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Fritz Kobel verfüttert Produktionsreste aus der Malzherstellung an seine Milchkühe

Im aargauischen Möriken-Wildegg wurde die erste Mälzerei der Schweiz errichtet. Bei der Produktion von Malz fallen als Nebenerzeugnis Malzkeime an, die an Bauern in der Region als Futtermittel zu einem günstigen Preis verkauft werden. Fritz Kobel ist einer der Landwirte und kann diesen proteinreichen Futterzusatz gut gebrauchen. Denn sein Grundfutter enthält nur wenig Protein.

Vor genau 40 Jahren wurde der Emmentaler Fritz Kobel in den Aargau geführt. Genauer gesagt nach Au-Veltheim, wo die Türme der Zementfabrik im Industriegebiet Möriken-Wild­egg nur unschwer zu ignorieren sind. Nach neun Jahren im Angestelltenverhältnis ergriff der Landwirt die Chance, den Hof seines ehemaligen Arbeitgebers zu übernehmen, als dieser keinen Nachfolger fand.

Aufgrund der dörflichen Lage hatte der Stall dazumal nur begrenzt Platz für sechs bis sieben Kühe, «das war früher auch eine häufige Situation im Aargau», blickt Kobel zurück. Um aber sein Ziel der Weidehaltung zu erfüllen, wurde 1993 – nur 300 m vom alten Standort entfernt – ein neuer Boxenlaufstall mit Futterlager auf dem Feld errichtet. Dort haben heute seine 20 Holsteinkühe für die Milchproduktion Platz. Zudem stehen 30 Plätze für die Mast und Aufzucht zur Verfügung. Fünf Schläge Weideflächen befinden sich in unmittelbarer Umgebung des Stalls.

«Sonst wird die Gerste immer in Deutschland gemälzt.»

Fritz Kobel begrüsst den Bau der Schweizer Mälzerei.

Gefüttert werden u. a. Mais- und Grassilage sowie Zuckerrübenschnitzel. Zudem fügt er getrocknete Malzkeime dem Grundfutter bei, diese entstehen als Nebenerzeugnis aus der Malzherstellung im erwähnten Industriegebiet und sind nicht mit Malz zu verwechseln. Dort hat die erste Schweizer Mälzerei ihre Anlagen in Betrieb genommen.

Der Kreislauf schliesst sich

Ein Jahr zuvor ist Fritz Kobel zu Ohren gekommen, dass die Mälzerei auf der anderen Uferseite der Aare gebaut wird. Damals bewirtschaftete er noch das Pachtland in diesem Industriegebiet. «Vor dem Bau wurdedie produzierte Gerste nach Deutschland in die Mälzereien transportiert, dort aufbereitet und für die Bierherstellung wieder in die Schweiz importiert. Investor Christoph Nyfeler sah keinen Sinn darin. Deshalb liess er die Mälzerei bauen», berichtet der Landwirt. Auch seine Braugerste wird nach Möriken-Wildegg geliefert. Die Malzkeime, die aus dem Malzprozess entstehen, verfüttert Kobel an seine Kühe. «So schliesst sich der Kreislauf wieder», betont er.

Malzprozess

Malzkeime sind ein Nebenprodukt der Malzherstellung. Die Braugerste wird in der Mälzerei gereinigt und für 24 Stunden im Wasser eingeweicht. In der Dorrtrommel keimen die Körner während drei Tagen bei regulierter Wärme, auf Darren werden sie anschliessend getrocknet. Es entsteht das Darrmalz, von dem in einer Malzputzmaschine die Keimlinge abgetrennt werden. Die Malzkeime werden an Bauern abgegeben, das Braumalz wird in die Brauerei transportiert. Bei der Bierherstellung fällt Malztreber (Malz) als Nebenprodukt an. Es wird frisch, feuchtkonserviert oder getrocknet als Futtermittel angeboten. Es ist ebenso ein eiweissreiches Ergänzungsfutter. Frisch hält es allerdings nur wenige Tage, im silierten Zustand mehrere Monate.

Ein sehr proteinreicher Zusatz

Malzkeime zeichnen sich durch ihren hohen Anteil an Rohprotein (zirka 27 %) aus und haben eine positive Wirkung auf den Verdauungsprozess. Für Kobels Tiere sind sie eine willkommene Alternative zu Maiskleber. «Mein Grundfutter hat immer etwas zu wenig Protein, obwohl darin proteinreiche Luzerne enthalten ist. Vergangenes Jahr war der Eiweissgehalt besonders tief wegen des vielen Regens», konstatiert er. Auf das Zufüttern von Soja muss und will Kobel verzichten, weil es zum einen bei der Produktion von Wiesenmilch nicht erlaubt ist und zum anderen viel in Brasilien angebaut wird. Rapsschrot ist eine Möglichkeit, «jedoch ist die Einsatzmenge beschränkt, da es hauptsächlich im Pansen verfügbar ist», weiss der Landwirt.

Fritz Kobel verfüttert Produktionsreste aus der Malzherstellung an seine Milchkühe
Im Boxenlaufstall werden 20 Milchkühe der Rasse Holstein gehalten.

1,2 kg Malzkeime pro Tag und Tier

Seine 20 Milch- sowie 30 Stück Jung- und Mastvieh Holstein (Holstein × Limousin, Holstein × Charolais) fressen die Malzkeime mit grossem Appetit. Aus einem Eimer streut Fritz Kobel die Malzkeime dem Grundfutter zu, was aus 50 % Grassilage, 25 % Maissilage, 10 % Zuckerrübenschnitzeln sowie 15 % Heu oder Emd pro Tag besteht. Ein Anteil von Luzerne in der Grassilage (zirka 25 %) wird ebenfalls für die Struktur beigemengt, welche das Wiederkäuen anregt. «Hans kann normalerweise bei der Fütterung mithelfen.» Der 57-Jährige kam mit einer Einschränkung und stark verschuldet zu den Kobels und fand hier wieder ein Heim und eine Aufgabe: «Er hilft bei allem mit, was er kann und findet so wieder eine Struktur im Alltag», erzählt der sozial engagierte Landwirt.

«Meine Rinder fressen die Malzkeime mit grossem Appetit.»

Von den Malzkeimen erhalten die Mastrinder täglich 1 kg pro Tier, die Milchkühe 1,2 kg. Gegen Ende der Laktation reduziert Kobel die Menge an Malzkeimen in der Ration je nach Tagesmilchleistung – diese liegt bei durchschnittlich 30 bis 35 kg Milch. Seine Galtkühe benötigen nicht die extra Portion Eiweiss, «mit dem Grundfutter erhalten sie bereits genügend Nährstoffe, sonst verfetten sie», begründet er.

Länger haltbar als Malz

Alle paar Wochen holt Fritz Kobel eine Tonne Malzkeime in 300-kg- bis 400-kg-Big-Bags direkt bei der Mälzerei ab. Weil Malzkeime mit einem TS von 90 % sehr trocken sind, können diese ohne Probleme für ein paar Wochen an einem trockenen Ort gelagert werden – frisches Malz dagegen ist nur einsiliert haltbar. «Auf Mäuse und Getreideschädlinge sollte man achten», empfiehlt der Landwirt. Im Moment erhält Kobel die Malzkeime noch zu einem fairen Preis.

Fritz Kobel verfüttert Produktionsreste aus der Malzherstellung an seine Milchkühe
Die Mastmunis werden mit 12 bis 12,5 Monaten geschlachtet, Mastrinder mit 15 Monaten.

Leistung wird nicht beeinträchtigt

Auf die Frage, ob sich die Milchleistung seiner Kühe durch die Zufütterung von Malzkeimen verändert hätte, sagt er: «Sie ist gleich geblieben bei durchschnittlich 11 000 kg Milch. Wir ersetzen ja nur den Maiskleber.» Die letzte Milchprobe habe zudem eine Keimzahl von 9000 und eine Zellzahl von 76 000 pro Milliliter Milch ergeben. Der Fett­gehalt liege bei 4,3 %, der Proteingehalt bei 3,24 %. Das Milch­leistungspotenzial im Grundfutter beträgt 25 bis 35 kg je nach Tier. Um die Kühe mit einer Milchleistung von 11 000 kg leistungsgerecht zu füttern, benötigt er noch etwas Futtergetreide, das er ebenso auf seinem Betrieb produziert.

Fruchtbarkeit der Kühe ist in Ordnung

Von Malz hört man häufig, dass es die Fruchtbarkeit beeinflusse. Fritz Kobel habe diese Beobachtung nicht mit den Malzkeimen gemacht. «Ich hatte eher wegen des schlechten Grundfutters vergangenes Jahr Probleme mit der Fruchtbarkeit», erinnert er sich. Kobel besamt je nach Leistung. Bei einer Tagesleistung von 50 Litern Milch lässt er seine Kühe mit Maststieren und Zuchttieren nicht vor 100 Tagen besamen.

Die Schweizer Mälzerei AG beliefert gemäss Christoph Nyfeler einen weiteren Landwirt aus der Region mit Malzkeimen. In den kommenden drei Jahren solldie Produktion gesteigert werden, «somit können wir 50 bis 60 Tonnen Malzkeime liefern», so Nyfeler.

Betriebsspiegel

Name: Fritz Kobel (63) und Maja Kobel (63) mit 5 Kindern (jüngster Sohn wird Betrieb übernehmen) Ort: Au-Veltheim AG Fläche: 54 ha, davon 42 ha Pachtland, 12 ha Eigenland Produktionsart: konventionell Ackerbau: 7 ha Zuckerrüben, 3 ha Malzgerste,10 ha Winterweizen, 4 ha Buschbohnen mit 2 ha Drescherbsen (Doppelkultur), 3 ha Spinat mit 3 ha Silomais (Doppelkultur), 3,5 ha Körnermais, 2 ha Raps, 50 Aren Kartoffeln für Direktvermarktung Viehbestand: 20 Milchkühe, 20 Plätze für die Mast,10 Plätze für die Aufzucht, Rasse Holstein, Holstein × Limousin / Holstein × Charolais;60 Legehennen (Direkt-vermarktung) Leistung: 11 000 kg (Stalldurchschnitt) Milchabnehmer: Mittellandmilch für Emmi (2/3 A-Milch 65 Rp./kg, 1/3 B-Milch 45–50 Rp./kg), Zuschlag für Wiesenmilch 5 Rp./kg + Lademengezuschlag 3 Rp./kg, RAUS 3 Rp./kg auf A-Milch Sonstiges: Kleiner Hofladen, Vermietung von 7 Pferde-boxen, Mitarbeiter: 1 Angestellter (ehemaliger Lehrling), je 1 Lehrling im 2. und 3. Lehrjahr, 1 Randständige Personen mit Einschränkung (Arbeit für Heim und Kost)