Die Schweizer Eierbranche ist seit diesem Jahr komplett aus dem Kükentöten ausgestiegen. Die konventionelle Eierbranche führte Anfang 2025 die In-Ovo-Technologie, die Geschlechtsbestimmung im Ei, ein. Die Biobranche hingegen erarbeitete die Bruderhahnaufzucht als Lösung: Seit dem 1. Januar 2026 werden im Biobereich alle Bruderhähne aufgezogen, jährlich sind das 630 000 Tiere.

«Dies geschieht zu einem grossen Teil in Ställen, die bisher nur für die Aufzucht der Legehennen genutzt wurden. Da in der Bio-Eierproduktion die Legehennen zunehmend länger gehalten werden, braucht es weniger Hennen, die nachgezogen werden müssen und diese Kapazitäten können für die Aufzucht der Hähne genutzt werden. Ein Teil der Bruderhähne wird aber auch auf Betrieben aufgezogen, die bislang Mastpoulets gehalten haben», schreibt Bio Suisse. Die Mindesthaltungsdauer beträgt bei den Bio-Bruderhähnen wie bei den Bio-Mastpoulets mindestens 63 Tage.

Auf dem Schütz-Hof in Strengelbach AG (siehe Betriebsspiegel und Box) werden die Bruderhähne rund 13 Wochen gehalten. «Da wir die Bruderhähne nicht verarbeiten, sondern ganze Stücke verkaufen, brauchen wir eine etwas längere Haltungsdauer. So haben wir ‹gute Stücke› für den Verkauf. Mit der Mindesthaltungsdauer sind die Tiere noch sehr leicht und die Fleischstücke eignen sich weniger, um sie als Einzelteile zu verkaufen», erklärt Betriebsleiter Markus Schütz.

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Die Frage nach dem Zweinutzungshuhn

Eine weitere Rahmenbedingung, die mit der Aufzucht aller männlichen Küken eingeführt wurde, bezieht sich auf die Wahl der Legelinien und -rassen: «Bei der Wahl der Rassen oder Linien müssen Zweinutzungstypen und an den Biolandbau angepasste Linien oder Rassen bevorzugt werden», steht in den Richtlinien von Bio Suisse.

Demnach werden keine weiteren Rahmenbedingungen festgelegt, die eine stärkere Lenkung oder Anreize in Richtung Zweinutzungshuhn bewirken, wie Bio Suisse schreibt. Das oberste Ziel sei die Aufzucht aller Küken ab 2026.

Bio Suisse macht zudem Einschränkungen bezüglich der Wahl der einsetzbaren Legehybriden: So dürfen die intensivsten Linien wie etwa die Legehybriden Lohmann Silver und Dekalb White seit 2026 auf Knospe-Betrieben nicht mehr frisch eingestallt werden.

Höhere Eierpreise durch die Bruderhahnaufzucht

Abo Was brauchen die Brüder? Aufzucht oder Mast? Die korrekte Haltung von Bruderhähnen sorgt in der Praxis für Diskussionen Donnerstag, 22. Januar 2026 Wegen der zusätzlichen Kosten, die durch die Aufzucht der Bruderhähne entstehen, kostet eine Bio-Junghenne 15 bis 17 Franken mehr. Die Kosten entstehen in der Bruderhahnaufzucht durch erhöhte Futterkosten aufgrund des langsameren Wachstums sowie durch Fixkosten für Stallplätze (geringere Flächeneffizienz und höhere Amortisationskosten). Diese Mehrkosten werden über das Ei rückvergütet, so entsteht ein Preisaufschlag von rund 5 Rappen pro Bio-Ei. Direktvermarkter können selbst entscheiden, ob und um welchen Betrag sie die Eierpreise erhöhen.

Zudem wird bei Bio-Legehennen auf Braunleger gesetzt, weil deren Hähne mehr Fleisch ansetzen. So werden Bio-Eier im Detailhandel mittelfristig nur noch in Beige bis Braun angeboten. Trotzdem wird es durch direktvermarktende Betriebe, die weisslegende Rassehühner halten, weiterhin weisse Eier in Bioqualität geben. Dies dürfte künftig aber die Ausnahme sein.

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Fleisch kann frisch oder verarbeitet vermarktet werden

Bruderhähne haben einen höheren Bewegungsdrang und deshalb eine andere Muskulatur als Mastpoulets; zudem wachsen sie langsamer. Das Fleisch von Bruderhähnen ist in der Regel etwas fester und aromatischer als das von Mastpoulets. «Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, Bruderhahnfleisch zu verarbeiten und zu vermarkten. Vom ganzen Hahn über Teilstücke bis hin zu stärker verarbeiteten Produkten wie Wurstwaren, Charcuterie, Fleischkäse oder Nuggets. Je nach Verkaufskanal werden unterschiedliche Produkte angeboten», schreibt Bio Suisse. Frischfleisch wird meist direkt ab Hof verkauft, im Detailhandel ist Bruderhahnfleisch ausschliesslich in verarbeiteter Form zu finden.

Nun gilt es, die KonsumentInnen zu sensibilisieren. Dies zum Beispiel, indem Produkte wie Eier und Fleisch, bei deren Produktion keine männlichen Küken getötet worden sind, speziell gekennzeichnet sind. Bio Suisse verweist zudem auf den Kreislauf von Ei, Henne und Hahn: «Wer regelmässig Eier isst, sollte pro Jahr bestenfalls auch ein Suppenhuhn und einen Bruderhahn kaufen.»

Betriebsspiegel Schütz-Hof

Markus und Barbara Schütz, Strengelbach AG

LN: 60 ha
Kulturen: Gemüse- und Ackerbau, Natur- und Kunstwiesen
Tierbestand: 4000 Legehennen. Abwechselnd 2000 Junghennen und 2000 Bruderhähne
Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung, Gemüsebau
Arbeitskräfte: Markus und Barbara Schütz, drei Festangestellte, Teilzeitangestellte im Hofladen und zusätzlich saisonale Arbeitskräfte im Gemüsebau

www.schuetz-hof.ch
www.güggelglück.ch


Bruderhahnfleisch direkt vermarkten

Auf dem Schütz-Hof in Strengelbach AG ziehen Markus und Barbara Schütz bereits seit dem Jahr 2022 Bruderhähne auf. Sie starteten frühzeitig mit der Aufzucht, um den Kunden ihren Weg aufzuzeigen und den Markt aufzubauen. Auf dem Betrieb werden abwechselnd 2000 Junghennen und 2000 Bruder-hähne gehalten.

Vermarkten Sie das gesamte Fleisch selber?

Markus Schütz: Ja, wir vermarkten das Fleisch selber. Mit «Güggelglück» haben wir für den Verkauf auch extra ein eigenes Logo kreiert. Wir haben viel Aufklärungsarbeit geleistet. Uns ist es wichtig, dass der Kunde das Bruderhahnfleisch bewusst konsumiert. Es hat eine eigene Geschichte und auch einen eigenen Wert. Die Hähne leben auf unseren Höfen und wir Bauern kümmern uns um die Tiere. Der Bruderhahn hat einen Wert und der Kunde soll das Fleisch entsprechend bezahlen.

Über welche Kanäle vermarkten Sie das Fleisch?

Das Fleisch wird fast ausschliesslich über unseren Hofladen verkauft. Schon seit Langem verkaufen wir das gesamte Hennenfleisch selber. Auch da haben wir viel Aufklärungsarbeit geleistet. Der Kunde erkennt unsere Leistung und diesen Wert. Die gleiche Aufgabe haben wir nun beim Bruderhahnfleisch.

In welcher Form vermarkten Sie das Fleisch und bei welchen Produkten ist die Nachfrage am höchsten?

Wir verkaufen alles in Einzelstücken (Brustfleisch, Schenkelsteak, Schenkel ganz, Drumsticks usw.) und auch ganze Bruderhähne. Das Bruderhahnfleisch wird nicht zu Burgern oder Würsten verarbeitet. Dies machen wir nur mit dem Hennenfleisch. Bruderhahnfleisch ist uns zu «wertvoll», um es zu verarbeiten. Sehr beliebt sind Produkte ohne Knochen wie Brustfleisch und Schenkelsteak.

Wie können Sie neue Kund(innen) gewinnen?

Wir haben immer wieder Berichte in der lokalen Presse. Zudem veranstalten wir regelmässig ein Hühnersuppenfest und nun auch ein Güggeli-Fest. Diese Massnahmen unterstützen uns dabei, neue Kunden zu gewinnen.

Was sind die wichtigsten Chancen und Herausforderungen bei der Aufzucht?

Für uns hat es eigentlich nie grosse Herausforderungen gegeben. Wir kannten die Aufzucht von den Hennen her, somit klappte es für uns seit Beginn sehr gut. Die Aufzucht der Bruderhähne hat aus Marktsicht natürlich auch Chancen. Wir haben ein «Poulet», das fliegt, lebhaft ist und gerne auf der Weide herumrennt. Dies wird von einigen Kunden sehr geschätzt. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Bruderhahn auch Kunden bedienen können, die sonst kein Pouletfleisch mehr essen. Zudem kostet das Bio-Ei wegen der Aufzucht von Bruderhähnen mehr. Es ist wichtig, dass wir dem Konsumenten den Bruderhahn zeigen und somit auch den Mehrwert des Bio-Eis erklären können.