Landwirt Paul Caduff hat den Fiebermesser im Stall weggelegt. Dafür trägt er immer ein pH-Messgerät bei sich. Wie es dazu kam, erzählte er an der regionalen Milchwirtschaftstagung der Thurgauer Agroberatungsvereine in der Ziegelei in Istighofen TG.
Der pH-Wert ist entscheidend
Paul Caduff konnte den Betrieb 2010 übernehmen und 2012 einen neuen Stall in Vella GR bauen. Von Beginn weg hatte er Probleme mit der Kälbergesundheit. Die Kälber litten an Nabelentzündungen und Durchfall und hatten – obwohl sie noch nie draussen gewesen waren – Würmer und Panaritien. So begann er, mit dem Fütterungsberater Dirk Bechmann von der Firma Nutri Form SA zusammenzuarbeiten. Mit Bechmann kam auch das pH-Messgerät auf den Hof.
Es stellte sich heraus, dass der pH-Gehalt im Tränkewasser über 7 lag. Paul Caduff begann, das Wasser anzusäuern. Auch misst er den pH-Wert der Kolostrummilch. «Mit einem pH-Wert von 6 ist das Kalb gesund», sagte er. Mit steigendem pH-Wert verschlechtere sich die Verdaulichkeit beim Kalb. Zum Ansäuern der Milch verwendet er Apfelessig. Auch streckt er die Milch mit Wasser.
Milchbar und kurze Nuggis
Statt des Tränkeautomaten lässt er die Kälber an einer Milchbar trinken. «Mit kurzen Nuggis, damit sie möglichst lange trinken», sagte Paul Caduff. «Das intensive Saugen mit langsamem Milchfluss hat den Vorteil, dass die Kälber viel Speichel produzieren. Dadurch kommt die Milch langsam in den Labmagen und das Lab kann wirken», erklärte Dirk Bechmann. Trockenfutter mit Leinsaat, Heu etc. haben die Kälber zur freien Verfügung und können so Pansenzotten aufbauen.
Tannenzweige gegen Würmer
«Auch bei mir nagten die Kälber an den Holzbarren. Ich hängte Tannenzweige auf, die sie kahlfrassen», erzählte Paul Caduff. Die Tannennadeln würden das Immunsystem stärken und die darin enthaltenen Tannine helfen gegen Würmer.
Seit fünf Jahren funktioniert sein Fütterungssystem und er konnte den Medikamenteneinsatz um zwei Drittel senken. «Aber es braucht Geduld und konsequentes Handeln», so Caduff abschliessend.