Digitale Feldkalender gelten seit Jahren als zentrales Instrument zur Vereinfachung der landwirtschaftlichen Administration. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass der tatsächliche Nutzen davon abhängt, wie gut Systeme miteinander vernetzt sind und wie konsequent sie im Alltag eingesetzt werden. Marco Landis vom Strickhof bringt die Herausforderung auf den Punkt: «Der digitale Feldkalender hat grosses Potenzial zur administrativen Vereinfachung – aktuell erleben viele Betriebe aber eher das Gegenteil.»

Mit Blick auf kommende Mitteilungspflichten wie Digiflux ab 2027 werde deutlich, dass es nicht um immer mehr Datenerfassung gehen dürfe, sondern um eine intelligente Nutzung vorhandener Informationen. Der Grundsatz sei klar: Daten sollen einmal erfasst und danach mehrfach verwendet werden.

Vernetzung als Schlüsselthema

Ein zentrales Thema bleibt die Vernetzung. Marco Landis betont, dass der Betrieb im Zentrum stehen müsse, während die Daten sowohl innerbetrieblich als auch überbetrieblich nutzbar sein sollten – etwa für Lohnunternehmer, Handel, Beratung, Zuchtorganisationen oder Labels wie IP-Suisse oder Bio Suisse. In der Schweiz sei man hier jedoch bis jetzt nicht einheitlich unterwegs. Mehrere parallele Systeme wie Hoduflu oder unterschiedliche kantonale Systeme verlangsamten die Prozesse. Zwar seien die technischen Schnittstellen grundsätzlich vorhanden, doch der Fortschritt bleibe zäh. Gleichzeitig gewinnt die Vernetzung mit Blick auf Datenschutz und Informationsfluss weiter an Bedeutung.

Drei Systeme, drei Ansätze

Abo Roboter erledigen Feldarbeiten. An solchen Visionen wird beim Ellis Institut für künstliche Intelligenz in Tübingen gearbeitet. Digitalisierung Weniger Arbeit und mehr Effizienz: Die Schweizer Landwirtschaft muss digitaler werden Dienstag, 29. April 2025 Drei in der Schweiz verbreitete digitale Feldkalender wurden vorgestellt: Barto, eFeldkalender und Smartfarm. Sie unterscheiden sich deutlich in Umfang, Ausrichtung und Zielgruppe.

Barto: die umfassende Plattform

Barto verfolgt das Ziel, administrative Abläufe in der Landwirtschaft zu strukturieren und dadurch mehr Zeit für die eigentliche Arbeit auf dem Betrieb zu schaffen. Urs Galliker, stellvertretender Geschäftsführer und Produktmanager bei Barto, bringt den Anspruch auf den Punkt: weniger Büroarbeit, mehr Zeit für Tierhaltung und Pflanzenbau.

Das System ist modular aufgebaut, der Einstieg kostenlos, und zusätzliche Funktionen können je nach Bedarf ergänzt werden. Barto versteht sich dabei nicht nur als Feldkalender, sondern als umfassende Plattform für die digitale Betriebsführung.

Die Anwendung deckt sowohl den Pflanzenbau als auch die Tierhaltung ab. Sie erstellt mit dem Kontrolldossier automatisch Checklisten zur Vorbereitung von Kontrollen und bietet eine digitale Dokumentenablage inklusive Scan-Funktion. Zudem bestehen Anbindungen an Partner wie Landi sowie an kantonale Systeme. Weitere Funktionen umfassen unter anderem die Berechnung der Suisse-Bilanz oder von Milchviehfütterungsplänen mit Rumiplan.

Trotz des breiten Funktionsumfangs kommt dem Feldkalender eine zentrale Bedeutung zu. Es wird empfohlen, mit diesem zu starten und das System anschliessend schrittweise entsprechend den betrieblichen Bedürfnissen auszubauen.

eFeldkalender: schlank und praxisnah

Der eFeldkalender verfolgt einen bewusst reduzierten Ansatz. Geschäftsführer Christoph Herren beschreibt die Zielsetzung als einfache, übersichtliche und praxisorientierte Lösung zur Reduktion des administrativen Aufwands. Im Zentrum stehen das Parzellen- und Kulturenverzeichnis, die Fruchtfolge sowie die laufende Dokumentation der Arbeiten. Einmal erfasste Daten können für verschiedene Auswertungen mehrfach genutzt werden.

Die Anwendung ist einfach bedienbar, cloudbasiert mit Serverstandort in der Schweiz und auf verschiedenen Endgeräten nutzbar. Sie verwendet Geodaten von Swisstopo, welche eine hohe räumliche Genauigkeit gewährleisten und sich beispielsweise auch für die Weiterverwendung in Lenksystemen eignen. Der Schwerpunkt liegt auf Pflanzenbau und Auswertungen.

Ergänzend wird ein Auslaufjournal für Tiere angeboten. Dieses ist so aufgebaut, dass es sich automatisch weiterführt und lediglich Änderungen an der Auslaufart erfasst werden müssen.

Abo Die Mutterkuhherde von Ueli Vögtli und Andrea Kaiser umfasst rund 37 Muttertiere. Statt am Computer erstellt Andrea Kaiser das Begleitdokument für Tiere, die den Hof verlassen, einfach und bequem am Handy. Digitalisierung bei der Tierverkehrsdatenbank Vom Stall direkt aufs Handy: Identitas lanciert TVD-App Freitag, 14. November 2025 Das Preismodell ist klar strukturiert. Die Lösung ist auf bestimmte Betriebsbereiche ausgerichtet; Tierhaltung, Handels- und Vermarktungsanbindungen sowie die Gesamtbetriebsführung sind derzeit nur in begrenztem Umfang integriert.

Smartfarm: von Bauern für Bauern

Smartfarm ist aus der Praxis von IP-Suisse entstanden. Peter Althaus, Softwareverantwortlicher bei IP-Suisse, beschreibt die Lösung als Feldkalender von Bauern für Bauern. Das webbasierte System ist bewusst einfach gehalten und soll einen niederschwelligen Einstieg in die digitale Dokumentation ermöglichen.

Die Anwendung bietet eine Bedienoberfläche, eine strukturierte Darstellung von Parzellen, Kulturen und Düngungsdaten, eine automatische Berechnung der Düngung pro Hektare sowie ein integriertes Weide- und Auslaufjournal. Zudem bestehen Importmöglichkeiten aus Excel-Dateien und aus Vorjahren. Die Kosten betragen für IP-Suisse-Mitglieder 80 Franken und für Nicht-Mitglieder 120 Franken pro Jahr.

Der richtige Start entscheidet

Unabhängig vom gewählten System ist die Einführung entscheidend. Marco Landis empfiehlt, den Start in einer ruhigen Phase anzugehen, idealerweise im Winter, und die Grunddaten vollständig zu erfassen. Personen, Maschinen, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Felder müssten sauber hinterlegt sein. Im laufenden Betrieb seien eine konsequente Dateneingabe ebenso wichtig wie die regelmässige Kontrolle. Parzellenblätter sollten einmal jährlich als PDF gesichert und bei Bedarf ausgedruckt werden, insbesondere zur Vorbereitung auf Kontrollen.

Chancen nutzen, Grenzen kennen

Digitale Feldkalender bieten klare Vorteile: Der administrative Aufwand kann reduziert werden, Daten sind jederzeit verfügbar und können direkt auf dem Feld erfasst werden. Gleichzeitig bleiben Abhängigkeiten von Technik, Internetverbindung und Systemstabilität bestehen. Wer bereit ist, sich auf die Systeme einzulassen und sauber zu arbeiten, kann profitieren. Ganz ohne eine gewisse Affinität zur Digitalisierung geht es jedoch nicht.