Welche Auswirkungen hat die Hitze der letzten Tage auf die Baselbieter Kirschenernte? Das sei schwer zu sagen, sagt der Präsident des Baselbieter Obstverbandes, Stefan Ritter aus Buus BL. Er steckt selbst gerade mitten in der Kirschenernte. Wie viele grössere Obstbetriebe in der Region liegt sein Anbaugebiet in einer mittleren Lage, ab etwa 350–400 Meter über Meer.
In den tiefergelegenen Betrieben in Stadtnähe wird die Ernte schon diese Woche abgeschlossen. Dort wurden während der grossen Hitzewelle letzter Woche Temperaturen von bis zu 39 Grad gemessen – im oberen Baselbiet war die Hitze mit rund 35 Grad etwas gemässigter ausgefallen.
In höheren Lagen können Kirschen noch etwas zulegen
Entscheidend für die Auswirkungen der Hitze sei aber nicht nur die Lage, sondern die Sorte, erklärt Stefan Ritter. «Bei einem Teil der Bäume zeigen sich vor allem oben im Baum Hitzeschäden», sagt er. Betroffen seien vor allem Früchte, die direkt an der prallen Sonne hängen: Sie stellen das Wachstum ein und werden schrumpelig. «Der Baum schaltet irgendwann auf Überlebensmodus und braucht das wenige Wasser für sich selbst, nicht mehr für die Fortpflanzung – also die Kirschen», erklärt Ritter den Mechanismus, der den Ertrag schmälert.
Insgesamt habe die Hitze bei der Ernte die Staffelung nach Sorte und Höhenlage etwas zusammengerückt. Am schwersten habe es derzeit die Sorte Regina. «Viele Früchte werden dieses Jahr mehr oder weniger gleichzeitig reif», sagt Ritter. Bei den späteren Sorten könne es zu einem Wachstumsstopp kommen.
Es sei aber noch nicht alles schlecht, betont er. Diese Woche werde ein paar Tage Entspannung bringen. Möglich also, dass die Kirschen in mittleren und höheren Lagen noch etwas zulegen können. «Das hoffe ich jedenfalls, aber was kaputt ist, bleibt kaputt», fügt Ritter hinzu.
Bei Hochstämmern ist die Hitze nicht das grösste Problem
In den tiefen Lagen, wo die Ernte langsam zum Abschluss kommt, hätte man sich natürlich ein, zwei oder gar drei Millimeter mehr Fruchtdurchmesser gewünscht, was aber aufgrund des fehlenden Wassers ausblieb. Mit einem Totalausfall bei der Ernte sei aber auch dort nicht zu rechnen, sagt Stefan
Ritter. Limitierender Faktor bleibt das Wasser. Zwar würden geschützte, gedeckte Kulturen meist bewässert, aber das tief in den Boden eindringende Regenwasser werde damit nicht ersetzt.
Schwierig ist im Baselbiet die Lage für die Hochstammkulturen, für die Regionen wie der «Obstgarten Farnsberg» berühmt sind, deren Produktion aber stark im Abnehmen ist. Für die Hochstämmer sei die Hitze dieses Jahr zwar auch per se ein Problem, so Ritter. Der Rückgang der Produktion liege aber vor allem an den nach wie vor ungelösten Problemen mit der Kirschessigfliege und dem fehlenden Absatz.