Auf dem Hasihof im bernischen Münchenbuchsee macht der Betriebsleiter, Hans «Hasi» Strahm, fast alles ohne fremde Hilfe. Eine Ausnahme bilden die schulpflichtigen Kinder. Strahm sagt, dass er den Kindern das «Bure» beibringe. Und dies schon seit vielen Jahrzehnten, bestätigten auch einige ältere «Buchseer und Buchseerinnen». Dies sei der gerechten Entlohnung für die verschiedenen Aufgaben geschuldet, die die Kinder auf dem Hof erledigen. «Einen Stutz pro Blacke gibt es bei mir», so der Biolandwirt.
Silofütterung kommt nicht in Frage
Von den 38 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche pachtet Strahm deren 5. Er produziere als Futter für seine Tiere ausschliesslich Heu. Der Stall verfügt über einen 80 Kubikmeter grossen Heustock mit Heubelüftung. «Deshalb kommt die Silofütterung aufgrund der Lagerung für mich nicht in Frage», erklärt Hasi Strahm. Eher würde er das Futter der Unterwelt, sprich den Bodenlebewesen, zukommen lassen. Auf den restlichen Ackerflächen baut er Körnermais und Brotgetreide an.
Hasi Strahms neunjähriger Stall ist 70 Meter lang. Der Stall wurde von der Firma Zaugg aus Rohrbach gebaut. Darin hält er Mutterkühe der Rasse Aubrac. «Derzeit habe ich 64 Tiere im Stall, vorwiegend Mutterkühe, aber auch Kälber, Ochsen und einen Stier», so der Landwirt.
«Das Tier muss keine Todesangst haben.»
Hasi Strahm über die Weidetötung.
Dank einer Trocknungsanlage und einem Heukran kann Strahm die Tiere ohne grossen Kraftaufwand füttern. Auch die Mistschieber innerhalb und ausserhalb des Stalls sind automatisiert.
Fleisch vom Automaten
Hasi Strahm vermarktet einen Teil seines Fleischs durch einen Automaten ab Hof. Im Sortiment gibt es unter anderem Hamburger (halb Rind / halb Schwein), und Bratwürste. Zusätzlich möchte er Fleischpakete à 6 kg mit Plätzli und einem Bratenstück anbieten. Hauptabnehmer ist die psychiatrische Klinik in Münchenbuchsee, diese beliefert er zirka alle zwei Wochen, mit unterschiedlichen Fleischstücken.

«Zukünftig möchte ich Weidetötung durchführen», sagt Hasi Strahm. Die Weidetötung sei eine stressfreiere Methode, die Tiere zu erlegen. Es würde alles sehr schnell gehen: «Kopfschuss, dann Aufhängen am Kran und Stechen, alles ohne Stress für Tier und Halter», so Strahm. Der ganze Prozess sei nun am Laufen, er hofft, ihn ab Anfang 2023 regelkonform durchführen zu können.
Kastration neugeborener Kälber durch Gummiring
«Meine Tiere sind draussen geboren, leben den grössten Teil des Jahres dort und werden nur in den Wintermonaten in den Laufstall geholt», sagt Hasi Strahm. Weil die Tiere diese Freiheit gewohnt sind, ist es in der Vergangenheit zu Problemen beim Kastrieren und Schlachten gekommen. Die Tiere seien zunehmend in Stress geraten.
Da er mit dem Kastrieren der Rinder nach sechs Monaten schlechte Erfahrungen gemacht hat und Tiere dabei gestorben sind, macht er zukünftig nur noch Gummiringkastration bei neugeborenen Kälbern. Dies sei eine kurze Prozedur, betont der Betriebsleiter: «Zuerst wird getauft, dann geküsst, die Ohrmarke gesetzt und zum Ende kastriert die Tierärztin.» Die weiblichen Tiere ziehe er für Zuchtzwecke nach. Die Munis würden geschlachtet.
Versorgung mit Strom und Wasser garantieren
Eine weitere Einnahmequelle für den Biobauer ist neben der Mutterkuhhaltung die Produktion von Ökostrom. Auf der Dachfläche des Stalls sind 3000 m² Solarzellen verbaut, diese produzieren 500'000 Kilowatt Strom. Dies entspricht dem jährlichen Verbrauch von 100 Haushalten.

Zusätzlich zur Stromproduktion fängt das Dach Regenwasser auf. «Es gibt einen Kampf um das Wasser in der Zukunft», ist Hasi Strahm überzeugt. Deshalb habe er alles Mögliche beim Stallbau mit eingeplant, so auch die zukünftige Wasserversorgung des Hofes. Ergänzend zum 200 qm³ grossen Regenwassertank hat Strahm deshalb einen eigenen Brunnen gebohrt.
Hans Strahm hat den einstigen Milchbetrieb als Nachfolger von seinem Vater übernommen. Zu Grossvaters Zeiten war er noch im Dorfkern angesiedelt. «Die Käserei war der Treffpunkt der Bauern aus Münchenbuchsee, sie kamen damals sogar noch mit Pferden und Handkarren voller Milch», erinnert sich Strahm.
Bio-Betrieb seit 1988
«Bereits 1988 haben wir beschlossen, auf Bio umzustellen», führt Hasi Strahm aus. Das sei zu dieser Zeit ungewöhnlich und für die Käserei nicht so einfach gewesen. «Diese war dazumal an die Intermilch AG, heute Cremo, vertraglich gebunden.» Schliesslich habe die Familie, zusammen mit dem Käser, ein eigenes Mutschli kreiert, sagt der Besitzer des Hasihofs stolz.
Aus dem Dorf «gezügelt»
Die Tierhaltung im Inneren des Dorfes sei dann irgendwann immer schwieriger geworden, sein damaliges Milchvieh der Rasse Red Holstein habe keinen Auslauf mehr gehabt. Der Druck zum Umzug seitens Gemeinde und Bevölkerung sei zudem gewachsen. «Im Jahr 2009 war dann die Abstimmung über die Einzonung meiner Flächen», meint Strahm. Er sei immer für die Meinung des Volkes gewesen, deshalb sei jede Entscheidung für ihn tragbar.
Nachdem er von der Gemeinde für die Einzonung seiner Flächen ausbezahlt worden sei, hätten sich verschiedene Möglichkeiten angeboten; auch die Möglichkeit, nicht mehr bäuerlich zu wirtschaften. Jedoch habe er sich bewusst für die Landwirtschaft entschieden. «Ich will ‹bure›, damals wie heute», sagt Hasi Strahm entschlossen. Etwas ausserhalb von Münchenbuchsee am Hirzenfeldweg wurden dann ein neuer Stall und ein neues Wohnhaus gebaut.
Hofnachfolge ist gesichert
Die Hofnachfolge sei für die meisten ein schwieriges Thema, sagt Strahm. Eines seiner vier Kinder habe bereits Interesse an der Nachfolge des Hofes gezeigt.
Hasihof Münchenbuchsee
Name: Hasi Strahm Ort: Münchenbuchsee BE LN: 38 ha (davon 5 ha in Pacht) Viehbestand: 64 Tiere der Rasse Aubrac, davon 25 Mutterkühe. 4 Schweine und 5 Hühner

