Mit vier Prozent der gesamtschweizerischen Ammoniak-Emissionen in der Nutztierhaltung macht das Geflügel einen verhältnismässig kleinen Anteil aus. Trotzdem wird auch hier der Gürtel enger geschnallt: Ammoniakverluste müssen laut Artikel des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) abnehmen. Auch wird die Tierschutzkontrolle in Zukunft verschärft. Ab Januar 2021 wird der Fokus unter anderem auf die Qualität der Einstreu und die Besatzdichte bei Legehennen gerichtet.

20% der begehbaren Fläche muss eingestreut sein

In Form eins Schwerpunktprogramms, welches bis zum Jahr 2023 laufen soll, würde so das Tierwohl gezielter kontrolliert, heisst es im BLV-Artikel. Dabei «müssen mindestens 20 Prozent der gesamten begehbaren Fläche im Hühnerstall mit geeigneter Einstreu bedeckt und während der gesamten Lichtphase zugänglich sein», so das BLV. Für Küken gilt diese Regel während der ersten beiden Lebenswochen allerdings nicht. Darüber hinaus müssen die Tiere den Kot in die Einstreu einscharren können. Die Einstreu muss deshalb trocken und locker sein. Nasse, verpappte oder verkrustete Einstreu sei daher ungeeignet.

Strohmehlwürfel oder Hobelspäne

Geeignete Einstreumaterialien in der Geflügelmast sind laut Fachberichten des Aviforum zum Beispiel Strohmehlwürfel, Hobelspäne oder ein Gemisch davon. Gehäckseltes Stroh sei zwar günstig und auf vielen Betrieben vorhanden, neige aber eher zur Deckelbildung und zur Verkrustung der Einstreu, so der Bericht. Dies müsse für die möglichst lange Erhaltung einer guten Einstreuqualität vermieden werden.

Bei der Wahl der Einstreu sei zudem zu beachten, dass langes und grobes Material zu Kropfverstopfungen führen kann. Besonders Tiere, die aus der Aufzucht keine Einstreu und kein Raufutter gewöhnt sind, müssen in der Anfangsphase gut beobachtet werden, heisst es in der «Schweizer Geflügelzeitung».

Ebenfalls im Schwerpunktprogramm integriert ist die vertiefte Kontrolle der Luftqualität in Geflügelställen. Besonders Ammoniak ist hier der kritische Player. Die Konzentration des Schadgases Ammoniak sollte den Grenzwert von 10 ppm (parts per million) idealerweise nicht überschreiten. Die zulässige Höchstgrenze ist jedoch eine durchschnittliche Konzentration von 20 ppm.

Was tun gegen Ammoniak im Stall?

Es gibt verschiedene Möglich-keiten, die Konzentration dieses Gases zu reduzieren. Gemäss Agrofutura und Agridea sind die generell empfohlenen Massnahmen in der Geflügelhaltung die Folgenden:

  • Tränkesystem ohne Wasserverlust in die Einstreu.
  • Häufiges Entmisten der Kotbänder.
  • Bei Legehennen und in der Mast: Die Kotbandtrocknung mit Innenluft und Entmistung in geschlossene Lager.
  • Direkte Kot-Trocknung.

Durch die intensive Belüftung des Kots könne der Trockensubstanzgehalt auf 60 bis 80 Prozent erhöht werden, heisst es bei Agrofutura. Dies hemme den bakteriellen Abbau der Harnsäure (Hydrolyse) im Kot und somit entweiche weniger Ammoniak in die Stall- und Abluft.

Bei kontinuierlicher Belüftung liegen die Ammoniak-Werte ­lediglich zwischen 1,2 und 1,9 ppm, wie «die grüne» berichtete. Dank der elektronischen Steuerung der Trocknungsanlage sei das System im Unterhalt pflegeleicht. Zudem sei die Anlage energieeffizient, da die Luft direkt auf den Kot bläst und so keinen Widerstand der Lüftungsschläuche erfährt. Gemäss Agrofutura könne dieses System bei Legehennen und Junghennen in Volierensystemen mit Kotbandentmistung angewendet werden.

Gute Lüftung auch im Winter gewährleisten

Die Abluftreinigung mittels ­Bio- und Chemowäscher kann je nach Situation empfohlen sein, heisst es bei Agrofutura. Dessen Wirkung sei bei Ställen mit Auslaufklappen jedoch noch nicht genau untersucht worden.

Die Ammoniak-Verminderung in der Stall-Abluft läge mit diesem System bei 70 bis 95 Prozent. Der Energiebedarf, sowie die Investitionen und Betriebskosten sind allerdings erhöht, heisst es bei Agrofutura. Als wichtigste Massnahme für ein gutes Stallklima gelte die ausreichende Lüftung des Stalles auch in den Wintermonaten. Die Wartung und Revision alter Systeme kann schon viel dazu beitragen.