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Erholung gibt es bei Familie Villiger dann während den Wintermonaten

Margrit und Marcel Villiger führen gemeinsam ein Lohnunternehmen im Freiamt. Die hektischen Tage und die langen Nächte fordern gegenseitig viel Verständnis. Während Marcel Villiger vorwiegend auf den Feldern unterwegs ist, koordiniert und organisiert seine Frau von Zuhause per Telefon.

Das laufende Jahr ist eine Herausforderung für alle Landwirte. Viel Regen, Hagel und kaum trockene, sonnige Tage. Kurzum: Kein gutes Jahr für die Ernte. Die Planung ist wegen Wetterkapriolen schwierig. «Beim Dreschen an den wenigen guten Tagen staubt es nicht wie gewohnt hinter dem Mähdrescher – das ist nicht optimal», meint Lohnunternehmer Marcel Villiger. Ziel ist, die Kunden stets qualitativ hochwertig, professionell und termingerecht zu bedienen.

Ein Familienunternehmen

Das auch während dieser arbeitsintensiveren Tagen, in denen er kaum zu Schlaf kommt. Während der strengen Nächten hilft oft Kaffeetrinken, Telefonieren, Essen, etwas kühlere Temperatur in der Kabine, aber auch das Wissen und der Druck, dass die Arbeit erledigt werden muss. Wenn immer irgendwie machbar, schaut der Landwirt für externe Aushilfen. So kommen alle zu ein paar Stunden Schlaf. Familienzeit und Erholung wird in den Wintermonaten nachgeholt.

Im Jahr 2017 übernahm Marcel Villiger das landwirtschaftliche Lohnunternehmen, das seine Eltern Felix und Maria Villiger 1977 gegründet hatten. Seither führt er mit seiner Frau Margrit Villiger mit viel Freude und Herzblut das Unternehmen weiter. Der Betrieb ist bestrebt, die Arbeiten von der Saat bis zur Ernte gewissenhaft, bodenschonend und zu fairen Konditionen auszuführen. Trotz der tatkräftigen Unterstützung seiner Eltern hat das junge Paar während der Hauptsaison viel Arbeit. Doch sie sehen in der Zusammenarbeit vor allem die positiven Aspekte.

Beim Feldbesuch der BauernZeitung drescht Marcel Villiger Brotweizen. Natürlich macht er sich auch Gedanken über die Fallzahl, die Backfähigkeit des Getreides. Je feuchter der geerntete Weizen ist, desto mehr sinkt die Fallzahl. Die Ernte könnte in der Kategorie «Tierfutter» landen. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Preis. Der Druck, alles schnellstmöglich und trocken in die Mühle zu schaffen, ist in dieser Zeit besonders hoch.

Klare Aufgabenteilung

Auch Margrit Villiger spürt den Druck. Die studierte Apothekerin ist verantwortlich für die Kundenanmeldungen und notiert die entsprechenden Dienstleistungen. Danach erledigt sie in erster Linie die gesamte Planung und Einteilung der Arbeiter und der entsprechenden Maschinen. Häufig in Rücksprache mit Marcel als Absicherung der Pläne.

Nebenbei kümmert sie sich um die anfallenden administrativen Aufgaben wie das Begleichen und Schreiben von Rechnungen oder das gesamte Versicherungs- und Personalwesen. Auch für Familie und Haushalt ist vorwiegend sie zuständig. «Für mich war von Anfang an klar, dass ich mitarbeiten werde, sobald Marcel das Lohnunternehmen übernimmt», erzählt die zweifache Mutter. Sie selbst ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und ist es gewohnt, dass man zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt.

«Obwohl, das gemeinsame Bewirtschaften eines Bauernhofs eine ganz andere Erfahrung ist, als das Führen eines Lohnunternehmens», führt sie weiter aus. Beim Lohnunternehmen sind täglich Angestellte mit auf dem Betrieb, deren Arbeiten und Aufgaben auch geplant werden müssen. «Auf einem Bauernhof hat man auch strenge Tage während der Getreideernte. Bei einem Lohnunternehmen machen wir aber eigentlich mit jedem Bauern seine Ernte durch und haben somit über eine viel längere Zeitspanne eine strenge Zeit. Am intensivsten ist die Dreschsaison.

«Zu Spitzenzeiten führe ich bis zu 200 Telefonate pro Tag.»

Margrit Villiger führt die administrativen Arbeiten.

Respektvoller Umgang

Trotz der intensiven und stressigen Erntezeit ist der Umgangston des Paares stets wertschätzend und respektvoll. Sei es den Arbeitern oder dem Partner gegenüber. Beide bezeichnen sich als eher gefasste Personen, die auch in hektischen Zeiten Ruhe bewahren. Wenn man so eng zusammenarbeite, sei es wichtig, dass man die gleichen Wertvorstellungen und Einstellungen zum Leben habe. Zudem sollte die Arbeit allen Beteiligten Freude bereiten. Dankbar sind sie für das flexible, aufgestellte und motivierte Team und die treuen Aushilfen. Das Paar findet, dass das gemeinsame Führen eines Unternehmens kaum Konfliktpotenzial hervorbringe. Wichtig ist, dass die jeweils getroffenen Entscheidungen vom Gegenüber akzeptiert werden, auch wenn es vielleicht nicht die optimalste Lösung war. Vorwürfe hätten in diesem Moment keinen Platz, finden sie.

«Nicht jede Frau würde das alles mitmachen. Ich schätze es, dass wir als Team so gut funktionieren. In Margrit habe ich die richtige Partnerin gefunden», ergänzt der Landwirt.

Betriebsspiegel Villiger Lohnunternehmen

Betriebsleiter: Margrit und Marcel Villiger

Ort: Sonnenhof 1, Alikon

Ackerfläche: 27 ha, vorwiegend mit Streifenfrässaat und Direktsaat bewirtschaftet

Mitarbeiter: 10 Festangestellte, 10 Aushilfen

Dienstleistungen: Bodenbearbeitung, Säen (Gras, Rüben, Mais, Raps, Getreide, von Solosaat über Kombi- bis Direktsaat), Pflanzenschutz und Düngung, Häckseln, Pressen ab Feld oder Stock, Silieren, Dreschen aller Kulturen, Transport, Vermietung von Landmaschinen

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