auf dem Stoos.

Auf der Suche nach geeigneten Rindern stiess er auf ein Zeitungsinserat der Viehzuchtgenossenschaft Nottwil und Umgebung. Diese suchte Alpplätze für das Jungvieh ihrer Mitglieder. In der Folge brachten über zehn Landwirtschaftsbetriebe ihre Tiere auf die Alp Oberes Frontal. Zu ihnen gehörte auch die Familie Bisang aus dem Luzernischen Kottwil.

Vierte Generation in den Startlöchern

Nachdem der im Jahr 1892 geborene Martin Fassbind die Alp Oberes Frontal sechs Sommer lang bewirtschaftet hatte, übernahm 1958 sein Sohn Xaver Fassbind die Verantwortung. Während 14 Jahren sömmerte er dort Vieh, bevor sich ihm 1973 eine neue Möglichkeit bot: Die nur rund 500 Meter entfernte und gutgräsige Alp Laui wurde frei.

Xaver Fassbind übernahm diese Alp und führte sie bis 1993. Seither kümmern sich Wisel und Bernadette Fassbind um den Betrieb auf der Laui, mittlerweile mit der Unterstützung ihres 30-jährigen Sohnes Ruedi und dessen Partnerin Maja Rohrer. Somit alpten die vier Generationen der Familie Fassbind bereits seit 75 Jahren im Stoos-Gebiet.

In dieser Zeit kam es infolge Betriebsaufgaben oder Umstellungen auch immer wieder zu Wechseln bei den Tierlieferanten. Einzige Ausnahme ist die Familie Bisang: Sie brachte ihr Vieh heuer zum 75. Mal auf die Laui-Alp.

75 Jahre Vertrauen zwischen der Bauern- und der Älplerfamilie
Die Familie Bisang (im Edelweisshemd) und die Familie Fassbind arbeiten schon seit 75 Jahren zusammen.

Schulurlaub für Alpauftrieb

Die Jungtiere der Familie Bisang kommen heute per Kleinlastwagen auf den Stoos und laufen die Strecke von der Alp Teufböni bis zur Alp Laui zu Fuss. «Dies war früher noch ganz anders», erinnert sich der Betriebsleiter Ferdi Bisang.

«Mein Vater verlud die Rinder anfänglich noch in Wauwil auf die Bahn. Nach der Ankunft in Seewen ging es für Mensch und Tier zu Fuss über das Nägelisgärtli und durch den Stooswald hinauf zur Alp», erzählt der 62-Jährige. Für ihn selbst war der diesjährige Auftrieb bereits das 50. Mal. «Als Bueb musste ich jeweils in der Schule Urlaub beantragen, damit ich meinen Vater begleiten konnte.»

Erst nachts auf der Alp eingetroffen

In den über sieben Jahrzehnten habe es auch immer wieder besondere Erlebnisse gegeben. So erinnert sich Ferdi Bisang an einen Vorfall, bei dem die SBB versehentlich die Waggons mit den Tieren vertauschte.

Statt in Seewen anzukommen, fuhren die für den Stoos bestimmten Rinder zunächst in Richtung Graubünden. Erst am späten Nachmittag trafen die Tiere schliesslich am Bahnhof Seewen ein.

Da anschliessend noch die rund 15 Kilometer lange Strecke mit etwa 1200 Höhenmetern bis zur Alp Laui zurückgelegt werden musste, erreichten Mensch und Tier ihr Ziel erst nach Einbruch der Dunkelheit.

Ein tiefes Vertrauensverhältnis zwischen Älpler und Bauer

Die jahrzehntelange Zusammenarbeit hat zwischen den beiden Familien ein enges Vertrauensverhältnis entstehen lassen. «Wir wissen, dass unsere Tiere auf der Alp bestens betreut werden. Zudem kehren sie dank der guten Weiden jeden Herbst in hervorragendem Zustand zurück», sagt Ferdi Bisang.

Aus der langjährigen Zusammenarbeit sei längst eine Freundschaft geworden. Das bestätigt auch Wisel Fassbind: «Nicht nur die Tiere sind uns ans Herz gewachsen. Auch mit der Familie Bisang verbindet uns heute eine tiefe Verbundenheit.»

Alp Laui auf dem Stoos

Wisel und Bernadette Fassbind betreuen auf der auf 1600 m ü. M. gelegenen Alp Laui mit der Unterstützung von Sohn Ruedi und dessen Partnerin Maja Rohrer rund 20 Kühe, 20 Stück Jungvieh und eine farbige Ziegenherde. Die Alpgebäude wurden 1995 neu erstellt, dabei wurde auch in eine Alpkäserei investiert. Neben der eigenen Milch wird auch diejenige von zwei Nachbaralpen verarbeitet. Käser Ruedi Fassbind produziert Alpkäse, Alp-Mutschli und Rohmilch-Raclette, pro Sommer 5,5 Tonnen Käse. Dazu kommt auch noch Alpbutter. Neben der Käseproduktion und der Tierbetreuung ist die Alpwirtschaft ein sehr wichtiger Betriebszweig. Die Alpwirtschaft Laui ist neben diversen warmen und kalten Speisen vor allem für ihre «Laui Chässchnitte» bekannt.

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