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Studie: 30 bis 40 mal mehr Geld für biodiversitätsschädigende Subventionen als für die Förderung der Artenvielfalt

Eine neue Studie fand 162 Subventionen in verschiedenen Bereichen, die der Biodiversität in der Schweiz schaden. Das sei nicht nur ökologisch fragwürdig, sondern auch ökonomisch ineffizient – schliesslich müssen die entstandenen Schäden wieder behoben werden.


58 Subventionen, die gänzlich die Biodiversität schädigende Aktivitäten fördern, 69, die sich teilweise schädigend auf die Artenvielfalt in der Schweiz auswirken und deren 35, durch die je nach Umsetzung der geförderten Handlungen Schäden verursachen können – das ist die traurige Bilanz der Untersuchung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Hinzukommen 45 Subventionen, die eigentlich dem Umwelt- und Naturschutz gewidmet sind, aber biodiversitätsschädigende Nebeneffekte haben.

Die Forschenden sehen in diesen Subventionen einen «wichtigen Grund» für die Krise der Biodiversität in der Schweiz. 

Neues Kriterium «Biodiversität» empfohlen

Wie kann es sein, dass derart viele Fördergelder zum Rückgang der Artenvielfalt zumindest teilweise beitragen? Viele der aufgeführten Subventionen seien bereits alt und die Empfängerinnen und Empfänger empfinden sie daher als normal, heisst es im Faktenblatt zur Studie. Ausserdem fehlt bisher bei der regelmässigen Überprüfung von Subventionen gemäss Subventionsgesetzt Biodiversität als Kriterium. Die Forschenden empfehlen daher eine entsprechende Anpassung. 

Im Rahmen der Biodiversitätskonvention habe sich die Schweiz dazu verpflichtet, bis 2020 biodiversitätsschädigende Subventionen anzupassen oder abzuschaffen, schreiben die Akademien der Naturwissenschaften (Scnat). Es besteht also unbestreitbar Handlungsbedarf.

Diverse Beiträge schaden der Biodiversität

Die Studie befasste sich mit Subventionen in acht Sektoren und teilte sie je nach Schweregrad der negativen Wirkungen auf die Artenvielfalt und den biodiversitätsschädigenden Anteilen auf. Das Faktenblatt dazu gibt Beispiele und Empfehlungen für alle untersuchten Bereiche. 

Die meisten Subventionen mit starken partiell oder vollständig negativen Wirkungen fanden die Forschenden in der Forst- und Landwirtschaft sowie dem Verkehr. (Grafik Faktenblatt Scnat)

Die Liste der biodiversitätsschädigenden Subventionen in der Landwirtschaft ist lang, darauf finden sich neben der Absatzförderung von Fleisch, Milch und Eiern auch Einzelkulturbeiträge, die Förderung der Tierzucht, Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, Hangbeiträge, die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes wie auch die Tierwohl-Programme BTS und RAUS oder der Grenzschutz, reduzierter Mehrwertsteuer-Ansatz und externe Kosten durch Stickstoff, Phosphor, Pflanzenschutzmittel und Treibhausgase.

Ebenfalls problematisch sei die geringe Berücksichtigung der Artenvielfalt in der landwirtschaftlichen Beratung. 

Grosse Nebenwirkungen durch Strukturverbesserungen und Stickstoff

Die über 82 Millionen Franken, die jährlich für die Strukturverbesserung ausgegeben werden, haben laut den Forschenden besonders gravierende Auswirkungen auf die Biodiversität. Einerseits schädigen beispielsweise neue Erschliessungsstrassen die betroffenen Lebensräume, andererseits können dadurch zuvor schlecht zugängliche extensive Flächen intensiver bewirtschaftet werden. 

Andere Ziele und neue Auflagen

Um dem entgegenzuwirken schlägt man im Faktenblatt der Scnat vor, Strukturverbesserungsbeiträge zukünftig vermehrt für ökologische Ziele zu sprechen. Auflagen sollen sicherstellen, dass bei Investitionshilfen die Artenvielfalt berücksichtigt wird. Weiter solle man neue Strassen oder den Ersatz einfacher Wege nur dann unterstützen, wenn ansonsten Flächen aufgegeben werden würden. 

Massnahmenmix gegen Sticktoffemissionen

Um die externen Kosten durch Stickstoffüberschüsse anzugehen, wird eine Umgestaltung des landwirtschaftlichen Anreizsystems vorgeschlagen. Beispiele dafür wären technische Massnahmen wie emissionsarme Ausbringungstechniken, Lenkungsabgaben oder die Reduktion des Tierbestandes pro Fläche. 

Selbstversorgungsgad und Biodiversität mit angepasstem Basisbeitrag fördern

Als ein Beispiel für eine leicht umgestaltbare Subvention wird der Basisbeitrag aufgeführt. Er wird pro bewirtschaftete Hektare ausbezahlt und ist an einen Mindesttierbesatz gekoppelt. Für Biodiversitätsförderflächen (BFF) werden nur 50 Prozent bezahlt. Das fördere die intensive Landwirtschaft und schaffe den Anreiz, mehr Tiere zu halten, so das Faktenblatt. Daher sollte die Differenz der Beitragshöhe zwischen BFF und anderen Flächen sowie der Mindesttierbesatz für den Erhalt des Basisbeitrags aufgehoben werden. 

Die Forschenden schlagen weiter vor, Basisbeiträge an Biodiversitätskriterien wie geringen Stickstoffeinsatz zu knüpfen. Um den Selbstversorgungsgrad zu verbessern sei es ausserdem zielführender, Beiträge für ackerfähiges Land zu zahlen, wo für den direkten menschlichen Konsum produziert wird. Schweizer Fleisch produziere man mit importierten Futter- und Düngemitteln, so die Argumentation. 

Allgemeine Empfehlungen an die Politik

Man schätzt, dass über biodiversitätssschädigende Subventionen jährlich über 40 Milliarden Franken ausgegeben werden. Das sei das 30- bis 40-Fache der Summe zur Förderung der Artenvielfalt. 

Um dieses Problem anzugehen, müsse die Politik

  1. Die Informationsgrundlage verbessern (Subventionen auf ihre Biodiversitätswirkung prüfen, sie quantifizieren und Zielkonflikte aufspüren)
  2. Biodiversitätsschädigende Subventionen abschaffen, abbauen oder umgestalten.
  3. Den Kontext berücksichtigen (Versorgungssicherheit nicht zu Lasten der Biodiversität fördern und alte Technologien wie die fossile Energie neben der Förderung neuer wie der Erneuerbaren Energien auslaufen lassen)

Weitere Informationen 

Die wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen der Wissenschaft zu biodiversitätschädigenden Subventionen in der Schweiz sind im Faktenblatt der Scnat zusammengefasst. 

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