Die Testphase für die elektronischen Ohrmarken startete Anfang April 2022 und läuft noch bis März 2023. Die Suisag testet sie zusammen mit weiteren Projektpartnern. Matteo Aepli, Geschäftsführer der Suisag leitet das Projekt zusammen mit Rolf Zurkirch, ebenfalls von der Suisag. Der Fokus liege im Moment auf der Digitalisierung der Arbeitsprozesse in den Herdebuchbetrieben, sagt Aepli. Dabei konzentriere sich die Suisag in der ersten Phase auf die Datenerfassung auf den Zuchtbetrieben und die Erfassung von Transportdaten.

Papier ersetzen durch App

Die Idee hinter den elektronischen Ohrmarken sei, einen digitalen Schweinepass zu haben, sagt Matteo Aepli. Im System und damit auf dem eigenen Handy sollen für jede Sau alle Daten gleich ersichtlich sein: Abstammung, Behandlungen, Transporte usw. «Ich denke im Alltag ist das viel Wert, wenn die Informationen gleich zur Hand sind und nicht noch im Stall-PC nachgeschaut werden muss», sagt Aepli. Andere Projektpartner hätten diesbezüglich schon Vorarbeit geleistet und die Suisag sei nun dabei, diese zusammenzuführen.

Digitalisierung müsse helfen, effizienter und genauer zu werden, sagt er. Der Arbeitsschritt des schriftlichen Erfassens und dann online eingeben, soll entfallen. Und so beschreibt er eine Belegung, wie sie in Zukunft aussehen könnte: «Mit dem Gerät den Barcode auf dem Blister scannen, danach die Ohrmarke lesen – schon ist die Belegung erfasst». 

Gruppen- oder Einzelscanning?

Zurzeit testen zwei Herdebuchbetriebe, davon ein Kernzuchtbetrieb die elektronischen Ohrmarken. Die Suisag ist aber offen für weitere Test-Betriebe, wie Matteo Aepli betont. Für die Software arbeitet die Suisag mit der Firma Cloudfarms zusammen, die eine App passend zum Schweizer Sauenplaner Suis-Data-Manager kreiert hat, welche genau darauf abgestimmt ist. Die App kann aber auch an andere Sauenplaner angebunden werden. Im Software-Bereich funktioniere die Testphase schon gut bis sehr gut. Die grösste Herausforderung stelle aber im Moment noch die Hardware dar, also die Ohrmarke selber, sagt Matteo Aepli. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten der Datenübertragung von der Ohrmarke zum Lesegerät, nämlich Low Frequency (LF) und Ultra High Frequency (UHF).

Die LF-Ohrmarken entsprechen jenen einer Fütterungsstation. Um Ohrmarken mit der LF-Technologie einzulesen, ist es nötig, möglichst nahe ans Tier heranzukommen, um sie einlesen zu können. Sie sind für das korrekte Lesen auf kurze Distanz gemacht. [IMG 2]

Der Vorteil bei den UHF-Ohrmarken ist, dass sich mehrere Tiere gleichzeitig scannen lassen. Das kann praktisch sein, wenn ganze Gruppen z. B. beim Verlad für den Transport, registriert werden müssen. Die Sache hat aber noch einen Haken: Diese Technologie ist fehleranfälliger. Es kann sein, dass ein Tier aus einer anderen Bucht ebenfalls erfasst wird. UHF-Ohrmarken sind kleiner, aber auch günstiger als LF-Ohrmarken.

Erfahrungen sammeln

Auf den Test-Betrieben werden beide Technologien angewendet, das heisst ein Teil der Tiere wurde mit den LF-, der andere Teil mit den UHF-Ohrmarken ausgestattet. So haben zum Beispiel die zwei Rassen auf dem Kernzuchtbetrieb je ein Ohrmarken-Typ.

Auch die Erfahrungen und Meinungen der Betriebsleiter werden in der Testphase beachtet, dafür gibt es eine Erfahrungsgruppe, die sich regelmässig trifft. Dort sind die Hardware-Partner auch dabei, damit sie die Ohrmarken weiterentwickeln können. Im Moment sei noch unklar, so Matteo Aepli, wie die zukünftig optimale Lösung bei der Hardware aussehe. Es gebe auch die Möglichkeit, kombinierte Ohrmarken zu machen, dies soll zukünftig getestet werden, sagt er.

Vermarkter einbeziehen

Zugriff auf die Daten haben laut Matteo Aepli die Betriebe und die Suisag. Weiteren Benutzern wie Vermarkter kann in Absprache mit den Betrieben ein Zugriff gewährt werden. Bei Vermarktern könne das zum Beispiel sinnvoll sein, um Transportdaten zu teilen oder zu wissen, wieviel Sauen der Betrieb belegt hat, um die Produktion zu planen.

Nach der Testphase will die Suisag die elektronischen Ohrmarken ziemlich breit zur Verfügung stellen. Das System eigne sich für Betriebe, die etwas Daten-affin sind, so Aepli. Doch dies sei nicht jedermanns oder -fraus Sache, somit solle jeder Betrieb für sich entscheiden können, ob es Sinn macht, umzusteigen. Die Suisag ist laut Aepli offen für Betriebe, die Interesse haben, bei der Testphase der elektronischen Ohrmarken dabei zu sein. Zu beachten sei jedoch, dass es dabei noch den ein oder anderen Fehler geben kann und es etwas Übung im Umgang mit den Ohrmarken und Lesegeräten braucht. «Damit muss man als Testbetrieb umgehen können», sagt Matteo Aepli.