«Die Marke Urdinkel ist bei der Bevölkerung angekommen», sagte Präsidentin Simona Gisler an der 31. Generalversammlung der IG Dinkel, die am 13. März 2026 in Islikon TG stattfand. So hätten Anbau und Ertrag von Dinkel in der Schweiz in den letzten Jahren stetig zugenommen. Jedoch sei die Wachstumskurve teils grossen Schwankungen unterworfen.

Hohe Zinsen und Lagergelder belasteten die Jahresrechnung

Das Getreidejahr 2025 verlief laut Simona Gisler bis Anfang Juli vielversprechend. Allerdings kühlte das Wetter ab der zweiten Juliwoche ab und es folgten drei nasse Wochen, was schliesslich zu einer Rekordmenge an ausgewachsenem Dinkel führte. Dies schränkte – zusammen mit ausserordentlich tiefen Fallzahlen – die Verwendung im Lebensmittelbereich stark ein. «Unter dem Strich handelt es sich dennoch um eine gute Ernte», bilanzierte Gisler.

Dass eine gute Ernte eine Ursache für rote Zahlen sein kann, zeigen die beiden Vorjahre: Während aus der Missernte 2024 wenig regulärer Dinkel verkauft werden konnte, lief die Rekordernte von 2023 sehr gut. «Daraus sammelten sich hohe Zinsen und Lagergelder an, die im vergangenen Jahr Liquidität und Jahresrechnung belasteten», so Geschäftsführer Thomas Kurth. Schliesslich resultierte 2025 ein operativer Verlust in der Höhe von rund 427 000 Franken, der dank Auflösung von Warenreserven aus Vorjahren aufgefangen werden konnte.

Vielversprechende Dinkelsorten im Kommen

Laut dem Geschäftsführer ist ein Dinkellager grundsätzlich notwendig, um das Risiko von Ernteeinbussen auszugleichen. Um jedoch die Lagermengen in einem sinnvollen Rahmen zu halten, muss jährlich neu beurteilt werden, wie viel Anbaufläche es braucht. «Die Ernteschätzung erfolgt jeweils im August, wenn die aktuelle Ernte eingefahren ist.» Aktuell geht Thomas Kurth davon aus, dass im Sommer wieder neue Produzent(innen) in allen Bereichen (SGA, IPS und Bio) gesucht werden.

Auch die Züchtung neuer Dinkelsorten kam an der GV zur Sprache: Laut Thomas Kurth kommen in der Schweiz nach wie vor hauptsächlich die Sorten Ostro und Oberkulmer zum Einsatz. Beide liefern jedoch eher geringe Erträge und sind anfällig für Krankheiten. Mit dem Projekt «Speltbase 21» und eventuellen Nachfolgeprojekten will die IG Dinkel robustere Sorten mit einem grösseren Marktpotenzial schaffen. An dem Vorhaben beteiligt ist unter anderem auch Agroscope. Bis neu gezüchtete Sorten bereit sind für den Markt, ist laut Kurth mit drei bis vier weiteren Jahren zu rechnen. Bei der Züchtung neuer Biosorten ist zudem die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) aktiv. Hier seien bereits neue, vielversprechende Sorten verfügbar, so etwa Edelweisser und Copper.

Mehr Werbung und ein jüngeres Zielpublikum

Für die Werbung will die IG Dinkel in diesem Jahr rund 1 Mio. Franken investieren, das sind rund 100 000 Franken mehr als letztes Jahr. Dabei wolle man vermehrt ein jüngeres Publikum über die sozialen Medien erreichen, so Kurth. Auch sei man interessiert an neuen Produkten mit dem Label Urdinkel, wozu es die entsprechenden Verarbeiter brauche. «Daher ist dem Zusammenspiel entlang der Wertschöpfungskette besonders Sorge zu tragen», schloss Präsidentin Simona Gisler.