An der traditionellen Bio-Flurbegehung auf dem Stiegenhof im zürcherischen Oberembrach, die am 1. Juli 2022 stattfand, wurden auch Ackerkulturen gezeigt, die hierzulande im Anbau noch nicht etabliert sind. So etwa die weisse, schwarze und rote Buschbohne, die nach dem Dreschen Auskernbohne genannt wird. Die weissen Bohnen kennt man von den Büchsenbohnen in Tomatensauce, die rote als Red-Kidney-Indianerbohne.
Auf der Suche nach geeigneten Sorten
Die Genossenschaft Biofarm startete 2018 Anbauversuche mit dieser Körnerleguminose, unter anderem wurde dieses Jahr auch auf dem Stiegenhof, dem Bio-Kooperationsbetrieb des Strickhofs, ein Versuch angelegt.
Dabei geht es darum, verschiedene Bohnentypen zu testen und nach geeigneten Sorten zu suchen. «Zurzeit liegt noch wenig Wissen vor, welche Sorten wie viel Ertrag bringen und sich für die Schweizer Anbaubedingungen eignen», stellte Melanie Rediger von Biofarm fest. Zudem seien jedes Jahr wieder andere verfügbar, was eine gewisse Kontinuität erschwere.
Dieses Jahr wurde der entsprechende Acker auf dem Stiegenhof am 1. März gepflügt und vier Tage später geeggt. Nach einer Unkrautkur kam am 3. Mai erneut die Egge zum Einsatz. Ausgesät wurden die Bohnen schliesslich am 6. Mai. Zur Unkrautregulierung erfolgte zweimaliges Hacken mit der Gänsefuss-Scharhacke.
Kalkhaltige, mittelschwere Böden geeignet
Beim Anbau von Auskernbohnen ist es wichtig, dass das Saatbeet flach ist und sauber bleibt. Zudem ist eine mehrjährige Pause einzuplanen, da die Gefahr der Pilzkrankheit Anthraknose besteht. Geeignet sind mittelschwere, kalkhaltige Böden.
Ein Pluspunkt der Buschbohnen ist, dass sie konkurrenzstärker sind als andere Körnerleguminosen. Zudem haben sie im Gegensatz zu Kichererbsen weniger Mühe mit Nässe: Auch letztes Jahr seien teilweise gut Erträge erzielt worden, sagte Melanie Rediger. Auf dem Stiegenhof werden die Auskernbohnen derzeit in Reinkultur angebaut.
Versuch mit einer zweistufigen Ernte
Eine besondere Herausforderung bei den Auskernbohnen stellt das Dreschen dar. Die tiefliegenden Hülsen berühren den Boden, viele bleiben liegen und der Bruchanteil ist hoch. Um dem entgegenzuwirken, erprobt Biofarm nun ein neues, zweistufiges Ernteverfahren: Bei diesem werden die Bohnen in einem ersten Schritt maschinell ausgegraben und auf Schwaden gelegt und in einem zweiten Schritt von der Schwade aufgenommen und gedroschen.
Den Produzentenpreis für Auskernbohnen legte die Biofarm bisher bei 6 Franken fest, für Bruchbohnen 3 Franken. Es bestehe eine gute Nachfrage, bisher wurde ausschliesslich an den Biofachhandel geliefert, doch auch der Grosshandel habe bereits Interesse gezeigt, so Melanie Rediger. Die Anbaufläche für diese Bohnen in Bioqualität hat sich in der Schweiz in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt, derzeit beträgt sie rund 20 Hektaren.
Den Boden unterstützen:
Körnerleguminosen, darunter auch Buschbohnen, haben besondere Eigenschaften:
- Fixierung von Stickstoff aus der Luft
- Stickstoffnachlieferung durch Ernterückstände an die Folgekultur
- Verbesserung der Bodenaktivität und Feuchtigkeitsverwertung
- Besiedlung der Wurzeln mit Mykorrhiza-Pilzen
- Aufnahme von weiteren Nährstoffen wie Phosphor

