Viele Pouletmäster halten sich nicht an die Vorgaben des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, wenn um das fachgerechte Töten kranker oder verletzter Tiere geht – So lautet der Vorwurf der Tierrechts-Organisation Tier im Fokus (Tif). Der Verein hat eine Petition gestartet, um «das Problem an der Wurzel zu packen» und «Qualzuchten» zu stoppen. Das Vorgehen stösst beim Schweizer Bauernverband und Proviande auf Ablehnung, denn der oder die betroffenen Betrieb(e), wo mit verdeckter Kamera Beweismaterial gesammelt worden ist, werden nicht angezeigt.

Quellenschutz vor «mächtiger Fleischlobby»

Im Interview mit dem Newsportal Nau.ch erklärt Tif-Präsident Tobias Sennhauser, er würde diese Bauern sofort anzeigen. Sie würden wegen mehrfacher Tierquälerei verurteilt, ist er sich sicher. Um seine Quellen zu schützen, könne er aber keine Anzeige machen, denn «Wie die Erfahrung zeigt, werden jene Leute, die Missstände aufdecken, systematisch verfolgt und mit Strafverfahren eingedeckt», zitiert Nau. Die mächtige Fleischlobby tute alles, um ihre Kritiker mundtot zu machen. 

Auf Twitter reagiert der Schweizer Bauernverband (SBV) empört auf die Lancierung der Petition:

Auch gegenüber Nau bekräftigt Sandra Helfenstein vom SBV , alle Hühnerhalter würden die Vorgaben kennen. Wer es anders mache, wisse, dass er gegen ein Gesetzt verstösst und müsse angezeigt werden. 

«Eine faule Ausrede»

Als Vertreterin der «mächtigen Fleischlobby» meldet sich nun die Branchenorganisation Proviande mit einer Mitteilung zu Wort. Sennhausers Aussage sei eine faule Ausrede und Hohn für alle, die sich für die Durchsetzung der hohen Schweizer Tierschutzstandards einsetzen. 

Für ebensolche Fälle gebe es die neue Ombudsstelle Tierwohl, bei der auch Tierschutzaktivisten vermutete Verstösse anonym melden können. 

Den Fokus verloren

Aus Sicht von Proviande hat der Tif seinen Fokus verloren. Das zeige die Verwendung des populistischen Ausdrucks der «mächtigen Fleischlobby». Statt auf das Tierwohl, lege der Verein seinen Fokus auf sich selbst und wolle mit den veröffentlichten Aufnahmen den Konsumentinnen und Konsumenten Probleme in der Nutztierhaltung aufzeigen. Zwar sei die Konsumenteninformation wichtig – in einem solchen Fall gehe es aber in erster Linie darum, das Tierwohl durchzusetzen. Nun hoffe man, dass der Tif von der Ombudsstelle Tierwohl Gebrauch macht. 

Es wird keine Anzeige geben

Tif-Präsident Tobias Sennhauser bleibt dabei, dass es keine Anzeige geben wird – auch nicht via die Ombudsstelle von Proviande. «Ich halte nichts von dieser Selbsthilfegruppe», meint er auf Anfrage der BauernZeitung. Seiner Meinung nach dient diese Stelle primär dazu, die Probleme unter dem Deckel zu halten. «Das Veterinäramt könnten wir auch selber informieren», bekräftigt Sennhauser. 

Der Quellenschutz sei dem Tif wichtiger als die Reichweite der Kampagne. Diese würde, davon in Tobias Sennhauser überzeugt, von Strafanzeigen profitieren.