Das hat es noch nie gegeben, dass ein Schweizer Red-Holstein-Stier in Deutschland das Klassement der geprüften RH-Stiere anführt. Dieses Kunststück gelang Swissbec Power, dem Durango-Sohn aus der Vidia-Demello-Ravisante-Familie dank seines Gesamtzuchtwertes von 146 RZG. «Wir sind natürlich sehr stolz, diesen Ausnahmestier zu besitzen», sagt Ronald Bialek, Geschäftsführer von Qnetics in Deutschland, denen Power gehört. Es sei ein sehr schöner Erfolg und eine Bestätigung für das Zuchtprogramm, wenn ein Stier die Nr. 1 werde.

Mit den Töchtern bestätigt

Insgeheim hat Qnetics natürlich immer gehofft, dass Power einmal die Nummer eins unter den RH-Stieren in Deutschland werde. «Erst recht, nachdem wir im Vorfeld gesehen haben, wie hoch die Einsatzleistungen und die Persistenz der Töchter sind», sagt Ronald Bialek. Zudem konnte der Stier seine genomischen Zuchtwerte auch mit den Töchtern bestätigen. Der Qnetics-Geschäftsführer sieht folgendes Vererbungsmuster von Power: «Mit der Kombination Durango × Mogul × Demello hat Power ein Outcrosspedigree für die Red-Holstein-Zucht. Er vererbt sehr viel Milch aus Spitzeneutern. Die Töchter von Power sind rahmige, typvolle Kühe mit trockenen Gelenken und paralleler Hinterbeinstellung. Vor allem die Eutervererbung ist wie aus dem Bilderbuch. Die Euter sind hoch, fest und breit angesetzt», hält Bialek anerkennend fest. Für die deutschen Züchter müsse ein Stier vor allem folgende Kriterien erfüllen: «Die Striche dürfen nicht zu kurz sein und die Stellung nicht zu eng, da es mittlerweile doch viele Betriebe mit Melkroboter gibt.»

Kein Nachteil?

Hat aber der negative Eiweissgehalt von Power keine Auswirkungen auf die Vermarktung? «Das ist in den meisten Ländern kein Problem. Nur in Holland. Dort werden immer nur Stiere mit positiven Inhaltsstoffen eingesetzt», weiss Ronald Bialek. Power wurde bereits als genomischer Jungvererber aufgrund seiner Abstammung und seiner hohen genomischen Zuchtwerte stark eingesetzt. Heute wird er als töchtergeprüfter Stier sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien und Skandinavien stark nachgefragt. «Auch nach Japan wurde mittlerweile eine grössere Spermamenge exportiert», freut sich der Geschäftsführer. Interessant ist, dass Swissbec Power in der Schweiz geboren ist, aber einem deutschen Unternehmen gehört. Wie ist Qnetics ­überhaupt zu diesem Stier gekommen? «Wir selektieren im Zuchtprogramm weltweit Genetik und wir kannten diese Kuhfamilie bereits vom Betrieb Vidia Holsteins in Kanada. Power und zwei schwarze Vollbrüder wurden uns von Jan van den Oord, Diamond Genetics France, zum Test angeboten», sagt Ronald Bialek. «Wir haben dann den Stier vom Swissbec-Syndikat gekauft. Sie wollten ihn gerne an eine deutsche Organisation verkaufen, da es in Deutschland auch eine grosse Red-Holstein-Population gibt. Swissgenetics hat aber die Vermarktungsrechte für die Schweiz», so der Geschäftsführer. Und wie geht es Power heute? «Power lebt noch, er ist ein formschöner, korrekter Stier mit einem sehr guten Fundament», sagt Bialek. Power sei weiterhin ein guter Samenproduzent. «Da die Nachfrage gross ist, hoffen wir, dass wir ihn noch lange behalten können», freut sich der Geschäftsführer.

Auch in der Schweiz

Swissbec Power ist aber nicht nur in Deutschland gut unterwegs, auch in der Schweiz ist er mit einem Gesamtzuchtwert von 1444 Iset-Punkten auf dem sehr guten zweiten Rang der geprüften RH-Stiere zu finden. Jürg Stoll, Sire Analyst für Red Holstein bei Swissgenetics, sieht für Power deshalb grosse Einsatzmöglichkeiten. «Der Stier bringt viel Milch mit guten Eiweissprozenten, wertvolle Fitnesseigenschaften und ein Exterieur, das keine Wünsche offen lässt», hält er fest. Dies zeigen auch viele seiner Töchter, welche an Schauen oder auf den Betrieben besichtigt werden konnten. «Hervorzuheben ist sicher seine hohe Euternote (135)», freut sich der Sire Analyst. Aber auch die anderen Merkmale wie die Brustbreite, die Lende, die Beckenneigung sowie das Fundament seien die grossen Stärken von Power. «Er eignet sich sicher sehr gut auf die Töchter der Stiere Glassgo, Agent, Incredibull oder Jordy», ist Stoll überzeugt. Sicher müsse aber bei der Anpaarung der Fettgehalt (−0,23 %) berücksichtigt werden.

Dank dieser breiten Einsatzmöglichkeit sei auch die Nachfrage nach Power-Samen ungebrochen hoch. Obwohl Power ein top Red-Holstein-Stier ist, ist nicht Swissgenetics sein Besitzer. «Wir verfügen aber über die Exklusivität von Power, das freut uns sehr», sagt Jürg Stoll. «Wenn er Swissgenetics gehören würde, hätte er unter Umständen aufgrund einer tieferen Anzahl Töchter in Deutschland gar kein Resultat dort erhalten», sagt der Sire Analyst. Warum Power nicht ihnen gehöre, habe damit zu tun, dass seinerzeit dessen Besitzer, Swissbec, den Stier neben der Schweiz auch in Deutschland genomisch untersuchen liessen. «Somit konnte man die genomischen Resultate in beiden Ländern vergleichen», sagt Stoll.

Interessante Kuhfamilie

Nun sei aber das Resultat von Power aus Deutschland früher vorhanden gewesen als in der Schweiz. «Wenn man in Deutschland Stiere genomisch unter-suchen lässt, ist man auch ­verpflichtet, ihnen den Stier zu verkaufen», sagt Jürg Stoll. Nichtsdestotrotz: Mit Castel Bad hat Swissgentetics einen weiteren starken Stier aus der gleichen Kuhfamilie. Und ein Ende scheint nicht in Sicht: Mit Tiamo (Vater: Dg Brody RC), der aus einer Vollschwester von Power stammt, habe man wieder einen Stier, der bereits den Prüfeinsatz absolviert hat und momentan in der Wartehaltung stehe. «Aus dieser Kuhfamilie kommen immer wieder neue interessante Rinder und Jungkühe, welche für die Zucht interessant sein könnten, zum Vorschein», freut sich der Sire Analyst.