Im Leimental stapeln sich bereits die ersten Zuckerrüben am Feldrand. Der rote Holmer-Roder der Lohnunternehmer Viktor und Patrick Mühlebach fährt gemächlich über das Zuckerrübenfeld, köpft jede einzelne Rübe und befreit sie vom Laub. Urs Zimmermann steht neben seiner Miete und begutachtet die Rüben. «Wir haben in diesem Jahr unterschiedlich grosse Köpfe. Aber überraschend wenig faule Rüben angesichts der vielen Niederschläge, die wir im Frühjahr und Sommer hatten», erzählt der 38-Jährige. Dennoch würde die Miete bei ihm in einem normalen Jahr dreimal grösser ausfallen. 30 Tonnen Rüben hat Zimmermann auf diesem Feld nur ernten können. «Die Fläche befindet sich in einem Einzugsgebiet und hat Hanglage. Als der Niederschlag kam, standen die jungen Zuckerrüben im Wasser», blick er zurück. Dabei hatte der Rübenbauer grosse Erwartungen in diesem Jahr.

2020 entschloss sich Zimmermann seine Rüben mit dem Strip-Till-Verfahren anzubauen. Dabei werden nur die Saatreihen wie bei einem konventionellen Bestellverfahren bearbeitet, während der Bereich zwischen den Reihen mit Pflanzenrückständen bedeckt und unbearbeitet bleibt. Die Bodenstruktur wird dabei nicht angegriffen. Der konventionelle Landwirt erhofft sich damit Erosionsschutz und eine bessere Wasserfiltration.
Betriebsspiegel Neuhof
Name: Urs Zimmermann mit Frau Yvonne und zwei Kindern, Sämi und Erika Zimmermann Senior Ort: Oberwil BL LN: 100 ha, davon zirka 7 bis 9 ha Zuckerrüben,20 ha Brotweizen, 15 ha Körner- und Silomais, 15 ha Holl-Raps, 5 ha Triticale, 5 ha Konservenerbsen, 5 ha Grassamenvermehrung, 20 ha Wiesen und extensive Wiesen, 6 ha Pferdeweide Tierbestand: 60 Pensionspferde, 10 Emus und 4 Alpakasals Hobby Betriebsform: konventionelle Bewirtschaftung Mitarbeiter: 10 Festangestellte
Ein Hof mit viel Geschichte
Der Neuhof in Oberwil vom Team-Zimmermann, so nennt sich das eingespielte Team aus Vater Sämi und Sohn Urs Zimmermann, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut. Damals noch nicht als Bauernhof genutzt, sondern als Kneipe oder Wirtschaft mit einem kleinen Stall, funktionierte man ihn später zu einem reinen Bauernhof um. Seit 1914 bewirtschaftet die Familie Zimmermann den in der Bauzone befindlichen Hof. Dieser wurde 1968 von den Brüdern Hermann und Ruedi Zimmermann auf Bio umgestellt. Mehrheitlich produzierte die Familie Gemüse für den Biotta-Saft und hielt 20 Milchkühe, blickt Urs Zimmermann auf seine Familiengeschichte zurück.
Doch mit der Zeit wurde der biologische Anbau zu aufwendig für die Familie, «vor allem das Unkraut bekam mein Grossvater Hermann nicht richtig in den Griff». Als er 1988 verstarb, übernahm Sämi, der Vater von Urs Zimmermann, den Hof. Auch ein Grund, warum der Betrieb 1991 wieder auf die konventionelle Bewirtschaftung umgestellt wurde. Von den Milchkühen und dem Gemüse verabschiedete sich der noch heutige Betriebsleiter. Eine Pferdepension sollte das neue Standbein werden. Mittlerweile leben 60 Pensionspferde auf dem 100 Hektaren grossen Betrieb. Daneben werden Zuckerrüben, Brotweizen, Triticale, Körner- und Silomais, Holl-Raps und Konservenerbsen angebaut.
Ziel: Die Bodenstruktur schonen
Urs Zimmermann ist bei seinem Vater angestellt. «Ich werde den Hof aber in nächster Zeit übernehmen, sobald die Verträge in und um die Bauzone, auf der unser Hof steht, angepasst und wieder verlängert wurden.» Der Betrieb gehört der Pestalozzi Gesellschaft Oberwil und ist im Baurecht gepachtet. Urs Zimmermann ist es auch, der wieder für eine Umgestaltung sorgt. «Wir haben schwere Lehmböden hier im Leimental. Im trockenen Zustand können sie steinhart werden.» Normalerweise werden die Böden bei Zimmermanns im Herbst mit dem Pflug bearbeitet. Um die Bodenstruktur aber zu schonen, war Urs Zimmermann auf der Suche nach einer weniger aggressiven Methode. «Ich bin auf das Strip-Till-Verfahren gestossen und wende es jetzt im zweiten Jahr in Verbindung mit dem Ressourcenprojekt Leimental an.»
Anbaumethoden im Versuch, um die Fruchtbarkeit der Böden im Seeland zu erhalten
Ein Forschungsteam der HAFL entwickelt am nationalen Kompetenzzentrum für Gemüsebau in Ins praxistaugliche Anbaumethoden mit reduzierter Bodenbearbeitung und möglichst permanenter Bodenbedeckung. So soll der Gemüsebau auf dem fruchtbaren Böden langfristig gewährleistet werden.LesenDas Projekt zielt darauf ab, die Qualität von Wasser und Boden bei einer gesteigerten landwirtschaftlichen Produktivität mit passenden Massnahmen zu verbessern. Mit dem Strip-Till-Verfahren werden die Vorteile der konventionellen Bodenbearbeitung – die Bodentrocknung und -erwärmung – mit den bodenschützenden Vorteilen der Direktsaat kombiniert, indem nur der Teil des Bodens gestört wird, der die Samenreihe enthalten soll. Durch eine Stroh- oder Mulchauflage wird der Erosionsschutz und die Wasserfiltration der unbearbeiteten Fläche erhöht. Zimmermann verwendet als Auflage Mist. «Dort wo die Zuckerrüben später gesät werden, gehen wir kurz vor der Saat mit der Strip-Till-Maschine nochmals drüber, um die Auflage zirka 10 cm tief aufzureissen.»

Aufgrund der schweren Lehmböden erfolgt die Bodenlockerung und Rübenaussaat in zwei zeitlich getrennten Schritten. «Die zuvor gelockerten Streifen müssen bei der Aussaat exakt getroffen werden. Das geht nur mit GPS gestütztem Lenksystem», begründet der Rübenbauer. Ein Problem des Strip-Till-Verfahrens zeigt sich im Unkrauthacken. «Das Hackgerät verfängt sich im Mist oder in der abgestorbenen Gründüngung. Daher wollen wir im nächsten Jahr mit der Rollhacke Weiteres ausprobieren.» Im Normalfall bringt das Stripp-Till-Verfahren einen ähnlichen Ertrag, maximal 10 bis 15 % weniger hervor, als mit dem Pflug.

«Es war viel zu nass und kalt. Das tat den Rüben nicht gut»
Urs Zimmermann über die diesjährigen Gegebenheiten.
Nässe vermiest das Projekt
In diesem Jahr hat das Strip-Till-Verfahren ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. «2020 hat es noch super funktioniert. Es war relativ trocken und heiss. Die Mulchauflage verhinderte, dass der Boden sich zu stark erhitzte und austrocknete. Heuer war es viel zu nass und kalt. Zusätzlich fielen innerhalb von 15 Minuten 55 Liter Wasser. Das tat den Rüben nicht gut», erzählt der Rübenbauer. Doch aus diesen Schwierigkeiten will Urs Zimmermann lernen.
Die Blühstreifen stehen direkt im Zuckerrübenfeld
Neben der Bodenschonungsetzt der gelernte Landwirt auf Blühstreifen, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz herunterzufahren. «Wir hatten im vergangenem Jahr viele Blattläuse. Haben aber kein Insektizid eingesetzt. Dennoch blieben unsere Zuckerrüben verschont.» Denn vor und hinter dem Zuckerrübenfeld wuchsen Ackerbohnen, «darauf haben wir viele Marienkäfer finden können.» In diesem Jahr wollte Zimmermann den natürlichen Feind der Blattlaus mit Blühstreifen zwischen den Zuckerrübenreihen fördern. «Aber die Niederschläge haben uns auch die Blühstreifen niedergestreckt.»
Um den Herbizideinsatz in den Rüben zu reduzieren, baut er die Conviso-Rübe an. «Mit dieser Sorte muss ich nur noch zweimal 0,5 Liter Herbizid spritzen», sagt er. Fungizide werden in den Zuckerrüben keine verwendet. Nach der Ernte und vor den Zuckerrüben wird eine Gründüngung aus Acker-bohnen, Phacelia und Sandhafer angelegt, «für die Durchwurzelung und Lockerung des Bodens», so der Landwirt. ImWinter friert die Bodenbedeckung ab und ist so optimal mit der Strip-Till-Maschine zu bearbeiten. An seiner erworbenen Strip-Till-Maschine hat Zimmermann eigens einen Kleinsamenstreuer aufgebaut, um im Herbst neben der Bodenbearbeitung zusätzlich die Gründüngung auszusäen.
Der Zuckerrübenanbau lohnt sich wieder
Wieder auf Bio umsteigen möchte der Landwirt noch nicht. «Wir kaufen noch viel Heu für die Pferde ein. Zudem möchte ich die Sicherheit nicht verlieren, mit Pflanzenschutzmitteln im Notfall entgegensteuern zu können», begründet Urs Zimmermann. Er betreibe eher eine Hybridlandwirtschaft, sagt er.
In etwa zwei Wochen werden Zimmermanns Rüben durch den Rübenumschlag Mittelland abgeholt, nach Münchenstein zum Bahnverlad transportiert und in die Zuckerfabrik nach Frauenfeld gefahren. Seit diesem Jahr muss sich der Landwirt nicht mehr selbst um den Transport zum Bahnhof bemühen, «die Zuckerfabrik kümmert sich und übergibt den Auftrag an den Rübenumschlag», sagt er, «aber ab und zu fahre ich dann doch noch gern selbst meine Rüben.» Über die Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen freue sich der Rübenbauer: «Das gibt uns wieder eine gewisse Sicherheit, dass sich die Zuckerrübe auch in den nächsten Jahren rentabel anbauen lässt – sah doch die Zukunft der Rübe in der Schweiz nicht allzu rosig aus.
Und wenn die Forschung und Züchtung auf resistente Sorten noch weitergeht, werden wir auch in Zukunft einen ökologischen Zucker in der Schweiz anbauen können.»

