Im Kanton Thurgau liegt der Eintrag von Ammoniak (NH3) mit 51 kg N/ha pro Jahr deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt von 37,2 kg N/ha. «90 Prozent des emittierten Ammoniaks stammen aus der Landwirtschaft», stellte Sebastian Menzel an einem Medienanlass in Hagenwil Mitte Oktober 2025 fest. Der Leiter Direktzahlung des kantonalen Landwirtschaftsamtes erläuterte die Zusammenhänge: Der Thurgau mit seinen rund 2300 Landwirtschaftsbetrieben und 49 000 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche verfügt über eine besonders hohe Tierhaltungsdichte.

Vor diesem Hintergrund hat der Kanton laut Menzel eine Vorreiterrolle übernommen und im Jahr 2020 die Erarbeitung eines Massnahmenplans Ammoniak 2021-2030 in Auftrag gegeben. Dieser hat zum Ziel, die Ammoniak-Emissionen bis ins Jahr 2030 gegenüber dem Referenzjahr 2015 um mindestens 18 Prozent zu reduzieren. Der Plan umfasst insgesamt 12 Massnahmen mit unterschiedlichen Wirkungsgraden.

Ammoniakreduktion bei der Ausbringung von Gülle

Abo Nicht nur Schweine, sondern auch Kühe können proteinreduziert gefüttert werden, damit deren Klimabilanz besser ausfällt. Forschung im Rindviehbereich «Eine Reduktion der Ammoniak-Emissionen um 10 % scheint realistisch» Freitag, 20. Mai 2022 «An oberster Stelle steht dabei die emissionsarme Ausbringung von Gülle», hielt Menzel fest. Allein mit dieser Massnahme lasse sich eine 6-8-prozentige Ammoniak-Reduktion erwirken. Daher führte der Kanton Thurgau bereits ab 2022 eine Schleppschlauchpflicht ein (schweizweit ab 2024). Dabei wurden Ausnahmen definiert, etwa bei Flächen mit Baumbestand. Wer zusätzlich emissionsmindernde Techniken wie Schleppschuh oder Gülledrill verwendet, erhält pro Gabe einen Zusatzbeitrag von zehn Franken pro Hektar. So erhalten rund 320 Thurgauer Betriebe insgesamt rund 175 000 Franken. Hilfreich ist zudem, dass im Agradatensystem LAGIS ersichtlich ist, ob auf einer bestimmten Parzelle eine Pflicht zur emissionsmindernden Gülleausbringung besteht oder ob die Fläche davon befreit ist.  

Weitere Massnahmen sind unter anderem die schnelle Einarbeitung von Mist von Rindvieh, Schweinen und Geflügel auf unbestellten Ackerflächen, die stickstoffangepasste Fütterung von Milchvieh und Schweinen, bauliche Massnahmen bei Rindvieh-Laufställen sowie die feste Abdeckung von Güllelägern. Menzel äusserte sich zufrieden mit der bisherigen Umsetzung des Massnahmenplans: «Letztes Jahr zeigte eine Erfolgskontrolle, dass die Thurgauer Landwirtschaft damit gut bis sehr gut auf Kurs ist».

Es fehlt an Auswahlmöglichkeiten

Einige der Massnahmen betreffen Um- und Neubauten von Stallgebäuden und beinhalten klare Vorgaben. Gefragt ist Planungshilfe: Dazu können sich betroffene Landwirt(innen) an Kilian Appert, Berater am Arenenberg, wenden. Der Baucoach ist für den Wissenstransfer zuständig. «Nicht jedoch für den Vollzug der Massnahmen», wie Appert am Medienanlass betonte. Er könne lediglich Pläne beurteilen und Empfehlungen abgeben. Herausfordernd sei etwa, dass es Bauherren aktuell an Auswahlmöglichkeiten fehle. So würden nur bestimmte Produkte als emissionsmindernd anerkannt, nicht jedoch Alternativen, bei denen es noch an den entsprechenden Messungen fehlt.

So wurde kürzlich im kantonalen Emissions-Versuchsstall in Tänikon die Spaltenmatte Espaflex, die ammoniakreduzierende Eigenschaften aufweist, eingebaut. «Resultate sind in etwa anderthalb Jahren zu erwarten», sagte der Berater. «Doch für Landwirte, die jetzt einen Stall planen, ist es dann zu spät.» Appert wies zudem darauf hin, dass sich Investitionen für die Ammoniak-Emissionen nicht auf höhere Produktpreise abwälzen lassen. «Zudem besteht häufig ein Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Ammoniakreduktion», so der Thurgauer weiter. Ein Beispiel dazu: Der Laufstall sei tierfreundlicher, der Anbindestall mit weniger Fläche dagegen emissionsärmer.

Weniger Emissionen mit dem neuen Milchviehstall
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Gastgeber des Medienanlasses zur Ammoniakreduktion im Kanton Thurgau war Felix Würth. Zusammen mit seiner Frau Rafaela bewirtschaftet er in Hagenwil einen 42- ha-Landwirtschaftsbetrieb mit rund 70 Milchkühen – vorwiegend Holstein –, 25 Rindern und etwa ebenso vielen Aufzuchtkälbern. Dazu kommen 150 Zuchtschweine mit je 50 Remonten und Mastschweinen. 2018 begann das Betriebsleiterpaar, einen neuen Milchviehstall zu planen. «Es folgte ein lange Bewilligungsphase mit zahlreichen Hürden», so Felix Würth. 2024 konnte der Bau schliesslich eingeweiht werden. Dabei hat der Agrotechniker und Berufsschullehrer eine Reihe emissionsmindernder Massnahmen umgesetzt. Zum Beispiel einen erhöhten Fressstand: Die Kühe stehen etwas erhöht an der Fressachse, damit Kot und Harn hauptsächlich auf den Laufgang fallen, wo das Gemisch vom Mistroboter entfernt wird. «Auch sind die Tiere dadurch sauberer», sagte Würth. Zudem ist der Mistroboter so ausgerüstet, dass er die Oberflächen im Laufbereich regelmässig mit Wasser besprüht. Ausserdem setzt Würth auf Schleppfix und Schleppschuh, was bei der Gülleausbringung besonders emissionsvermindernd wirkt. Weiter will der Thurgauer demnächst den Schweinestall um einen Luftwäscher erweitern.